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Kultur Gute Stimmung, rauschhafte Sounds
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12:13 23.06.2019
Von Beate Jänicke
Foto: Das Sommerfest in der Hansa48. Im Bild: Stöj Snak.
Das Sommerfest in der Hansa48. Im Bild: Stöj Snak. Quelle: Manuel Weber
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Kiel

Wenn zum Saisonabschluss in der Hansa48 die Kulturszene zusammenkommt, gilt es das vergangene Jahr aufzuarbeiten. Viel Wiedersehensfreude überall, vor der Bretterbühne der Hansa48 tummelt sich der Alt-Punk ganz selbstverständlich neben der jungen Dreadlock-Trägerin sowie Kind, Hund und Kegel. Damit auch musikalisch was geht, haben die Macher in diesem Jahr zwei Bands aus dem noch wirklich echten Norden eingeladen: The Bland aus Stockholm und Stöj Snak aus dem dänischen Aalborg.

Ihrem Namen machen die Dänen alle Ehre

Zwei Griffe, die sich als absolut glückliche erwiesen. Vorher stimmen aber wie jedes Jahr die Kieler Sambastards mit ihren Trommeln die Besucher ein. Lautstark wie sie tönen, können sie dennoch nicht konkurrieren mit dem Pegel der Band Stöj Snak aus Aalborg. Stöj Snak bedeutet auf Dänisch so viel wie Noise Talk oder auch Lärm-Gespräch, und diesem Namen machen sie alle Ehre. Zunächst solo mit Gitarre, dann begleitet von seinen drei Mitmusikern an Waschbrett, Drums und Kontrabass gibt Frontmann Niels H. Sörensen dem Genre Singer-Songwriter eine ganz neue Facette: Screamer-Songwriter oder auch Acoustic Punk umschreibt die Truppe ihren Stil. Und tatsächlich, was Sörensen aus seinem Stimmbändern an Shouting herausholt, verdient dieses Label.

Mit viel Spaß und genauso viel Haltung prescht der Sound mit Hochgeschwindigkeit und Druck, aber dennoch auch melodisch im Punk-Folk-Style voran. Etwa im Song „Apex Predator“ von der im April erschienen EP „The Mass Extinction Split“. In den Lyrics geht es darum, den zu lieben, den man will, egal welchen Geschlechts. Es geht gegen Rassismus und maßlosen Konsum. Das Publikum wird mit kleinen Percussion-Instrumenten, Rasseln und Tambourins auch gleich noch eingebunden in die wilde Sause. Stöj Snak: eine Laune und Sinn machende Energie-Infusion aus Dänemark.

Schweden hatten Odyssee samt Autopanne 

Als eine dreiviertel Stunde später die schwedische Band The Bland aus Stockholm die Bühne betritt, hat diese schon eine wahre Odyssee hinter sich gebracht, samt Autopanne und achtstündiger Anreise. Kein Problem: der Spiellaune der fünfköpfigen Truppe tut das keinen Abbruch. Schön extra fieses spacig-sphärisches Keyboard-Gewimmer wie aus dem tiefsten 70er-Jahre-Rock kombinieren sie mit dem wirklich fabelhaften Gesang von Frontmann Axel Öberg, mit Americana und Schweden-Pop-Anleihen, mit psychedelischen Gitarrenrockausflügen und sogar Reggae-Momenten. Eine absolut charmante und eigensinnige Mischung, die trotz des Retro-Touches überhaupt nicht gestrig in der Kombination klingt. Öbergs ausdrucksstarke Stimme tönt voll und rund, kann aber auch wunderbar brüchig modulieren. Klasse der Song „The Winners“ von der gleichnamigen EP oder auch das melancholische Liebesschmerz-Stück „Head Oh!“, das zudem wunderbar tanzbar ist.

Ein soghafter Sound, von dem sich die Band immer wieder selbst davon tragen lässt, und eintaucht in puren Musikrausch. So sehr, dass am furiosen Ende Bassist Johan Sund während des brandneuen, unveröffentlichten Stücks „Wanderer“ samt Instrument vor lauter Ekstase im Publikum landet. „Dies hier ist der schönste Platz der Welt“, schwärmt Axel Öberg zum Abschied vor hingerissenem Publikum.

Mehr geht nicht.

Am Sonnabendabend steig das Sommerfest in der Hansa48 in Kiel.
Gunnar Müller 23.06.2019
Thomas Richter 23.06.2019