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Kultur Sebastian Schilde: „Für mich muss Scooter live einfach ballern“
Nachrichten Kultur

Scooter: Bandmitglied Sebastian Schilde aus Altenholz über neues Album

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13:38 12.09.2021
Von Thomas Bunjes
Im März kommen Scooter nach Kiel: (von links) Michael Simon, H. P. Baxxter und Sebastian Schilde aus Altenholz, der das neue Album fast komplett produziert hat.  
Im März kommen Scooter nach Kiel: (von links) Michael Simon, H. P. Baxxter und Sebastian Schilde aus Altenholz, der das neue Album fast komplett produziert hat.   Quelle: Philip Nuernberger
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Altenholz

„God Save The Rave“ heißt das aktuelle Album der Hamburger Techno-Band Scooter, das im April auf Platz vier der deutschen Charts einstieg. Produziert hat es das neue Scooter-Mitglied Sebastian Schilde, der mit seiner Familie in Altenholz bei Kiel lebt. Er war wegen Corona viel zu Hause, hat aber auch viel erlebt.

Jetzt zählst du seit zweieinhalb Jahren zu Scooter. Hast du das je bereut?

Sebastian Schilde: Es gab einen Moment, wo ich gesagt habe: Warum habe ich das gemacht? Das war ein sehr schrecklicher Moment. Wir waren in der Album-Endphase, es ging alles drunter und drüber, Stress mit dem Abgabetermin, dazu Corona. Da war die Lunte relativ kurz. Das war aber schnell verflogen, als ich die Musik, das Endergebnis gehört habe. Aber bewusst jetzt zu sagen, das war ein Fehler, das hatte ich überhaupt nicht.

„Wir haben uns als Team noch mehr gefunden“

Am Schluss unseres Interviews nach deinem Neueinstieg bei Scooter habe ich dich gefragt, ob du von einem festen Arbeitsplatz ausgehst. So dürfe man an die Sache nicht rangehen, lautete damals deine Antwort. Und heute? Fühlst du dich etabliert?

Ja, aber das Gefühl hatte ich am Anfang auch schon – dass ich nicht so ein Durchlaufposten bin. Wir haben uns als Team noch mehr gefunden, auch durch die Corona-Pandemie, weil wir doch mehr Zeit hatten, zusammen im Studio zu sitzen.

„Mittlerweile hat die Band einen Kultstatus“

Scooter sind in all den Jahren nicht gerade als Kritikerlieblinge aufgefallen. Musstest du dir bereits ein dickes Fell zulegen?

Dieses Belächeln gab es ja überwiegend in den 90ern und Anfang der Nuller-Jahre. Mittlerweile, so habe ich das erlebt, hat die Band einen Kultstatus. Jeder kennt die Nummern, jeder kennt die Hits, alle sagen, ich höre das nie, aber sobald dann „How Much Is The Fish?“, „Nessaja“ oder irgendein anderer Track läuft, können auf einmal alle mitgrölen und jeder weiß, was „respect to the man in the ice cream van“ bedeutet. Ich habe das gemerkt, als ich die ersten Live-Shows gespielt habe, wie bei Festivals wie dem Kosmonaut oder Zwarte Cross in den Niederlanden oder auch bei unseren eigenen Shows die Leute einfach abgehen.

„Ich bin noch im Hausbau“

Was habt ihr im Lockdown so getrieben – natürlich außer am neuen Album zu arbeiten?

H. P. hat, glaube ich, renoviert (lacht), Michael ist umgezogen, ich bin auch noch im Hausbau – aber nebenbei eben ganz, ganz viel Studio. Viel mehr Tracks produziert, als auf dem Album sind, viel mehr Zeit gehabt dafür. Da hat uns natürlich geholfen, dass wir nicht auf Tour waren.

Der Titelsong des neuen Albums kam ja nun schon vor zwei Jahren raus, hat aber, wenn man ihn so interpretieren möchte, fast schon prophetische Dimensionen: „God Save The Rave“.

Jetzt mehr denn je!

Weshalb musste der Rave denn ursprünglich gerettet werden? Oder ist das einfach nur ein hübsches Wortspiel?

Wir wussten am Anfang der Album-Produktion noch nicht, wie wir es nennen wollen, wir hatten verschiedene Ideen, und wegen der Corona-Pandemie hat H. P. gesagt: Das passt besser denn je! Wenn hier einer den Rave retten muss, dann kann es ja nur noch einer.

„Bis auf den letzten Song habe ich alle produziert“

Wie hoch ist denn jetzt dein Anteil am Album?

Bis auf den letzten Song, den Cover-Track „Wandering Star“, habe ich alle produziert.

Scooter kommen in die Wunderino-Arena

Am 23. März 2022 kommen Scooter auf „God Save The Rave“-Arena-Tour in die Wunderino Arena in Kiel. Ein paar Hitsingles hat das Techno-Trio bereits ausgekoppelt – mit insgesamt gut 200 Millionen Streams. Aber natürlich haben Scooter auch Klassiker aus ihrer langen Bandgeschichte im Gepäck.

Scooter haben ja nun schon immer Dampf im Sound gemacht, aber ihr scheint bei den neuen Songs noch mehr aufs Gas drücken. Täuscht das oder stimmt das?

Stimmt! (lacht) Ich hab’ einfach schon so einen gewissen Drive mitgebracht. Ich komme ja aus dieser ganzen Rave-Zeit und hab’ das ja alles auch mitgemacht als DJ. Für mich muss Scooter live einfach ballern. Muss aktuell klingen und on point. Da muss Scooter weit vorne stehen und mit am lautesten knallen. So wie beim Lollapalooza-Festival in Berlin, das muss ich dir einfach erzählen: Wir haben im Olympiastadion gespielt, das war eine unglaublich geile Bühne. Mega! Draußen auf der Hauptbühne hat Billie Eilish gespielt. Irgendwann kriegt unser Tontechniker ’ne SMS vom Tontechniker, der gerade Billie Eilish macht: Könnt ihr mal bitte leiser machen? Wir hören hier nur noch Scooter! Die Leute sind irgendwann von Billie Eilish zu uns rübergeströmt und haben da mitgefeiert.

„Es gab bei Scooter immer Experimente“

Klingt das Album auch abwechslungsreicher als früher, stilistisch breiter?

Es gab ja bei Scooter immer auf den Alben Experimente – Nummern, die aus der Reihe gesprungen sind, gehören einfach dazu.

„Futurum Est Nostrum“ heißt der Opener des Albums. Beginnt wie ein gregorianischer Choral, dann verkündet eine Stimme: „We are back.“ Ist zwar auf den Rave gemünzt, aber „es ist unsere Zukunft“ könnte man auch auf eine Zeit nach Corona beziehen ...

Das hast du ganz richtig gemacht. (lacht) Genauso isses. Das ganze Album ist ja komplett positiv, nicht nur durch den Titel, sondern das wir das auch irgendwann live performen können. Das ist jetzt ’ne Phase, durch die wir alle gehen werden, und dann werden wir auch alle wieder gemeinsam feiern können. Und das wird so kommen, das wird so kommen.