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08:09 12.01.2016
Von Ruth Bender
Das Räuber-Quartett: (v.li.) Musiker Reimer Bustorff und Marcus Wiebusch, Regisseur Daniel Karasek, Dramaturg Jens Paulsen. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Die Gruppe ist eine der erfolgreichsten deutschen Indie-Rockbands der Gegenwart. Premiere ist diesmal bereits am Freitag, 1. Juli, 20.30 Uhr, es folgen bis zum 17. Juli 15 weitere Vorstellungen. Und auch Public Viewing an verschiedenen Orten der Stadt ist wieder geplant.

„Große Klassik trifft auf großartige Rockmusik“, kündigte Daniel Karasek gestern die Uraufführung des Kieler Schauspiels an, sprach von Jugendlichem Furor und Widerstand, Freiheit und Rebellion, Hass und Liebe... Neben einer modernen Textfassung stehen Songs, die eigens für die Kieler Uraufführung entstanden sind. Mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff wurden dafür die beiden Texter von Kettcar gewonnen. Die beiden schreiben erstmals Musik für ein Theaterstück – und das exklusiv für Kiel.

Darum geht es in Schillers „Die Räuber“

Der alte Moor ist ein reicher Mann mit zwei sehr ungleichen Söhnen: Franz, der jüngere der beiden, verfügt zwar über einen brillanten Verstand, steht aber ganz im Schatten des älteren. Der extrovertierte Draufgänger Karl ist der Lieblingssohn des Vaters, sein auserkorener Haupterbe und hat noch dazu eine glühende Liebesbeziehung zu Amalia, auf die auch Franz ein Auge geworfen hat. Eifersüchtig und ohne jeden moralischen Skrupel bringt dieser den Vater dazu, Karl zu verstoßen. Karl, als Student in einer größeren Stadt, bewegt sich tatsächlich in zwielichtigen Kreisen. Er ist politisch aktiv – er und seine Freunde diskutieren über Revolution und eine bessere Gesellschaft. Als Karl von seiner Verbannung erfährt, macht er die gegen ihn gemachten Vorwürfe tatsächlich wahr: Die Clique geht in den Untergrund und wird zu einer Räuberbande. Franz steigt unterdessen zum neuen Herren auf und setzt Amalia immer mehr zu. Als Karl schließlich noch einmal nach Hause zurückkehrt, kommt es unweigerlich zum Showdown.

„Wenn die Räuber auftreten, geht es ab“

„Es geht um Moral bei Schiller, um den Willen zur Veränderung, um Rebellion, auch um Terror“, sagt Marcus Wiebusch, „das ist total zeitlos. Und das sind bei Kettcar immer schon unsere Themen.“ Die Räuber trafen einen Nerv bei dem Kettcar-Frontmann, der sich in das Drama erstmal einlesen musste, als die Anfrage aus Kiel letztes Jahr im Mail-Ordner landete. „Aber zu diesem Spannungsfeld Söhne – Väter ist mir sofort was eingefallen. Ich hatte gleich den Sound im Kopf, wusste, wieviel beats per minute das hat.“ Spannend fand der Sänger und Gitarrist das Kieler Projekt, der mit dem Song Der Tag wird kommen gegen Homophobie im Fußball 2014 zum Hamburger Künstler des Jahres wurde und nach dem musikalisch vielfältigen Solo-Album Konfetti (2014) ohnehin auf der Experimentierspur läuft. Und auch Bassist Reimer Bustorff, seit 2005 neben Wiebusch für das Songwriting der Band zuständig, war bald überzeugt.

„Man musste sich durchaus reinkämpfen in den Text“, sagt Bustorff, „gucken, was noch zeitgemäß ist an der Sprache. Nicht zu nah am Schiller-Deutsch bleiben, aber auch nicht zu oft ,geil’ schreiben oder krampfhaft modernisieren.“ Im ständigen Austausch mit Karasek und Paulsen basteln die beiden an der Musik. „Da geht es manchmal um ganz direkte Übersetzungen“, so Wiebusch, „muss man einen Monolog in einen Song verwandeln oder eine Szene in ihrem Sound einfangen.“ Beim Schreiben ist jeder erstmal mit sich alleine. „Ich hab zum Beispiel den ersten Franz-Song geschrieben“, grinst Wiebusch, „danach hatte ich aber keinen Bock mehr auf die Fiesling-Nummer.“ Und dem Bassisten gefiel es, „mal von den Braven wegzukommen“.

Von der Ballade über Elektro bis zum gitarrensatten Grunge reicht die Soundpalette. „Aber man braucht sich gar nichts vorzumachen“, schmunzelt Marcus Wiebusch, „40 bis 50 Prozent der Musik sind Rocksongs; und wenn die Räuber auftreten, geht es ab.“

Vorverkauf ab Dienstag

Der Kartenvorverkauf für „Die Räuber“ startet am Dienstag, 12. Januar um 10 Uhr an den Vorverkaufskassen des Theaters Kiel, unter Tel. (0431) 901-901, unter www.theater-kiel.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Vorstellungen sind zwischen dem 1. und dem 17. Juli täglich außer montags angesetzt. Die Tickets kosten in vier Preisgruppen zwischen 25 und 65 Euro (Premierenzuschlag für den 1. Juli 5 Euro). Die Premiere soll nach dem Willen aller Beteiligten erneut an verschiedene Orte im Stadtgebiet live übertragen werden. Die Finanzierung jedoch ist noch offen. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Gesamtausgaben allein für die Technik des Public Viewing auf rund 73000 Euro.

Ermöglicht wird die Produktion erneut durch finanzielle Unterstützung der Kieler Wirtschaft. Förderer sind die Förde Sparkasse, Möbel Kraft AG, Müllverbrennung Kiel, coop, Zentrum für maritime Technologie und Seefischmarkt (ZTS) , Stadtwerke Kiel sowie als Kulturpartner die Kieler Nachrichten.

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