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Kultur Kapelle des Stararchitekten für Kiel
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12:00 11.12.2013
Moritz Kock (li.) im Gespräch mit Oscar Niemeyer in dessen Arbeitszimmer in Rio de Janeiro. Quelle: Kock
Kiel

Die Vorgeschichte dieses Gedenkortes verknüpft sich mit dem Absturz der Air-France-Maschine, die am 1. Juni 2009 von Rio de Janeiro nach Paris in den Atlantik stürzte. Alle 228 Menschen des Fluges AF 447 kamen ums Leben. Unter den Toten war auch der in Kiel geborene und aufgewachsene Architekt Moritz Kock.

Wenige Tage vor seinem Abflug hatte sich der Sohn des Kieler Bildhauers Hans Kock noch mit einer begeisterten Nachricht in der Kulturredaktion unserer Zeitung gemeldet. Er reise zu einem Treffen mit dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, mit dem er auch über den Bau einer Kapelle sprechen wolle. Moritz Kock, durch mehrere gemeinsame Projekte nicht nur beruflich, sondern längst freundschaftlich mit Niemeyer verbunden, war erfüllt von dem Projekt, das der erste realisierte Sakralbau des Klassikers der Moderne in Europa sein würde.

Unklar war damals noch, wo das Gebäude seinen Platz finden würde. Sicher war aber nach ersten freien Skizzen und detailierteren Zeichnungen, dass er die unverkennbar elegante Handschrift Niemeyers tragen würde. Moritz Kock selbst wollte die technische Umsetzung vorantreiben und hatte das Modell mit nach Rio gebracht, wo es Niemeyer signierte.

Die Witwe Moritz Kocks, Fernanda von Oppersdorff nebst Familie, wollte an den Plänen festhalten, die auch Oscar Niemeyer nicht einfach zu den Akten legen mochte. Als Erinnerungskapelle wird sie nun den Opfern des Flugzeugabsturzes gewidmet werden. Auf Wunsch der Hinterbliebenen wurde ein Standort in Küstennähe gesucht, denn von den 228 Opfern konnten nur die sterblichen Überreste von 51 Passagieren aus dem Meer geborgen werden.

 Die Kapelle soll in 120 Meter Entfernung von der Schilkseer Steilküstenkante errichtet werden und vom Funkstellenweg aus zugänglich sein. Zwei einander überlagernde Stahlbetonschalen mit einer verglasten Fensterfront geben den Blick frei auf die Ostsee bis nach Laboe. Die Kapelle mit einer Grundfläche von elf mal elf Metern und einer Höhe von fünf Metern stehe frei, also außerhalb der Bebauung, wie Peter Todeskino gestern betonte.

Kiels Bürgermeister sprach von einer langjährigen und sensiblen Planungsphase, die schon unter Torsten Albig angebahnt worden sei. Er hatte 2011 gemeinsam mit Fernanda von Oppersdorff zu einem Treffen der Hinterbliebenen aus 111 Nationen nach Kiel eingeladen, bei dem auch Spendenzusagen von Air France und Airbus eingingen. Moritz Kocks Begeisterung für das Projekt trägt Fernanda von Oppersdorff über seinen Tod hinaus weiter. Sie hat bislang 350000 Euro an Spenden eingeworben. Für die Realisierung fehlen noch 150000. „Ein Klacks“, sagt Todeskino. Angesichts dieses Architekturgeschenks kann man bedingungslos zustimmen.