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Kultur Santana so heiß wie einst in Woodstock – So ist das neue Album „Africa Speaks“
Nachrichten Kultur Santana so heiß wie einst in Woodstock – So ist das neue Album „Africa Speaks“
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12:00 02.06.2019
Die Gitarre lebt und sie singt exzessiv: Latinrock-Gott Carlos Santana (hier bei seinem Auftritt am 27. Mai beim Bottle Rock Napa Valley Music Festival im amerikanischen Napa) hat ein neues Album am Start. Quelle: Amy Harris/Invision/AP/dpa
San Francisco

Afrika spricht. Und es spricht gleich am Anfang mit den obligatorischen Trommeln – wie das Klischee es verlangt. Die Vorrede über Dschungel, Tiere, die Wiege der Zivilisation hätte Meistergitarrist Carlos Santana getrost weglassen können, sein Album „Africa Speaks“ ist nicht „König der Löwen“ und Musik braucht auch keinen Erklärbalu. Gleich danach aber beginnt ein Fest der flirrenden Rhythmen.

Africa Speaks – Alle Rockmusik hat ihren Ursprung in Afrika

Und das Statement dieses Festes ist: Alle Rockmusik hat ihren Ursprung in Afrika. In „Batonga“ lässt Santana („Der Song kommt in Kriegsbemalung daher“) seine Gitarre wieder zur Schlange werden, die ihre Töne um die heisere, flehentliche Stimme der spanischen Sängerin Concha Buika windet und die Hammondorgel von David K. Mathews lässt dazu wilde Strudel kreiseln. „Africa Speaks“, das steht schnell fest, ist eins der wildesten, erfrischendsten, mitreißendsten Alben in der Karriere des Mexikaners.

Die sich im 50. Jahr befindet. Damals beim Friedensfest in Woodstock hatte der gerade 22-Jährige unter dem Einfluss von Meskalin ein Konzert hingelegt, so exzessiv, dass er damit über Nacht zum Star wurde, ohne überhaupt ein Album auf dem Markt zu haben.

Das Emblem „Latinrock“ klebte fortan an Santana, aber die lateinamerikanischen Rhythmen in Hits wie „Jingo“, „Evil Ways“, „Oye como va“ und „Samba Pa Ti“, hatten allesamt Afrika im Genpool. Und „Africa Speaks“ ist nun Santanas Dankeschön dafür.

Africa Speaks – Es gab Tiefpunkte in Santanas Karriere

Santanas erstes Comeback nach lauen Zeiten erfolgte schon vor 20 Jahren. Im Januar 1999 erschien „Supernatural“, sein poppigstes Album bis dato. Gitarre, Grooves und viele Gesangsstimmen. Acht Grammys fuhr Santana ein, hatte Tophits („Smooth“, „Maria Maria“) und verließ sich fortan auf das Konzept.

So wirkten Santanas Alben bald wie Kompilationen von Songs anderer Künstler, bei denen der Gitarrist mal kurz im Studio vorbeischaute. Tiefpunkt war „Guitar Heaven“, wo er seine Gitarre in Coverversionen von Rockklassikern hineinschnörkelte – in Led Zeppelins „Whole lotta Love“ oder AC/DCs „Back in Black.

Africa Speaks – Santana ist im zweiten Frühling

Alles an „Africa Speaks“ nun ist Santana im zweiten Frühling. Die alte Magie des Jammens entfaltet sich über die volle Albumlänge: Plappern und Klappern, Rascheln und Rasseln des Percussionsparks, dazu das Voodoo einer in höchsten Tönen ihre Soli jubilierende Gitarre, die auch manchmal – wie in „Yo Me Le Meresco“ oder „Blue Skies“ bluesschwer und erdig dreinfährt. Dann die Stöße und Phrasen von Posaune und Trompete in „Breaking Down The Door“.

Hier ist er wieder, der „spirit of 1969“, der Enthusiasmus einer Zeit, als Rock wie eine junge Sonne über dem ganzen Planeten schien. Es singt diesmal auch nur Buika, was dem Werk guttut. Alles ist aus einem Guss.

Africa Speaks – Rick Rubin brauchte seinen Rückführungszauber nicht

Rick Rubin war der Produzent von „Africa Speaks“, der Mann, der für gewöhnlich von ihrer Kunst entfremdete Helden der Musik (etwa Johnny Cash, Neil Diamond und Donovan) zu ihren ureigenen Sounds zurückgeleitet. Diesmal brauchte Rubin seinen Zauber gar nicht. Santana, der sich im deutschen „Rolling Stone“ als der wohl größte Sammler afrikanischer Musik bezeichnete, spielte die 49 Songs in Rubins Shangri-La Studios in Malibu mit seiner achtköpfigen Band binnen zehn Tagen ein.

Und Rubin sah nach eigenem Bekunden nur zu, wie alles geschah. Übrigens: Schon 2011 erklärte Santana im Interview mit der hannoverschen „Neuen Presse“, jederzeit noch einmal Spektakuläres wie „Abraxas“ und Visionäres wie „Caravanserai“ abliefern zu können.

Africa Speaks – Santana ist Headliner von „Woodstock 50“

Und Santana hielt Wort: 2016 – 45 Jahre nach „Santana III“ erschien das Album „Santana IV“. Wo Santana mit vier Mitgliedern seiner legendären Band musizierte, die 1971 zerbrach. Und wo er zu Love,-Peace-&-Freedom-Texten seine alte Klasse wiederfand. „Africa Speaks“ ist die Fortsetzung dieser neuen Begeisterung, Santanas Auftritt als Headliner wird zu den Glanzlichtern des nun wohl doch finanzierbaren „Woodstock 50“-Konzerts im August zähle. Santana lebt und brennt.

Nur elf Stücke sind übrigens auf dem Album gelandet. In zehn Jahren erwarten wir deshalb die 38 Outtakes auf einer Superduper-Deluxe-Jubiläumsedition.

Santana: „Africa Speaks“ (Concord/Universal), erscheint am 7.Juni

Von Matthias Halbig/RND

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