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Kultur Regionale Kultur unterstützen: Jörg Jará auf der KN-Bühne
Nachrichten Kultur Regionale Kultur unterstützen: Jörg Jará auf der KN-Bühne
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09:54 25.03.2020
Von Ruth Bender
Immer in Gesellschaft: Bauchredner Jörg Jará (re.) mit dem Professor, einer von drei Puppen, die den Bühnenkünstler begleiteten. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Herr Jensen ist mucksch. Aber sowas von. Hat der große Blonde neben ihm überhaupt die Hände gewaschen? Auch desinfiziert? Und dann diese unerlaubte Nähe. Warum eigentlich muss Jörg Jará dem zotteligen Alten die ganze Zeit so auf der Pelle kleben? „Alles ist so kompliziert geworden“, mosert Herr Jensen – und da kann ihm Jará nur zustimmen.

Wir zeigen Ihnen den Auftritt des bundesweit und fernsehbekannten Bauchredners Jörg Jará auf der KN-Bühne kostenfrei - und würden uns freuen, wenn Sie den Künstler mit einer Spende (siehe unten) unterstützen.

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Video: Jörg Jará auf der KN-Bühne

KN-Bühne: Spendenaktion

Mit einer Spende können Sie die freien Künstler unterstützen

Die „KN-Bühne“ lädt täglich auf KN-online zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise schwer betroffenen freien Künstlern eine Plattform. Spenden für die Künstler sind erwünscht: auf dem Spendenkonto „KN hilft e.V.“ bei der Förde Sparkasse (Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00 (Förde Sparkasse). Die Spenden werden wöchentlich unter den auftretenden Künstlern aufgeteilt.

Die KN-Bühne gibt es täglich (außer Montags) auf der Kulturseite von KN-online. Am 25. März 2020 um 20 Uhr ist der Musiker Marc Breitfelder zu sehen. 

Spielen ohne Publikum: So hat Jörg Jará den Auftritt erlebt

Talkshows mit mehreren Gästen sind in diesen Tagen ja eine Seltenheit – und Puppenspieler dabei eindeutig im Vorteil: Mag die Kontaktsperre auch noch so strikt sein, sie haben auf der Bühne immer Gesellschaft. Jörg Jará hat sich gleich drei markante Kollegen eingepackt.

„Ist schon ein bisschen seltsam, so ohne Publikum“, sagt er mit nachdenklichem Blick in die leere Halle. „Aber bei der Fernsehaufzeichnung ist es ja nicht anders. Man rechnet als Bühnenkünstler nur immer mit einer Reaktion, einem Lacher.“ Aber dann legt Jará einfach los und steckt in Nullkommanichts mit Herrn Jensen im Disput.

Über Dreiräder, Nüsse, die Herr Jensen zur Steigerung der Gedächtnisleistung anpreist, und darüber, was man so macht in diesen Tagen allein zu Hause. Und wer hätte gedacht, dass Herr Jensen mit 81 am Computer seine Facebook-Freundschaften pflegt: „98 Freunde hab ich – und 96 davon noch nie gesehen.“

Ein Wort gibt das andere, und so treibt Jará mit lakonisch leisem Humor von Pointe zu Pointe. Irgendwann holt er Karlchen aus dem Koffer, um mit der Kindheitspuppe mit dem Klappmund Einblick in die Ursprünge seiner Profession zu geben: „Mit Karlchen ging das los mit dem Bauchreden ...“ Und schließlich mischt sich auch noch der Professor ein. Der sieht aus wie Herrn Jensens bebrilltes alter Ego und liegt als dessen schlauer Bruder mit diesem im Dauerclinch.

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Die Puppen dürfen fast alles sagen

„Letztlich führe ich hier Selbstgespräche“, schmunzelt der Bauchredner nach dem Auftritt. „Die Puppen führen aber auch ein Eigenleben. Jede hat so ihre eigene Box im Kopf, aus der ich sie abrufen kann.“ Und das hat durchaus therapeutischen Wert: „Die Puppen dürfen Witze machen, die mir verboten sind. Sie dürfen Grenzen überschreiten.“

Kleiner Trost in Zeiten, in denen dem freien Künstler mit den Auftrittsterminen auch die Einkünfte wegbrechen. Sein neues Programm Puppentherapie ist erstmal ausgesetzt. „Das Einkommen geht da innerhalb von wenigen Tagen auf Null“, so Jará, „und im Moment denkt auch keiner an kommende Termine.“ Dabei sind die Monate bis Ende Juni eigentlich doppelt wichtig, um die Sommerpause zu überbrücken.

Das Positive an der Entschleunigung

Vor allem bedrückt Jará, der auch als Transaktionsanalytiker arbeitet, die Unsicherheit, dass niemand weiß, „wie das endet.“ Dem Zustand der Entschleunigung kann er trotzdem auch gute Seiten abgewinnen. „Man kommt da schon runter. Das kann ich auch genießen. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Leute bei aller verordneten Ferne indirekt doch zusammen rücken.“

Und was tut der Puppenspieler, um sich bei Laune zu halten? „Die eigene Angst muss man erstmal akzeptieren“, sagt er. „Es kostet auch zu viel Energie, sie sich ständig vom Leib zu halten und zu verdrängen. Besser, man besinnt sich auf das, was Spaß macht und positiv stimmt.“ Spazierengehen mit Ehefrau, Hunden und Pferd zum Beispiel, den Garten auf Vordermann bringen – oder mit dem Professor davon driften in eine kleine Meditation.

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