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Kultur Sebastian Fitzek konnte nicht überzeugen
Nachrichten Kultur Sebastian Fitzek konnte nicht überzeugen
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15:25 30.10.2019
Von Kai-Peter Boysen
Sebastian Fitzek war am Dienstag in der in der Kieler Sparkassenarena zu Gast. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Für den musikalischen Part der Soundtrack-Leseshow am Dienstagabend in Kiel hat sich der Berliner Sebastian Fitzek nicht nur erneut mit dem Elektroduo Buffer Underrun zusammengetan, sondern auch den weißrussischen Pianisten Leon Gurvitch plus Streichquartett hinzugeholt, um die Szenen aus dem neuen Werk vielschichtig zu untermalen. Doch erst einmal kommt Team-Mitglied Jo Megow auf die Bühne der Sparkassen-Arena und sorgt für das Wesentliche zu Beginn einer Show: Herstellen des Fankontaktes, mündend in ein Geburtstagsständchen für Jubilarin Inga im Handylichtermeer.

Es folgen Videosequenzen, in denen Fans, die im Vorfeld der Buchveröffentlichung für hübsche "Das Geschenk"-Ideen einen Besuch des Autors gewonnen haben, auf einen Horrortrip gehen, und dabei kurz in die Rolle des Protagonisten Milan Berg schlüpfen, bis Fitzek sie, in Plastikfolie gehüllt aus einem blutverschmierten Klo stürzend, wieder in die Realität zurückholt.

Sebastian Fitzek will wie Helene Fischer einschweben

Dann kommt er endlich: Sebastian Fitzek, 16 Millionen verkaufte Bücher, verfilmt, adaptiert und übersetzt in 24 Sprachen. Er sitzt am Bühnenrand und meint, man habe doch wohl nicht erwartet, dass er wie Helene Fischer von der Hallendecke schwebe. Nach kurzem Dialog mit Jo Megow verschwindet er hinter dem Bühnenvorhang, man hört ein Klicken, der Vorhang fällt – fast, ein Teil bleibt hängen. Doch vor allem hängt, nein baumelt dort auch Fitzek, mit Bällen jonglierend. Dann beenden die Helfer die halbtolle Szene.

Besser ist Fitzek als Vorleser; seiner sonoren, kräftigen Stimme hört man gern zu und lässt sich in den Kosmos von "Das Geschenk" einführen: Die Hauptfigur Milan Berg ist ein Trickbetrüger, der sich erfolgreich in eines seiner Opfer, die Kellnerin Andra, verliebt. Zeitsprung, Milan ist auf dem Fahrrad in Berlin unterwegs, an einer Ampel hält ein Volvo neben ihm. Ein kleines Mädchen im Fond drückt einen Zettel mit einer Botschaft ("Helft mir! Das sind nicht meine echten Eltern") an die Scheibe, doch leider kann Milan diese nicht lesen, denn er ist Analphabet.

Sebastian Fitzek ist Schirmherr bei der Alfa-Selbsthilfe

Wechsel zum privaten Teil der Show, in dem Fitzek in Erinnerungen schwelgt, über seine Inspiration plaudert oder von Begegnungen mit besonderen Menschen wie seinem Gast Timm-Thilo Fellmer erzählt. Der ist im Vorstand der Alfa-Selbsthilfe, die aus Menschen mit ehemaliger Lese- und Schreibschwäche besteht und sich zum Ziel gesetzt hat, den aktuell sechs Millionen Analphabeten zu helfen. Seit kurzem kann sich der Verband über den Schirmherrn Sebastian Fitzek freuen.

Für weitere Auflockerung in der Kieler Sparkassen-Arena sollen die Comedy-Videos sorgen, in denen Jo Megow von Fitzek per Earphone "ferngesteuert" wird und in lächerlicher Montur ein Box-Gym betreten muss. Fitzek sieht sich offensichtlich häufig aus dem "Föjetong" mit dem Vorwurf konfrontiert, zu wenig Kultur zu vermitteln, also muss mal wieder Goethes "Faust" herhalten, denn der ist ja sowas von 1800 und Nachkriegspennälertum, dass es nur noch zum Zitieren unter Faustkämpfern reicht. Dafür gibt’s für Jo dann auch folgerichtig auf die Fresse. Sieht aus wie das Malusmaterial von Joko & Klaas und wird auch nur maßvoll belacht.

Gut gemeint ist nicht immer gut

Mehr hätte man sich vom Lesen zum Soundtrack gewünscht, denn die Musiker sind erstklassig, schaffen zu Videoanimationen eine unheilvolle Spannung, bizarre Wahrnehmungen und tauchen tief ein in die Erlebniswelt des Milan Berg, der von einem alten Mann ein Geschenk erhält: Eine Schachtel mit Pillen, die ihm helfen sollen, wieder lesen und schreiben zu können. Der Mann kennt ihn offensichtlich… und das Haus, in dem das kleine Mädchen aus dem Auto verschwunden ist, steht leer. Dort klingelt ein Telefon und das Psychospielchen im Psychospiel (Milan wird von einem Mann namens Zeus gefoltert und muss aus seinem Leben erzählen) beginnt.

Die Leseszenen ernten viel Applaus, die weiteren Elemente inklusive des gut gemeinten Abschlusssongs müssen sich mit dem Wohlwollen der Fans begnügen.

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Hier finden Sie weitere Fotos von Sebastian Fitzek in der Kieler Sparkassen-Arena.

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