So war der Konzertabend mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen beim SHMF auf Gut Emkendorf
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So war der Konzertabend mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen beim SHMF auf Gut Emkendorf

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20:40 31.07.2021
Von Michael Struck
SHMF 2021: „Deutsche Kammerphilharmonie Bremen“ unter Leitung des britischen Dirigenten Duncan Ward.
SHMF 2021: „Deutsche Kammerphilharmonie Bremen“ unter Leitung des britischen Dirigenten Duncan Ward. Quelle: Marco Ehrhardt/fotonick
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Freitagabend klappt es endlich – zumindest im Großen und Ganzen: Da prophezeit SHMF-Intendant Christian Kuhnt bei der Begrüßung, diesmal werde es – anders als bei den letzten zwei Open-Air-Konzerten auf Gut Emkendorf – nicht regnen.

Tatsächlich scheint sich seine Gewissheit trotz anderslautender Wetterprognosen zu bestätigen, als die „Deutsche Kammerphilharmonie Bremen“ unter Leitung des jungen britischen Dirigenten Duncan Ward beginnt.

Regen – schön für Schubert, misslich für Mozart

Nach gut 10 Minuten aber fängt es doch leicht zu tröpfeln an – schön für Schubert, misslich für Mozart. Denn dessen Klavierkonzert A-Dur KV 488 hatte man kurzfristig von der Mittel- an die Startposition verschoben. So werden hier das Ende des 1. und der Beginn des 2. Satzes von leisem Regenjacken-Rascheln begleitet.

Der fabelhafte junge Solist Seong-Jin Cho lässt sich davon nicht beirren, schattiert Mozarts Solokadenz lebendig ab und hat für die herbsüßen Anfangstakte des Adagios ein wundersam sanftes Pianissimo parat. Vielleicht nimmt Intendant Kuhnt währenddessen noch einmal spirituellen Kontakt zu Petrus auf. Jedenfalls hört der Regen auf, sodass man der Wiedergabe nun ungestört folgen kann.

Rundum-Erlebnis voll Witz und Tiefgründigkeit

Man erlebt von einem der besten europäischen Orchester, dem agilen Dirigenten und dem mozartkompetenten Pianisten eine packende Aufführung. Da schwelgen und kichern in den Ecksätzen die Blasinstrumente beim pointenreichen Dialog mit dem Klavier. Und der vielfach preisgekrönte Seong-Jin Cho kostet die Siciliano-Klage des Adagios in ihrer innigen Moll-Süße ohne Übertreibung intensiv aus. Dieses konzertante Rundum-Erlebnis voll Witz und Tiefgründigkeit findet mit Recht einhelligen Beifall.

Es folgen Schuberts Symphonien Nr. 7 („Unvollendete“) und Nr. 3. Hier fasziniert die Fähigkeit der 41-köpfigen „Deutschen Kammerphilharmonie“, einerseits einen kernigen symphonischen Klang zu erzeugen und andererseits so elastisch und reaktionsschnell zu spielen, als mache man Kammermusik. Dass die heitere „Dritte“ das Programm beschließt, ist zwar verständlich, hat Schubert ihr doch im tarantellahaft wilden Finale geradezu eine Applausautomatik eingebaut.

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Dennoch ist es schade, dass nicht die „Unvollendete“ am Ende steht. Dann hätten wir ganz hautnah gespürt, welche Abgründe zwischen der unbeschwerten „Dritten“ des Achtzehnjährigen und der unvollendbaren „Siebten“ des Fünfundzwanzigjährigen klaffen. Ja, mit der „Unvollendeten“ eröffnete Schubert sich selbst und der Gattung Symphonie eine ganz neue Welt voller tragisch-existentieller Fragen und schmerzlich-schöner Utopien.

Mit dem Willen zum großen Zug, feiner orchestraler Ausarbeitung und enormem Farbreichtum stellen Ward und die Kammerphilharmonie klar, dass dieses Werk sozusagen auf des Messers Schneide komponiert ist. Im Bemühen um interpretatorische Entschlackung gerät ihnen das „Andante con moto“ des 2. Satzes sogar etwas atemlos, sodass sie das Tempo am Ende des Satzes (zu) deutlich abbremsen müssen. Starker Applaus für einen starken Abend!