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Kultur Großer Spaß, heikler Ernst
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14:57 19.08.2018
Sakralmusik der amerikanischen Moderne in der Industriehalle auf der Nordart: der Schleswig-Holstein Festival Chor unter Nicolas Fink. Quelle: Axel Nickolaus
Büdelsdorf

Der zentrale Festival-Star Sabine Meyer krönte seine Konzertserie: In Aaron Coplands „Klarinettenkonzert“ schlug sie den Hörer sofort mit den prärieweit melancholisch ausschwingenden Melodiezügen im wahrhaft bewegend expressiv erfassten Kopfsatz in den Bann. Dann folgte eine ungeheuer kraftvoll farbsatte Solo-„Cadenza“ und ein wirklich quietschvergnügtes Finale. Und gleich darauf bot sie den allemal herrlich frechen Blechattacken von den jungen Akteuren aus dem Schleswig-Holstein Festival Orchestra in Leonard Bernsteins „Prelude, Fugue & Riffs“ Paroli.

Fetziges aus „West Side Story“ und „On the waterfront“

Bernstein war ein komponierender Seiltänzer zwischen dem vollen Ernst und der großen Unterhaltungslust der amerikanischen Moderne. Am Pult setzte Wayne Marshall auch in fetzigem symphonischen Repertoire Bernsteins mit Erfolg auf die unbändige Virtuosität der jungen Musiker aus aller Welt.

Festivalchor unter Nicolas Fink

Der semiprofessionelle Festivalchor, gebildet aus 90 landesweit gecasteten Sangesfreudigen mit Anspruch, hatte sich im Zeichen Bernsteins für den ersten Konzertblock eine besonders schwere Aufgabe aufgeladen. Denn in eher feindlicher Akustik die avantgardistischen Spaltklänge von Charles Ives’ Psalm-Vertonungen aufzufächern, war extrem heikel. Respekt, was Chorleiter Nicolas Fink hier dennoch abzurufen verstand.

Bernsteins „Missa brevis“ und Psalm-Vertonungen

Restlos beeindruckend gelang die direkte Hommage an Bernstein: Seine achtstimmige „Missa brevis“ strahlte in den schön abgemischten Chorregistern intensiv, bereichert durch die engelhaft reinen Töne des Countertenors Terry Wey. Anrührend dann auch Bernsteins hebräische Gebete des „Hashkiveinu“ und in den „Chichester Psalms“, die bewegt rumorend begannen und in einem vollchörigen Tonstrom imposant verglühten.

Bernstein-Preisträger Cameron Carpenter an der Orgel

Bernstein-Preisträger Cameron Carpenter, der zu Beginn herrlich das „America first“ in den vorwitzigen Variationen von Charles Ives aufs Korn genommen hatte, war dabei (fast überall) ein verlässlich „mitmischender“ Orgelpartner.

Von Christian Strehk

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