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Kultur Spiel mit Masken
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12:44 06.07.2018
Von Ruth Bender
Foto: Das Maskentheater der Familie Flöz kommt ganz ohne Sprache aus.
Das Maskentheater der Familie Flöz kommt ganz ohne Sprache aus. Quelle: Axel Nickolaus
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Kiel

Aber eigentlich ist es bei Familie Flöz ja fast egal, ob die Stücke "Hotel Paradiso", "Infinita" oder wie jetzt "Dr. Nest" heißen – die erstaunliche Ausdruckspalette und Vielschichtigkeit, die die expressiven Masken der sechsköpfigen Truppe entfalten, wirkt für sich.

Irgendwo zwischen Zauberberg und Kuckucksnest ist die Geschichte angesiedelt, kommen allerlei psychisch angeschlagene Typen zusammen, von denen jeder seinen eigenen Tick pflegt. Da ist das schüchterne Musik-Genie, die Dame mit dem Kindchen, das nur ein geknülltes Handtuch ist, ein Hauptmann von Köpenick, ein Riese, der dem Indianer aus Einer flog übers Kuckucksnest enorm ähnelt, die verschrobene Alte, die so erstaunlich raumgreifend wirkt. Und ein Percussionist, den erst seine Trommel aus der Erstarrung weckt. Zusammengehalten wird die Truppe von einer rigorosen Schwester, die bald auch den Arzt maßregelt.

Arzt oder Patient, das ist sowieso die Frage in der kruden Typengalerie. Und daraus ergeben sich absurde Kollisionen, liebevolle Begegnungen und groteske Verwerfungen. Das lebt von Slapstick und melancholischem Witz. Und die jeweilige psychische Pein scheint in den Masken schon gespiegelt und manifestiert.

Ein poetisches Spiel zwischen Nonsens und Wirklichkeit, das diesmal allerdings nicht ganz den Drive und das Timing früherer Stücke hat. Dabei hätte man sich nach einem rasanten Einstieg - ohne Maske - durchaus vorstellen können, dass die Gruppe ihre Mittel und Stilistik erweitert hat.

Macht nichts, die Macht des sprachlosen Theaters funktioniert. Am Ende zettelt Familie Flöz dann noch ein paar irre Kollisionen und ordentlich Budenzauber an. Und wird vom begeisterten Publikum nachhaltig gefeiert.

Noch 6.+7. Juli, 20 Uhr, Schauspielhaus Kiel.

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