Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Eifersucht bei der Kontrolle
Nachrichten Kultur Eifersucht bei der Kontrolle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:23 15.12.2018
Von Beate Jänicke
Sulaiman Masomi bot Poetry Slam im Roten Salon der Pumpe Quelle: Björn Schaller
Anzeige
Kiel

Durch seine schlagfertige Art findet Sulaiman Masomi sofort einen Draht zum schon bald sehr angetanen Publikum im etwa zur Hälfte besetzten Salon. Erst recht, als Masomi beginnt, seine ersten Texte, u.a. aus seinem Buch „Ein Kanake sieht rot“, vorzutragen.

Etwa die Geschichte „Früher war alles besser“, in der Sulaiman Masomi erzählt, wie er am Kölner Hauptbahnhof Polizisten begegnet, die bei der Allgemeinen Personenkontrolle nicht wie erwartet ihn, den gebürtigen Afghanen, sondern einen blonden, blauäugigen Deutschen aus der Menge fischen.

Anzeige

„Das ist unsere Legitimationskontrolle“, klärt der Polizist auf. Jeder zehnte Kontrollierte solle ein Deutscher sein. Worauf Masomi spontan Eifersucht empfindet. Doch damit nicht genug, zieht er eine zusätzliche Ebene zum Thema Rassismus in die Performance ein.

Breite Palette an Themen und Stilmitteln

Warum „ausländische“ Bühnenkünstler – Masomi ist allerdings in Deutschland aufgewachsen und hat hier studiert – denn immer Ausländer-Themen verhandeln müssten? „So will es der Markt!“, spottet Sulaiman Masomi.

In seinen Texten bedient sich der jüngst mit dem ersten Platz beim Passauer ScharfrichterBeil ausgezeichnete Literaturwissenschaftler allerdings einer breiten Paletten an Themen und Stilmitteln.

Hochkomisch sind seine Alltagsgeschichten, die sich in immer neuen skurrilen Windungen ins Absurde schrauben. Dabei kann es auch mal sehr ernst zugehen, wenn der Weg eines völlig unschuldigen Menschen aus Kabul über Deutschland bis zu seinem Tod in Guantanamo nachgezeichnet wird. Großer Applaus.

Thorben Bull 15.12.2018