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Kultur Wittenbrinks neuer "Hammer"
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16:00 12.06.2019
Von Christian Strehk
Liederabend im Baumarkt-Szenarium: Franz Wittenbrink probt seinen neuen "Hammer" am Schauspielhaus Kiel. Quelle: Christian Strehk
Kiel

„Am Theater bin ich ja eher ein Spätzünder, weil ich als Kommunistischer Funktionär aktiv war – bis dann irgendwann sogar ich gemerkt habe, in was für einen Verbrecherhaufen ich da geraten war“, amüsiert sich der 1948 geborene Komponist, Arrangeur, Dirigent und Pianist Franz Wittenbrink über sich selber.

Theatermusiker einst am Deutschen Schauspielhaus Hamburg

Der Theatermusiker, mindestens seit den 90er-Jahren am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg als Ikone der halbszenisch angeschrägten „Liederabend“-Kunst und an diversen Bühnen enorm erfolgreich, versucht sich mit Intendant und Regisseur Daniel Karasek an ihre Kennlernphase einst in Zürich und Stuttgart zu erinnern.

Gute Musikausbildung bei den Regensburger Domspatzen

Wittenbrink, der trotz traumatischer Erlebnisse durch Missbrauch und Schläge den Regensburger Domspatzen eine „enorm gute Musikausbildung“ für Jugendliche bescheinigt, hat eine kunterbunte Biografie. Statt Musik habe er aus Protest erstmal Soziologie studiert, eine Schlosserlehre gemacht, Offsetdruck und Klavierbau gelernt, als Fernfahrer gejobbt ...

Franz Wittenbrink probt seinen neuen "Hammer" am Schauspielhaus Kiel.

Durch Zufall am Theater gelandet

„Nach zwölf Jahren Pause kann man dann allerdings nicht mehr Konzertpianist werden“, lacht er. Dann sei er durch Zufall aus der Kneipe gefischt geworden, um im Theater Musik zu machen. „Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen.“ Mit den Black Heads (“außer mir alles Jamaikaner“) hat er Band-Erfahrung gemacht und Soul, Funk und Reggae geschrubbt: „Eine gute Lehrzeit für mich als alten Klassiker ...“

Reizvolle Reibung von Anspruch und Realität

Reibung von Anspruch und Realität interessiert ihn bis heute, auch beim aktuellen Hammer-Projekt: „Heute ist wieder betreutes Denken angesagt. Ich fühle mich an die Fuffziger Jahre erinnert, wo Etliches tabuisiert war und nicht gesagt werden durfte. Na ja, und was das dann mit der Realität zu tun hat, da gucken wir mal ein bisschen drauf.“

"Hammer": Sujet Baumarkt

In seinem Baumarkt geht eigentlich nur ein Paar eine neue Spüle kaufen. Aber genauso wie Gucci ein Che-Guevara verkauft, stehe die Konsumgesellschaft auch unter Heimwerkern quer: „Das Segment an sogenanntem Frauenwerkzeug explodiert gerade – in rosa!“ Ansonsten lasse sich das Verhältnis der Chefin zu den Angestellten befragen: „Ob das so stimmt, dass es keine Kriege mehr geben würde, wenn Frauen die Welt beherrschen? Utopien sind ja nett ...“ kichert Wittenbrink. „Das Theater spielt mit Überhöhungen und Metaphern. Es gilt, mit Humor Finger in die Wunde zu legen.“

Die Erfolgsgeschichte von Wittenbrinks „Sekretärinnen“

Der Vorbühnen-Dauerbrenner „Sekretärinnen“ sei 1995 durch die Probleme eines Intendanten für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg entstanden, so Franz Wittenbrink: „Der hatte lauter Rollen für die Männer im Ensemble und musste dringend tolle Schauspielerinnen wie Monika Bleibtreu anderweitig beschäftigen.“ Was aber machen aus diesem Auftrag? „Mein Spaß war es damals, Anspruch und Realität des Feminismus zu befragen. Was bleibt im Büroalltag tatsächlich von der Frauen-Solidarität?“ Der alltägliche Wahnsinn und die Erkenntnis Mensch bleibe Mensch – mit allen kleinen Defiziten. Auch im Kieler Opernhaus sorgen Wittenbrinks „Sekretärinnen“ seit der Spielzeit 2010/11 für enormen Zuspruch. In neun Saisons gab es hier 68 Vorstellungen und 29147 Besucher. Ein weiterer Termin am 23. Juni, Wiederaufnahme am 20. Oktober.

Songfolge mit den Schauspielertypen entwickeln

Wittenbrink interessiere es, eine Geschichte mit den Schauspielern zusammen zu entwickeln, ihre Assoziationen in den Proben aufzugreifen, um die Figuren zu konturieren. „Sweat dreams auf fabrikneuen Kloschlüsseln in der Mittagspause? Das hat doch was. Das Konzept ist offen. Da ich relativ schnell schreibe, setze ich mich nachts hin und schreibe Noten.“

Unterschiedliche Stilistiken

Ganz unterschiedliche Stilistiken formen Typen – von Deichkind bis Operette oder Soul. Wenn er nicht selber ganz neu komponiere, würden halt bekannte Songs individuell transformiert. Intimer Partner ist das Klavier – oder die Gitarre hinter dem Infotresen für Fliesen oder Abflussrohre.

Die Daten der Kieler Uraufführung

Premiere im Schauspielhaus Kiel am 14. Juni, 20 Uhr. Restkarten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

Lange stand der Termin auf der Kippe – jetzt wird die Eröffnung für das Vorzeigeprojekt der deutschen Kultur verschoben. Das Humboldt Forum soll nicht mehr wie geplant in diesem Jahr starten.

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