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Kultur Der Triumphmarsch des Daniel Karasek
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17:00 26.06.2019
Von Dr. Christian Strehk
Triumphmarsch-Probe auf der maßgerechten Bühnenfläche der Salzhalle auf dem Kieler Ostufer: Die Opernchor-Profis stellen die in jeder Hinsicht höher gestellten Priester, die engagierten Extra-Choristen vorn die beiden Volksdiagonalen. Quelle: Olaf Struck
Kiel

„Zu Hause am Schreibtisch war alles noch so schön ruhig abgelaufen...“, amüsiert sich Kiels Generalintendant Daniel Karasek über das fast hundertköpfige Gewusel auf der Probebühne. Die Triumphszene ist ein Schlüssel für die Wirkungsmacht der Open-Air-Oper schlechthin: Verdis eigentlich so intime "Aida". Wenige Momente nach dem Jubelruf der geballten Chöre folgt die Musik, die jeder kennt: der Stadion-taugliche Triumphmarsch mit den schmetternden Aida-Trompeten, die der italienische Komponist 1871 für die Uraufführung in Kairo extra konstruieren ließ.

Benjamin Reiners korrigiert die Chorsänger

Während Kiels zukünftiger Generalmusikdirektor Benjamin Reiners neben Karasek den klavierbegleiteten Chor zu mehr gehaltener Spannung in der musikalisch heiklen Schluss-Triole auf „inni festosi alziam!“ auffordert, muss der Regisseur ein anderes Tempoproblem regeln. Wie schnell darf das Volk von beiden Seiten aufeinander zuströmen, damit es sich später – auf der zum Glück maßgerecht gleich großen Außenbühne der Sommeroper auf dem Rathausplatz – in der Mitte trifft und dabei nicht zu dicht verklumpt?

Körpersprache für einen knapp gewonnenen Krieg

Wichtig ist ihm auch die Körpersprache der Mitwirkenden aus dem Extrachor der Kieler Oper. „Ihr Lieben, es handelt sich keineswegs nur um eine freudige Begrüßung, sondern vielmehr Freude über den gewonnenen Krieg.“ Das gebotene Bild verändert sich bei der Wiederholung erstaunlich stark – zu stark für Karasek: „Bitte Vorsicht! Es geht nicht um ein Fünf zu Null beim Fußball.“ Die Erleichterung dürfe also gerne zugleich nach dem glücklichen Überstehen einer existenziell höchst bedrohlichen Zeit aussehen.

Sommeroper "Aida" in Kiel: Fantasiereich am Nil

Hinter der Szene, dort wo der Bühnenbildner Lars Peter später eine abstrahierte Pyramide in einem modernen Fantasiereich am Nil aufragen lassen will (wie die Computeranimationen in der Hand von Chefdramaturgin Cordula Engelbert zeigen), haben bereits die stimmgewaltigen Profis vom Opernchor mitgesungen.

Daniel Karasek probt Verdis Triumphmarsch für die Sommeroper "Aida"

Dirigiert werden sie dort über Bande: Chordirektor Lam Tran Dinh lugt durch die Kulisse auf Dirigent Reiners und eilt mit der Zeichengebung um Bruchteile von Sekunden voraus, damit der lange Weg des Schalls bis zur Rampe nicht verschleppt wirkt. Auch der Hauschor braucht als königliche Priesterschar eine präzis benannte Taktstelle, an der sich die Tore für ihn öffnen und er auf die erhöhte Stufe strömen kann.

Timing für die Auftritte zur Sommeroper

Wann und wohin wird der Thron hereingetragen? Wo nimmt der Oberpriester Aufstellung? Der Bassist Thorsten Grümbel, am Theater gern gehörter „Kieler Jung“ mit großer Karriere als Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein, ersetzt gut gelaunt den noch nicht eingetroffenen Kollegen, indem er dessen Krone in der Hand über dem Thron schweben lässt.

Jetzt weiß jeder, wo später Ehrbezeugungen ihr Ziel haben... Regisseur Karasek ordnet davor das Volk als zweiflügelige Phalanx, intensiviert so die Blickachse auf den königlichen Herrscher, öffnet einen Durchgang für den Auftritt der Amneris (Maria Gulik) und schafft zugleich einen theatralen Raum für einen Fahnenschwenker, Cheerleader-Girls und das Ballett. Schon hier wird die Opulenz deutlich, die gerade ein Open-Air-Event unbedingt braucht.

Goldene Kriegsbeute und Staatskarosse

Am Rande besprechen Ausstatter Lars Peter und Kostümbildnerin Claudia Spielmann den Abtransport der Requisiten (die hier noch von schnöden Sitzbänken imitierte goldene Kriegsbeute) und die farblich abgestimmte Ordnung der Gewänder.

Die Aufführung soll ja schon optisch ein Fest werden, zugleich mit einem Augenzwinkern die Pharaonenzeit in der militärischen Aufgeblasenheit heutiger nordafrikanischer Staaten bespiegelt werden. Deshalb freut sich Daniel Karasek auch schon sichtlich auf die von Mercedes gesponsorte „Staatskarosse“, die den Sieger zur Triumphfeier bringt...

"Aida" in Kiel

Sommeroper „Aida“ in Kiel: Der Vorverkauf

Verdis „Aida“ ist der Klassiker für Open-Air-Events – spätestens, seit die Arena di Verona darauf setzt. Auch in Kiel ist das für die insgesamt acht Vorstellungen spürbar. Fast 7000 Tickets von insgesamt knapp 11000 sind bereits verkauft.

Besonders gefragt waren die inzwischen nahezu ausverkaufte Sommeroper-Premiere am 24. August sowie der Sonntag 25., der Freitag 30. und der Sonnabend 31. August 2019.

Das Gros der noch buchbaren 4000 Karten verteilt sich auf die weiteren Termine und bietet noch in allen Kategorien Platz. Am größten ist die Auswahl noch am allerletzten Vorstellungstag: Sonntag 1. September. Karten zu 47,30 bis 96,80 Euro über Telefon 0431 / 901 901 und auf der Webseite des Theaters Kiel.

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