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Kultur Schauspieler Bruno Ganz ist tot
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14:48 16.02.2019
Der Schauspieler Bruno Ganz kommt am 20.01.2017 in München (Bayern) zur Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater. Quelle: Ursula Düren/dpa
Berlin

Auf der Bühne und in zahlreichen Filmen hat er den Grübler, den Stillen gegeben - und den Diktator. Mit dem Schweizer Schauspieler Bruno Ganz verliert die Schauspiel-Szene einen großen Darsteller. Er erlag in Zürich im Alter von 77 Jahren seiner Krebserkrankung, wie sein Management am Samstag mitteilte. Ganz war bekannt aus Filmen wie „Der amerikanische Freund“, „Himmel über Berlin“ oder „Brot und Tulpen“.

Den Tod hat Bruno Ganz oft gespielt. Auf der Bühne in klassischen Dramen ebenso wie vor der Filmkamera. „In Sterberollen lernt man, dass es einem nicht hilft, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten“, sagte er einst im Interview der „Zeit“.

Ganz war auf der Bühne und im Film einer der Großen seines Fachs. Von der Kritik in höchsten Tönen gelobt und nach seinen eigenen Worten ein Einschnitt in seinem künstlerischen Wirken war seine Verkörperung des Diktators Adolf Hitler in «Der Untergang» (2004). 2017 spielte Ganz in «Der Trafikant» den Psychoanalytiker Sigmund Freud.

1996 wurde dem Schweizer der Iffland-Ring verliehen. Der Preis stellt die bedeutendste Auszeichnung für deutschsprachige Schauspieler der Gegenwart dar. Der Iffland-Ring wird von ihrem Träger jeweils im Testament an den seiner Ansicht nach würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit weitergereicht. Ganz hatte den nach dem Schauspieler und Theaterdirektor August Wilhelm Iffland benannten Ring 1996 von Josef Meinrad erhalten.

Ganz bestimmte Gert Voss als Nachfolger

Ganz soll seinen fast gleichaltrigen Bühnenkollegen Gert Voss als Nachfolger bestimmt haben, der schon bei Meinrads Tod als Kandidat gehandelt worden war. Voss starb aber 2014 - es wird also ein anderer in die Reihe der Iffland-Ringträger gestellt.

Der letzte Bühnenauftritt des begnadeten Schauspielers liegt bereits einige Jahre zurück. 2012 wirkte Ganz bei Luc Bondys Pariser Inszenierung von „Homecoming“ mit. In Lars von Triers „The House That Jack Built“ war er zuletzt in einem Film zu sehen.

Prägende Figur des Theaters

Als Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer italienischen Mutter wuchs Ganz in Zürich auf. Schon als Schüler entdeckte er die Bühne für sich. Nach ersten Engagements traf er in Bremen mit Peter Stein einen Regisseur, mit dem er lange zusammenarbeitete.

Die von Ganz mitbegründete Berliner Schaubühne wurde in den 1970er Jahren zum Dreh- und Angelpunkt des europäischen Theaterlebens. Dort spielte Ganz unter anderem die Titelrolle in Ibsens «Peer Gynt» und in «Kleists Traum vom Prinzen Homburg».

Mitte der 70er Jahre vermehrt in Filmen

Mitte der 70er Jahre wurde der Film zu seinem Metier. Zu den ersten Streifen zählten die Literaturverfilmung „Die Marquise von O.“ (1976), in der Ganz den Grafen spielte, und Peter Steins Verfilmung der „Sommergäste“. Später folgten Werner Herzogs „Nosferatu“ (1978) und Volker Schlöndorffs „Die Fälschung“ (1981).

Im Sommer 2018 sollte Ganz bei den Salzburger Festspielen den Erzähler in der Mozart-Oper «Die Zauberflöte» spielen. Dazu kam es nicht mehr. Die Proben musste er auf dringenden ärztlichen Rat abbrechen.

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Von RND/dpa/ka