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Kultur Frisch vermählte Kompetenz
Nachrichten Kultur Frisch vermählte Kompetenz
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15:00 15.07.2014
Von Christian Strehk
Flaggenparade mit Orchestermusikern und SHMF-Intendant Christian Kuhnt. Quelle: Axel Nickolaus
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Büdelsdorf

Der Countdown, zu dem SHMF-Intendant Christian Kuhnt das Publikum animierte, passt gut zu Eschenbachs geplantem Halbmarathon in Sachen Mendelssohn- und Rachmaninow-Proben. Und zur Tatsache, dass der Dirigent auf Vermittlung von Nord-Art- und Carlshütte-Gastgeber Hans-Julius Ahlmann direkt vor Ort aus Salzburg landen kann, wo er mit dem Don Giovanni noch am Vormittag die Fortsetzung seines Mozart-Zyklus’ mit den Wiener Philharmonikern vorbereitet hat.

 Seine leichte Verspätung nutzt das Orchester nicht nur zum kakofonen Einspielen. Auf unüberhörbare Initiative der Blechbläser schält sich ganz allmählich der allseits bekannte Hochzeitsmarsch aus Mendelssohns Schauspielmusik zum Sommernachtstraum heraus. Das Ständchen zum Shakespeare-Geburtstag nimmt allmählich immer glücklichere Kontur an, weil auch das letzte Pult irgendwann die richtige Stelle in der Partitur gefunden hat. Auch ein Luciano Berio hätte diese Geburt der Klangskulptur SHFO aus sich selbst heraus kaum schöner komponieren können.

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 Dann aber doch: Auftritt Eschenbach. Der schwärmt kurz von einem der „mirakulösesten Meisterwerke“ und schmeißt die Holzbläser gleich mit dem intonatorisch so gefürchteten Ouvertüren-Einstieg ins kalte Wasser des Waldweihers, an dem die Feen in Hochgeschwindigkeit tanzen. Der Dirigent ist positiv überrascht, wie sauber (einstudiert vom ehemaligen Klarinetten-Solisten der Bamberger Symphoniker, Johannes Peitz) hier geblasen wird, hat aber von den fragilen Akkordtürmchen dann doch eine um Nuancen andere Vorstellung. Die wird kurz eingepegelt.

 Dann die Streicher. Punktgenaue Präzision ist hier gefragt, trotz des rasanten Tonflirrens und der extrem leisen Zauberstimmung. Schließlich der Kontrast, die Tutti-Explosion, die mit gestaffelten Crescendi zum Federn gebracht werden muss – und gebracht werden kann. Auch Eschenbachs berechtigter Hinweis auf den Klang gewordenen „I-aah“-Ruf des Eselkopfes zeitigt starke Wirkung, zumal sich die Fagotti prompt begeistert ins Zeug legen ...

 In den Gesichtern des frisch vermählten Kompetenzensembles liest man jedenfalls Zufriedenheit über die jugendliche Energie, mit der ein vollkommen altersloser 74-Jähriger das Werk aufzuladen versteht. Noch mögen Oberon, Titania, Puck und Zettel bloß Trugbilder sein. Aber allzu weit scheint ein sommernächtlicher Traum nicht mehr entfernt. Außerdem wird mit Dominique Horwitz ja noch ein verflixt guter Erzähler erwartet.

 Weitere öffentliche Proben in der Thormannhalle: 15. Juli ab 20.30 Uhr; 16. Juli nur 10 bis 13 Uhr; Donnerstag 17. Juli ab 10 und ab 15 Uhr. Öffentliche Generalprobe und Konzerte in Büdelsdorf (Do 17. Juli), Kiel (Fr 18. Juli) und Lübeck (Sa 19. Juli). Karten: Telefon 0431 / 23 70 70 www.shmf.de