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Kultur „Man muss der Jugend etwas zutrauen“
Nachrichten Kultur „Man muss der Jugend etwas zutrauen“
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09:00 18.02.2016
Von Christian Strehk
Mit Freude etwas wagen: Dirigent Neil Fellows führt alle musikalischen Altersgruppen zur Filmmusik zusammen. Quelle: bos: Björn Schaller
Kiel

Er lässt Howard Shores Filmmusik aus The Lord of the Rings proben. Hinter seinem Rücken, in einer eigens von Instrumentenkoffern, Jacken, Schals und Mützen freigehaltenen „Schlucht“ marschieren Heerscharen von geigenden Elben in die Aula am Charles-Roß-Ring, um das eine, das unvergessliche Thema zu spielen.

 Es sind die noch jüngeren Mitglieder des Schulorchesters und die Junge Camerata, sozusagen die Jugendmannschaften, die später mal die Substanz von Kiels einzigem Jugendsinfonieorchester bilden sollen. Seit 50 Jahren funktioniert dieses Prinzip der eigenständigen Erneuerung schon. Ein Grund zum Feiern allemal, was am Sonntag im Kieler Schloss mit einem großen Jubiläumskonzert geschehen soll. Und ein wenig zum Bangen, denn der an sich so erfolgreiche Musikzweig des künstlerisch orientierten Gymnasiums braucht im Zeichen des berühmten holsteinischen Bildhauers Barlach auch in Zukunft die volle Rückendeckung der Landesregierung. „Der Aufwand ist immens“, weiß Fellows. Der ehemalige Solo-Hornist der Kieler Philharmoniker hatte die Aufgabe im Jahr 2004 von seinem Orchesterkollegen Robert König übernommen.

 Im Jahr 1966 war das „EBG“ als erstes koedukatives Gymnasium der Stadt Kiel gegründet worden. Die musische Ausrichtung legte es nahe, Instrumentalgruppen aufzubauen. Schon 1969 erhielt König, bald langjähriges Mitglied des Bayreuther Festspielorchesters, dann den Auftrag, ein Schulorchester einzurichten. Der dirigentische Ehrgeiz und die guten Kontakte zahlten sich aus: das EBG-Orchester wuchs mit Aushilfen auf neuralgischen Profipositionen bald deutlich über das gängige Schulorchesterrepertorie hinaus. Selbst sinfonische Schwergewichte von Brahms, Bruckner oder Mahler tauchten auf den Konzert- und Tourneeprogrammen auf.

 Als Neil Fellows in Königs Fußstapfen trat, war ihm die mehrstufige „Laufbahn“ der jungen Instrumentalisten noch wichtiger als das spektakuläre Event. Streicher wuchsen über die Suzuki-Methode aus der Jungen Camerata nach, die seine Frau Isabel Morey bis heute betreut. Das eigentliche Schulorchester wurde als Vorstufe des Sinfonieorchesters zum wichtigen Experimentierfeld. Die Bläserriege beflügelte den Erfahrungsaustausch. „Es ist schön zu erleben, dass diese Aufbauarbeit funktioniert hat. Viele Streicher kenne ich von klein auf.“

 Deshalb will Fellows auch die neuen „kleinen David Garretts“ unbedingt ins Jubiläumskonzert einbinden. „Ich betreue inklusive des ganzen Hintergrunds ungefähr zweihundert Schüler. Und ich bin glücklich, dass sich im großen Orchester immer mehr von ihnen einen festen Platz erobert haben. Das war meine Aufgabe. Nehmen wir zum Beispiel die junge Harfenistin, die jetzt die entsprechenden Stellen in der L’Arlésienne-Suite spielen wird: Man darf nicht zu lange warten, muss ihnen früh etwas zutrauen! Ich erinnere mich noch gut an den Hornisten in den Vier letzten Liedern von Richard Strauss – wenn er das Solo heute spielen müsste, wäre er wahrscheinlich aufgeregter als damals.“ Zum Saisonfinale lässt Fellows dann das gesamte EBG noch einmal krachen, wenn auch die Chöre zu Orffs Carmina burana hinzukommen. Und hofft so auf Fortuna für die Zukunft.

 

 Jubiläumskonzert am Sonntag

 Der britische Hornist, Dirigent und Musikpädagoge Neil Fellows, 1953 in Manchester geboren, dirigiert das EBG-Jubiläumskonzert an diesem Sonntag, 21. Februar, um 17 Uhr im Kieler Schloss. Solisten in Doppelkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart und Gustav Holst sind in der ersten Konzerthälfte die musikalisch besonders erfolgreichen Abiturienten Linnea Benson und Elias Kollath (Klavier) sowie Marit Behnke und EBG-Konzertmeisterin Swaantje Kaiser (Violinen). Nach Bizets „L’Arlésienne-Suite“ kommt der Nachwuchs für Karl Jenkins’ „Palladio“ und Howard Shores Filmmusik zu „Lord of the Rings“ hinzu.

Mit Spannung erwarten Filmfans die Oscar-Verleihung Ende Februar. Als wichtigste Kategorien gelten gemeinhin die Hauptdarsteller-Preise. Bei den männlichen Stars gibt es laut neuer Umfrage einen eindeutigen Favoriten, bei den Frauen sieht es dagegen ganz anders aus.

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