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Kultur Stadtgalerie Kiel wird 25 Jahre
Nachrichten Kultur Stadtgalerie Kiel wird 25 Jahre
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17:05 07.06.2013
Von Maren Kruse
Eingespieltes Team in der Stadtgalerie Kiel: Wolfgang Zeigerer, Peter Kruska und Aufbautechniker Bernd Bader. Quelle: Ehrhardt
Kiel

Vor dem weiß-blauen Schriftzug aus Q-Tips möchte Wolfgang Zeigerer unbedingt posieren. Es tut ja so gut hat der Künstler Ingo Gerken da mit den bekannten Wattestäbchen in schönster Schreibschrift auf die Museumswand geschrieben. Für Zeigerer, seit 2002 Direktor der Stadtgalerie Kiel, ist das mehr als eine wohlige Formel. Denn nach in schöner Regelmäßigkeit wiederkehrenden Existenzkrisen mit Spardebatten, dem Umzug ins Neue Rathaus und Schließungsszenarien, sind die Signale im 25. Jahr nun spürbar positiver. „Ich liebe die Initiativen und wechselvollen Highlights der Stadtgalerie!“, schwärmt Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke und will sich dafür einsetzen, dass die Finanzierung zu den aktuellen Bedingungen fortgesetzt werden kann. Entscheiden müsse dies zwar die neue Ratsversammlung, sagt sie, aber: „Uns allen sollte klar sein, dass eine Landeshauptstadt eine Sammlung dieses Kalibers braucht.“ Deshalb plädiert sie sogar zusätzlich für eine Aufstockung des Ankaufsetats. Gaschke: „Wolfgang Zeigerer macht eine großartige Arbeit.“

Konsolidierung ist angesagt: Im dritten Jahr sorgt die in Kiel ansässige Brunswiker Stiftung dafür, dass die Stadt ihren Zuschussbedarf für den Ausstellungsetat von 60000 Euro auf 12000 Euro herunterfahren konnte. Diese Förderung, die Torsten Albig als Kieler Oberbürgermeister angeschoben hatte, läuft Ende des Jahres aus. Gespräche über eine Fortsetzung stünden noch aus, sagt Susanne Gaschke. Rückendeckung bekommt die Einrichtung aber auch von den Bürgern. Der Förderverein unter dem streitbaren Vorsitz von Reinhard Take spielte gerade in diesen Krisenzeiten eine Schlüsselrolle.

Ohne politischen Druck arbeitet es sich effektiver für die Kunst: Immerhin ist eine Fläche von 150000 Quadratmetern jährlich mit fünf großen Ausstellungen zu bespielen. Andere Häuser vergleichbarer Größenordnungen hätten inzwischen reduziert, sagt Zeigerer. Die Stadtgalerie will aber ihr Angebot nicht beschneiden. Das sei mit dem übersichtlichen Etat keine Kleinigkeit, funktioniere aber mit Partnern und einem Netzwerk, das Transportkosten und Honorare bezahlbar hält.

Atempausen sind im Ausstellungsbetrieb ohnehin rar: Die Jubiläumsschau Unsere Kunst – Eure Kunst läuft noch bis zum Monatsende; ab 12. Juli steht schon die umfangreiche Ausstellung mit Kunst aus dem Ostseeraum unter dem Titel Baltic Sea Record an. Zeigerer hat für dieses Projekt mit Klaus Hartwich aus Rügen einen Gastkurator gewonnen, mit dem er seit Langem zusammenarbeitet. Zeigerer lässt sich gerne das Heft aus der Hand nehmen. Von seinen finnischen Partnern etwa, die immer wieder große Fotografen wie Tuomo Manninen oder Jaakko Heikkilä ins Haus bringen, die in Kiel spielend ihr Publikum finden. Keine Chefkurator-Allüren also? „Nein, da bin ich uneitel“, sagt Zeigerer und übergibt die Kuratorenschaft auch an seinen Mitarbeiter Peter Kruska, der mit den Bestandsaufnahmen Paint-o-mania und der nachfolgenden Sculpt-o-mania zum Beispiel zwei atelierfrische Projekte zu Malerei und Skulptur kuratiert hatte.

Das Profil der Stadtgalerie als kommunale Einrichtung war schon zur Gründung Programm. Zeigerer: „Wir sind zuerst für die Kieler Bürger da.“ Deshalb sei die regionale und lokale Kunst mit der Muthesius-Kunsthochschule ein wichtiger Fundus. Die Kunst aus den Ostseeanrainerstaaten hat die Stadtgalerie in 25 Jahren nie aus den Augen verloren. Aber auch ein Besucherprofil hat sich in den Jahren abgezeichnet. Jung, aber nicht nur, offen und unvoreingenommen: „Wir kennen unser Publikum und wissen inzwischen ganz genau, was wir nicht zeigen können“. Der gefühlte Erfahrungswert mache sich an der ästhetischer Komponente fest. „Wenn die fehlt, wenn es zu spröde, zu sperrig oder zu theorielastig wird, dann kommen die Leute nicht.“

Stadtgalerie Kiel: Die Jubiläumsausstellung "Unsere Kunst - Eure Kunst" ist noch bis zum 30. Juni zu sehen.