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Kultur Slime: Ungebrochener Punkrock-Widerstand
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12:35 22.02.2020
Von Kai-Peter Boysen
Sänger von Slime - Dirk „Dicken“ Jora. Quelle: Kaniecki, Michael
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Kiel

Seit 40 Jahren mischt die Hamburger Polit-Punkrockband Slime meist ganz vorn in der Szene mit; Unterbrechungen gab’s zwar, aber relevant ist sie nach wie vor, nicht nur aufgrund der jüngsten Ereignisse, wie das Konzert in der ausverkauften Pumpe zeigte.

„Lass mich ma durch, der Sänger is mein Opa“ ruft ein Jüngelchen auf dem Weg zur Bühne. Ein Scherz, der aber zumindest die Wahrheit in sich trägt, dass viele der Konzertbesucher noch nicht geboren waren, als Slime Ende der Siebziger an den Start gingen. Als Gründungsmitglied ist nur noch Gitarrist Michael „Elf“ Mayer dabei, Sänger Dirk „Dicken“ Jora stieß kurz danach zur Band. Der brüllt dem Publikum im Dreierpack „A.C.A.B.“, „Hey Punk“ und „Legal, Illegal, Scheißegal“ in die Ohren.

Klare Worte gegen Faschismus

Dann ist der Saal angeheizt, auch der Sound steht, um mit dem Cockney-Rejects-Cover „We Don’t Need The Army“ gegen Krieg zu wettern, dem Kapitalismus mit „Alptraum“ oder „Goldene Türme“ die Stirn zu bieten und vor allem klare Worte gegen Faschismus und die, laut Jora, „NSAFD“ zu formulieren. „Sie bereiten den Weg für solche Typen wie in Hanau“, meint der Sänger und ruft immer wieder dazu auf, „sich gerade zu machen“.

Zur Akustikgitarre singt „Elf“ Mayer „Kein Mensch ist illegal“, ihr Faible für die Band Ton, Steine, Scherben um Rio Reiser kommt in „Paradies“ („Wir alle glaubten fest daran, dass es das gibt“) zum Ausdruck. Man merkt, dass die Morde von Hanau präsent sind, die Stimmung ist dementsprechend nicht euphorisch, Szene rückt zusammen, man zeigt sich solidarisch („Let‘s Get United“). Ungebrochen ist das Bedürfnis, Bandklassiker wie „Deutschland“, „Religion“, „Untergang“ oder „Störtebeker“ geschlossen mitzugröhlen. Slime: Die Stimme des Protestes ist auch nach 40 „durch alle Höllen und Tiefen“ Jahren deutlich zu hören.

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