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Kultur Sopranistin Veronika Dzhioeva ist Aida
Nachrichten Kultur Sopranistin Veronika Dzhioeva ist Aida
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19:15 20.08.2019
Von Christian Strehk
Veronika Dzhioeva, in der Sommeroper-Produktion "Aida" Sängerin der Titelpartie, lobt Atmosphäre und Zusammenarbeit am Kieler Opernhaus.
Veronika Dzhioeva, in der Sommeroper-Produktion "Aida" Sängerin der Titelpartie, lobt Atmosphäre und Zusammenarbeit am Kieler Opernhaus. Quelle: Björn Schaller
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Auf die Komplimente von Dzhioeva darf sich Kiels neuer Generalmusikdirektor gerne etwas einbilden, denn: „Ich bin eine besonders glückliche Musikerin, weil ich schon mit so vielen bedeutenden Dirigenten arbeiten durfte“, so die ossetische Sopranistin.

Bei Netrebkos Lehrerin und Currentzis

Tatsächlich ist die Karriere erstaunlich prominent verlaufen. Weil ihr Vater, gleichwohl kein Musiker, den Traum hegte, seine Tochter Veronika auf den Bühnen der Welt als Opernstar zu sehen, wurde sie fern der Heimat am Petersburger Konservatorium ausgebildet – von der Lehrerin Anna Netrebkos übrigens. Der Wechsel ins Mariinsky-Theater lag da nahe. Beim Callas-Wettbewerb hörte sie der heute weltberühmte griechisch-russische Dirigent Teodor Currentzis und lockte sie nach Nowosibirsk, ans größte Opernhaus Sibiriens. „Sechs Jahre habe ich mit ihm am Pult alles Mögliche gesungen, von Verdis Traviata bis Mozarts Così fan tutte.“

Produktionen unter Valery Gergiev

Zurück am Petersburger Mariinsky wurde dann Valery Gergiev ihr Förderer, besetzte sie als Elisabetta in Verdis Don Carlo, als Micaela in Carmen, als Liu in Turandot, nahm sie mit nach Baden-Baden, wo sie die Semfira in Rachmaninows Aleko sang. Auch für seine DVD-Aufnahme der 14. Symphonie von Schostakowitsch zählte Gergiev auf die Landsfrau seiner Väter. Vladimir Jurowski, Ingo Metzmacher oder Mariss Jansons folgten. Zürich und das Moskauer Bolschoi rufen. Und wem der Name bekannt vorkommt, hat sie vielleicht in Borodins Fürst Igor unter Simone Young in Hamburg gehört.

Lesen Sie auch: Livestream - Hier können Sie die "Aida"-Premiere sehen

Lob für das Kieler Opernhaus

Dzhioeva lobt die sehr gute Atmosphäre am Kieler Opernhaus, Daniel Karaseks spürbare Sänger-Liebe und – „wichtiger als man meinen könnte“ – das Kostüm von Claudia Spielmann. „Das gibt einem eine starke emotionale Ausstrahlung schon beim Auftritt.“ Und die sei bei der schon häufiger gegebenen Figur der Aida ja nicht sehr dramatisch ausgeprägt.

Das Dilemma von Verdis Titelfigur

In gleich zwei der klassischen Opernkonflikte sei die Titelfigur von Giuseppe Verdis „Aida“ (1871) eingebunden, so die Opernforscherin Silke Leopold: zum einen in eine Dreiecksgeschichte, zum anderen in einen Widerstreit zwischen Kindespflicht und Liebe. Die äthiopische Prinzessin lebt als Sklavin am Pharaonenhof und liebt ausgerechnet den ägyptischen Anführer der Streitkräfte gegen Äthiopien, Radames. Den begehrt aber auch ihre Herrin, die Pharaonentochter Amneris. Eifersüchtig legt sie offen, dass es Aidas Vater gelungen ist, Radames zum Hochverrat zu verleiten. An der Seite ihres zum Tode verurteilten Geliebten wählt Aida den Freitod. Leopold: „In einer großen Soloszene der Aida hat Verdi ihr Dilemma in seiner ganzen Tragweite dargestellt: als sie in die Segenswünsche der Ägypter – „Ritorna vincitor“ (Kehr als Sieger zurück!) – einstimmen und erkennen muss, dass dieser Wunsch die Zerstörung ihres Vaterlandes einschließt ...“

Lyrische Sommeroper-Herausforderung Aida

„Verdi und Puccini sind für meine Stimme optimal. Aber die eher passive Aida ist für mich eigentlich zu lyrisch, denn ich habe ja sonst schon Puccinis Turandot oder Verdis Lady Macbeth gesungen. Ich fühle mich aber inzwischen ganz vertraut mit ihr und ihrem Singen, die Gesangspartie ist sehr gut für meine Stimme, und alle bestätigen mir, dass ich dafür das richtige Pianissimo mitbringe.“

Tosca und Turandot für die Zukunft

Eine Herausforderung bleibe sie aber gesangstechnisch dennoch, fast so arg wie Bellinis Norma. „Meine Lehrerin hat immer betont: ,Wenn Du die Aida gut singen kannst, dann bist Du eine wirklich gute Sängerin.’“ Die Nil-Arie oder das Finale des ersten Aktes lägen sehr hoch. „Und der Maestro wünscht sich auch noch, dass wir das, wie von Verdi vorgesehen, im Pianissimo singen“, lacht Veronika Dzhioeva. Wenn das einmal mehr geschafft ist, können Tosca und Turandot sowie Wagners Tannhäuser-Elisabeth und Lohengrin-Elsa getrost folgen.

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