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08:13 21.12.2019
Von Konrad Bockemühl
Große Retrospektive in der Gottorfer Reithalle: Rainer Retting in seinem Sylter Atelier. Quelle: SHLM
Büdelsdorf

Knapp 100.000 (plus 4000 gegenüber 2018) sahen die Ausstellungen auf der Gottorfer Schlossinsel, knapp 177.000 (plus 16.000) machte das Wikinger Museum Haithabu neugierig auf das Weltkulturerbe. Und 117.000 Gäste wurden im Freilichtmuseum Molfsee gezählt, das ab 1. November 2020 mit einem neuen Eingangs- und Ausstellungsgebäude ganz neue Anziehungskraft entwickeln dürfte. Für Wendt ein großer Hoffnungsträger für die halbe Million.

Rainer Fetting: Viele Farben, viele Facetten

Aber nicht der einzige: Auf der Schleswiger Museumsinsel präsentiert das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte ab 24. April bis zum 18. Oktober einen der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart: Here are the Lemons ist die Retrospektive des dann 70-jährigen Rainer Fetting überschrieben. Sie soll einen umfassenden Einblick in das farben- und facettenreiche Werke des gebürtigen Wilhelmshaveners geben, der in Berlin Ende der 1970er-Jahre zu den „Jungen Wilden“ gehörte, viele Jahre auch in New York wirkte und seit seiner Rückkehr aus den USA auch in einem Atelier auf Sylt arbeitet.

Kabinettausstellung zu Barlachs 150.

Diese Stationen werden in den 136 Arbeiten Fettings nachzuvollziehen sein, kündigte der leitende Stiftungsdirektor Claus von Carnap-Bornheim an. Einen besonderen Akzent bilde eine Serie überlebensgroßer Porträts aus jüngerer Zeit. Aber auch den bekannten Porträts von Willy Brandt (1996) und Helmut Schmidt (2006) ist ein eigenes Ausstellungskapitel gewidmet. Daneben wird im Gottorfer Kreuzstall mit einer Kabinettausstellung ab 2. April der 150. Geburtstag Ernst Barlachs mit Exponaten aus der Sammlung Bönsch begangen. Ganz in der Nähe hat neben dem Globushaus der Besuch des Barockgartens mit neuen Skulpturen und attraktiver Ersatzbepflanzung nach dem Buchsbaumhecken-Desaster an Attraktion (und Besuchern) deutlich gewonnen: Der Eintritt bleibt hier frei.

Das Schicksal von Überlebenden der Shoah

"Gerettet, aber nicht befreit" ist eine Ausstellung im Jüdischen Museum Rendsburg überschrieben, die ab 28. Februar 2020 das Schicksal von Überlebenden der Shoah in Schleswig-Holstein nachvollzieht. Um ein tieferes Verständnis für die sensible Thematik zu wecken, haben Museumsleiter Jonas Kuhn und sein Team ausführlich in Archiven geforscht. Sie skizzieren Lebensgeschichten, die nur zu oft „schwer zu glauben, empörend und ergreifend“ sind. Im übrigen hat sich das Rendsburger Haus Barrierefreiheit als Ziel gesetzt.

Cismar lockt mit "Zum Fressen gern"

Im benachbarten Büdelsdorf arbeitet die Stiftung weiter am Profil des Eisenkunstgussmuseums. Für den Bereich Bildung und Vermittlung wurde gleich nebenan gerade das Erichsen-Haus saniert und sogar mit Werkbänken ausgestattet. Ab Ende Mai wird unter dem Titel "Im Flus"s Erik Seidel erneut künstlerische Interventionen aus Eisen beisteuern, während weiter entfernt an der Neustädter Bucht die Sommerausstellung im Kloster Cismar (5. April – 18. Oktober) von den Berliner Fotografen und Gestaltern Sebastian Köpcke und Volker Weinhold bestückt wird. "Zum Fressen gern" ist ihr Fotozyklus überschrieben, der mit ungewöhnlich arrangierten Stillleben überrascht.

Wikingermuseum öffnet eine Stunde länger

Bleibt noch das Wikinger-Museum Haithabu, der Publikumsrenner der Stiftung Landesmuseen. Hier wird angestrebt, verstärkt die Welterbe-Aspekte zu vermitteln. Und die Öffnungszeiten werden ab 1. April um täglich eine Stunde (9-18 Uhr) erweitert. Soll ja schließlich klappen mit der halben Million.

Neue Ära in Molfsee

Der 1. November 2020 soll für das Freilichtmuseum Molfsee als Landesmuseum für Volkskunde eine neue Ära einleiten. Statt Winterpause wird dann das neue Ausstellungs- und Eingangsgebäude mit seiner Dauerausstellung zur Alltagskultur des 20. Jahrhunderts in Schleswig-Holstein eröffnet – daran, so Stiftungsvorstand Guido Wendt, gibt es keinen Zweifel mehr: Man ist kostenmäßig im Plan, zeitlich nur gering im Verzug: Der Neubau soll ab März bestückt werden.

Dauerausstellung zur Alltagskultur des 20. Jahrhunderts

Dass man mit dieser Perspektive den geringen Besucherrückgang 2019 (minus 2000) nicht überbewertet, liegt nahe: Die neue Dauerausstellung soll zeitlich an die Freiluftausstellung anknüpfen und rund 350 Exponate umfassen. Untergliedert in die Bereiche Rhythmus, Mobilität, Beschäftigung, Konsum, Beziehung und Sicherheit will sie Entwicklungslinien des 20. Jahrhunderts aufzeigen.

Auf den Spuren des Kalten Krieges

Als erste Sonderausstellung widmet sich das Team um Direktor Wolfgang Rüther gleich ab 1. November den "Spuren des Kalten Krieges in Schleswig-Holstein". Systematisch hat man sie etwa in dem großen, heute als Tiefgarage genutzten Luftschutzbunker unterm Kieler Schloss aufgearbeitet. Vor dessen Rückbau wurde die Anlage umfassend fotografiert, Teile der Ausstattung gelangten ins Molfseer Museum. Sie bilden den Grundstock der Ausstellung, die dann den Fokus auf das ganze Land erweitert und sich auf Spurensuche an Orte wie Munitionslager, Warnämter und Ersatzkrankenhäuser begibt, um die Infrastruktur das Kalten Krieges aufzuzeigen – gefühlt ist das Thema auch heute so fern nicht. bkm

www.landesmuseen.sh

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Konrad Bockemühl 20.12.2019