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Kultur Ein „Prozess der Reinigung“
Nachrichten Kultur Ein „Prozess der Reinigung“
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13:48 18.12.2019
Von Konrad Bockemühl
Gruppenbild mit sechs Damen und sechs aktuellen Gütesiegeln im Warleberger Hof (v.li.): die Museumsleiterinnen Heike Meyer-Schoppa (Deutsches Baumschulmuseum Pinneberg), Sabine Behrens (Künstlermuseum Heikendorf-Kieler Förde), Doris Tillmann (Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum), Jutta Kollbaum-Weber (Dr. Carl-Häberlin-Friesen-Museum Wyk auf Föhr), Dörte Beier (Stadtmuseum Schleswig) und Sabine Graetke (Museum der Landschaft Eiderstedt in St. Peter Ording). Quelle: Björn Schaller
Kiel

Vier haben die entsprechende Plakette bereits in zweiter Auflage erhalten. Das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum ist eines davon. Leiterin Doris Tillmann, Gastgeberin der jüngsten Auszeichnung, sagt es für ihr rezertifiziertes Haus: Museumsarbeit sei eben nicht beliebig. Das Verfahren, das einhergeht mit umfangreichen Beratungen und Workshops zu Museumsstandards, habe das klare Leitbild für ihr laut Jury „hervorragend aufgestelltes“ Stadtmuseum befördert und wichtige Hinweise in Themenfeldern von der Konservierung bis zur Außenwirkung gegeben.

Hohe Qualität trotz wenig Personal und geringer Dotierung

Für das ebenfalls rezertifizierte Künstlermuseum Heikendorf, als „sehr gut aufgestelltes Kunstmuseum“ gewürdigt, gab es von den Experten auch noch den Hinweis, dass qualitätvolle und noch so engagierte Museumsarbeit natürlich auch mit personeller Ausstattung und Dotierung zu tun habe. Und da wurde schon eine Schieflage formuliert. Das „sehr gut aufgestellte“ Schleswiger Stadtmuseum wiederum bekam zu seiner erstmaligen Zertifizierung noch die klare Ermunterung auf den Weg, die Neugestaltung der Dauerausstellung weiterhin so beherzt fortzusetzen.

Die erneute Zertifizierung ist kein Selbstgänger

Soll auch heißen: Eine Rezertifizierung nach fünf Jahren ist kein Selbstgänger. Aus Schleswig wurde dazu der Wunsch nach neuen Fördertöpfen für solche Aufwertungsmaßnahmen formuliert. Zwar fördere das Land die Museumsberatung und Zertifizierung in Schleswig-Holstein, hieß es am Rande der Veranstaltung, doch wenn es darum geht, Maßnahmen konkret umzusetzen, seien die Häuser und ihre Träger finanziell meist auf sich allein gestellt. Museumsreferentin Claudia Sieg aus dem Kulturministerium hatte da auch keine Geldgeschenke parat, würdigte jedoch das Zertifizierungsprojekt mit den einhergehenden Beratungen und Workshops als eine grundlegende Strukturförderung für alle Museen im Land – auch für jene, die das Gütesiegel nicht unbedingt anstreben oder es (wie rund ein Drittel der Bewerber) letztlich nicht zuerkannt bekommen. Seminarprogramme und vor allem auch die regelmäßige Netzwerktreffen seien für alle Häuser im Lande offen – und werden vielfach gern genutzt, wie Projektleiterin Dagmar Rösner (Nordkolleg Rendsburg) betont.

"Werkzeug zur beruflichen Selbstkontrolle"

Damit sind immerhin rund 260 Museen angesprochen, erläuterte Brigitte Heise (Lübeck), Museumsberaterin wie auch Peter Thurmann, Ulrich Schulte-Wülwer und Rolf Wiese. Das geregelte Zertifizierungsverfahren sieht sie als „Werkzeug zur beruflichen Selbstkontrolle“ und als Chance für einen „Prozess der Reinigung“. So sei für viele kleinere Museen das Motto „weniger ist mehr“ anzuwenden und mehr Stringenz zu empfehlen, wenn es etwa darum geht, ein Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten.

Die Alleinstellungsmerkmale herausstellen

Nicht in jedem Fall ist das so klar vorgegeben, wie beim nunmehr erstmals als „gut aufgestelltes Spezialmuseum“ zertifizierten Deutschen Baumschulmuseum in Pinneberg. Aber auch hier gibt es die Anmerkung: Nicht nur mehr Personal wäre für die pädagogische Ausgestaltung des außerschulischen Lernortes wünschenswert, sondern es seien auch Mängel in der Inventarisierung nachzuarbeiten. Basis für solch zeitgemäße Neuaufstellungen sei, so Heise,, dass die Museen ihren Bestand auch wirklich kennen. Der Außenblick der Experten könnte sehr hilfreich sein, auch was den bisweilen einfach notwendigen Entschluss zum „Entsammeln“ angeht, um statt vollgestopfter Vitrinen lieber ein klares Profil zu entwickeln. Im Idealfall würden andere Häuser mit ihrer speziellen Ausrichtung davon profitieren können.

Immer neue Aufgaben für die Museumsleitung

Projektleiterin Dagmar Rösner freut sich über die Attraktivität des Gütesiegels. Denn „die Aufgaben der Museumsleitungen nehmen ständig zu: Sie sind heute längst nicht mehr nur Wissenschaftler, vielmehr werden von ihnen Managerqualitäten und die Auseinandersetzung mit neuen Anforderungen wie Digitalisierung, Inklusion und gesellschaftliche Partizipation erwartet.“ Ab 2020 sollen auch die Schleswig-Holsteinischen Gedenkstätten und Erinnerungsorte in das Verfahren der Zertifizierung aufgenommen werden.

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