Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur „So wie du mich willst“: Virtuelles Liebesglück
Nachrichten Kultur „So wie du mich willst“: Virtuelles Liebesglück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 04.08.2019
Glücklich nur am Handy: Claire (Juliette Binoche) führt im Internet eine Fake-Existenz. Quelle: Alamode
Hannover

Als geschiedene Frau um die 50 und Mutter zweier pubertierender Söhne fühlt sich Claire (Juliette Binoche) ungeliebt. Sie hat zwar eine Affäre mit dem deutlich jüngeren Ludo (Guillaume Gouix), aber der schaut nur unverbindlich zu gelegentlichen Sexdates vorbei und wimmelt sie am Telefon ab, wenn er sich mit Gleichaltrigen vergnügt.

Was macht die moderne Frau von heute in einer solchen Situation? Sie sucht ihr Glück online. Mit einem Fake-Profil meldet sich Claire bei Facebook unter dem klangvollen Namen Clara Antunès an – geboren 1993. Eigentlich will sie nur Ludo näher sein, als sie eine Freundschaftsanfrage an dessen Mitbewohner Alex (François Civil) schickt. Ein paar Likes und Komplimente für das künstlerische Werk, und schon hat sie den jungen Fotografen an der Angel.

Das grüne Licht, das anzeigt, dass Alex online ist, wird für sie bald zur Droge. Von Chat zu Chat baut sie für sich und Alex eine virtuelle Existenz aus und schickt ihm sogar das Foto ihrer 24-jährigen Nichte als Beleg. Aus dem Online-Flirt wird eine leidenschaftliche Telefonbeziehung, die Claire zunehmend ihr eigentliches Leben vernachlässigen lässt.

Ihre Kinder lässt sie am Bordstein stehen

Während der Vorlesung schielt die Literaturprofessorin auf ihr Handy. Auf dem Kreisverkehr vor der Schule dreht sie ein paar Runden mehr, um mit Alex länger telefonieren zu können, während die Kinder ungläubig am Bordstein warten. Der fernmündliche Geliebte dringt auf ein Treffen in der realen Welt. Als Claire ihn nicht länger hinhalten kann, eilt sie zur Verabredung. Aber der junge Mann mit dem Rucksack auf dem Rücken, der direkt vor ihr steht, schaut an ihr vorbei, weil seine Augen nach einem 24-jährigem Phantom suchen.

Unsichtbar ist Claire für den Mann, der sie zu lieben glaubt. Sie bringt es nicht übers Herz, die Wahrheit ans Licht zu bringen. All das berichtet Claire ihrer Psychologin. Der scheinbar abgegriffene Erzählkniff ist in Safy Nebbous „So wie du mich willst“ weit mehr als eine konventionelle Rahmenhandlung. Wenn die Ereignisse ins große Liebesdrama münden, verbinden die Therapiesitzungen zwei weitere Erzählebenen, die das Gesehene neu bewerten.

Mehr als Drehbuch-Hokuspokus

Die Wahrheit der virtuellen Liebe wird hier mit durchaus eleganten Plotschlenkern sukzessive freigelegt. Der Film nach dem Roman von Camille Laurens spielt erfolgreich mit der Macht der subjektiven Erzählperspektive, ohne in Drehbuch-Hokuspokus zu verfallen.

Eigentlich sieht Juliette Binoche viel zu jung und schön für die Rolle der verzweifelten Frau mittleren Alters aus. Aber sie ist in der Lage das perlende Liebesglück ihrer Figur genauso überzeugend darzustellen wie das Gefühl abgrundtiefen Verlassenseins, das Claire mit der virtuellen Affäre zu bekämpfen versucht. Jede Szene gehört Binoche. Die Kamera schenkt ihr mit sorgfältig kadrierten Nahaufnahmen jene unbedingte Aufmerksamkeit, die ihrer Heldin von der sozialen Umgebung verwehrt wird.

Künstlerische Midlife-Crisis? Kennt Binoche nicht

Nach dem Science-Fiction „High Life“, der Ensemblekomödie „Zwischen den Zeilen“ und der japanischen Esoterik-Exkursion „Die Blüte des Einklangs“ ist dies schon Binoches vierter Auftritt in diesem Kinojahr – und beim Festival von Venedig folgt mit Hirokazu Kore-edas Familienfilm „The Truth“ der nächste Streich. Eine künstlerische Midlife-Crisis kennt die 55-jährige Vollblutschauspielerin offensichtlich nicht.

„So wie du mich willst“, Regie: Safy Nebbou, mit Juliette Binoche, François Civil, 104 Minuten, FSK 12

Von Martin Schwickert / RND

Kultur Justus Frantz im SHMF - Feiern und verzeihen

Als Justus Frantz und das SHMF am Freitagabend zum Geburtstagskonzert eingeladen hatten, gab es schon zur Begrüßung in Neumünsters Holstenhalle stehende Ovationen. Dann erlebten rund 3500 Zuhörer musikalische Wechselbäder mit Glanzlichtern, aber auch einem (charmant gemeisterten) Aussetzer.

Konrad Bockemühl 03.08.2019

Das Wacken-Festival steht nicht gerade für Ruhe und Entspannung. Trotzdem gibt es dort eine Yoga-Gruppe. Auch wenn die Sache ein wenig anders abläuft als gewöhnlich.

03.08.2019

Ein Mädchen stärkt sich auf dem Land, ein anderes lernt die Ungerechtigkeiten in der Stadt kennen, ein drittes versinkt in der Pubertät. In aktuellen Graphic Novels geht es um Kindheit und Jugend.

03.08.2019