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Kultur Kuscheltiere und komische Lieder
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20:00 15.05.2020
Von Thomas Bunjes
Der Maulwurf kommt auch noch zum Einsatz: Singer-Songwriter Heri Friese aus Neumünster auf der KN-Bühne. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Der kleine Maulwurf, vielen bekannt aus der „Sendung mit der Maus“ und von den Enkelinnen „Buddel“ getauft, kommt beim Konzert sogar aktiv zum Einsatz. Während Friese das flotte "Vielleicht" singt, das als ein Lied über allerlei Eventualitäten gut in die vagen Zeiten von Corona passt, wandert der Maulwurf, auf den Daumen des Musikers gesteckt, oben auf dem Griffbrett entlang. Ohnehin strotzen seine Lieder – mal folkig, mal bluesig – vor Wortwitz. Wie Das böse K von seinem ersten Solo-Album "Dann eben ... doch!" von 2011, in dem Friese etliche für ihn unschöne Wörter mit K aneinanderreiht, darunter Krieg, Kastration, aber auch Kaffeefahrt. Oder "BAUDUABBOBBAUDUAB", ein Lied voller Palindrome, die bekanntlich vorwärts wie rückwärts gelesen Sinn oder sogar denselben Text ergeben. 

Spendenerlöse reicht Friese weiter

„Ich bin selber ein Palindrom, ich bin Rentner“, erzählt schmunzelnd Friese, der im kommenden Monat 68 wird. Daher sei er auf die Spendenerlöse der KN-Bühnen-Aktion auch nicht angewiesen und wolle seine weiterreichen an zwei befreundete hauptberufliche Musiker, die deutlich mehr Not litten. Auftritte von Schmelztiegel seien selten geworden, erzählt Friese. Die anderen seien teils Berufsmusiker und hätten viele andere Projekte, „die jetzt gestorben sind“, und bei sechs Leuten müsse man sehr weit vorausplanen, um überhaupt Termine zu finden. „Wir haben im letzten Jahr vielleicht zehnmal gespielt. Jetzt waren wir gerade dabei mal zu gucken, wo man schön spielen kann. Wir bleiben immer im Dunstkreis. Wir fahren selten aus Schleswig-Holstein raus, weil das einfach zu aufwendig ist.“

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Aus dem Kohlenpott in den Norden

Nach Schleswig-Holstein rein fuhr Heribert Friese als 14-Jähriger. Aus familiären Gründen wurde er – „zur großen Freude seiner Atemwege“, wie es auf seiner Homepage zu lesen steht – vom Rande des Ruhrpotts nach Schleswig-Holstein „umgepflanzt“. Die Familie ließ sich in Westensee-Brux nieder. 1967 gab’s die erste Gitarre – von Quelle. Nach dem Abi 1971 lernte er während des Studiums Musiker kennen und hob mit ihnen die Band Schmelztiegel aus der Taufe - nach eigenen Angaben "Deutschlands dienstälteste Folkband". Er fühle sich sauwohl in diesem schönen Landstrich – dem er ein eigene Hymne gewidmet hat, das "SH-Lied", das er als letztes auf der KN-Bühne singt.

So können Sie spenden

Die KN-Bühne lädt von Di bis So jeweils um 20 Uhr zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot durch die Corona-Krise besonders stark betroffenen freien Künstlern eine Plattform. 

Spenden für die Künstler sind erwünscht: Auf dem Spendenkonto „Kiel hilft e.V.“ bei der Fördesparkasse (DE 05 2105 0170 1400 2620 00) Die Spenden werden wöchentlich unter den teilnehmenden Künstlern aufgeteilt. Am Sonnabend, 16. Mai, auf der KN-Bühne: Märchenerzählerin Slyvia Wieland.

Die Enkelinnen fehlen ihnen

Corona hätten er und seine Frau bislang als nicht so dramatisch empfunden, da sie in Neumünster-Gartenstadt ein Haus mit Garten haben. Aber die Enkelinnen fehlten ihnen eben sehr. „Die ersten Wochen gingen so, so langsam aber sicher geht’s auf den Zeiger. Zumal die eine nächste Woche Geburtstag hat.“ Und Musik hat Heri Friese seitdem beim Home-Recording nur noch alleine gemacht – wie auf der KN-Bühne.

Diese Künstler standen schon auf der KN-Bühne - zu den Videos: