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19:27 13.11.2019
Von Ruth Bender
Nie ohne die alten Recken: In Scorseses Netflix-Debüt spielen Joe Pesci (li.) und Robert de Niro. Quelle: dpa
Kiel

Produziert hat das neue Werk des New Yorker Kultregisseurs Martin Scorseses mit einem Monster-Budget von 160 Millionen Dollar der Streaming-Dienst Netflix – der das Mobster-Movie "The Irishman" ab dem 27. November 2019 online zugänglich macht. Zwei Wochen Vorlauf gönnt der Streaming-Riese also den deutschen Kinos – weit weniger als die fünf Monate, die ein Film normalerweise der Kinoverwertung vorbehalten ist, bevor er auf anderen Medien angeboten wird.

Wer streamt, geht auch ins Kino

„Natürlich haben wir uns überlegt, ob wir The Irishman ins Programm nehmen“, sagt Andreas Steffens vom Traum-Kino Kiel. Dass Netflix damit die übliche Laufzeit radikal unterläuft, missfällt ihm nicht weniger als den Kollegen. „Die Fünf-Monats-Regel ist ein Privileg, aber auch ein Schutz für die Kinos. Und dass Netflix da nicht mitspielt, ist ärgerlich.“

Gleichzeitig sieht der Traum-Kino-Programmleiter das Streaming ganz pragmatisch für soweit etabliert, dass es längst parallel zum Kino läuft: „Es gibt ja auch die Ansicht, dass, wer viel streamt, auch generell ein großes Filminteresse hat und parallel auch das Kino nutzt.“

Außerdem sieht Steffens das traditionelle Kino auch ein wenig in der Pflicht: „Ich finde, wir müssen den Film zeigen. Zum einen, weil es ein Publikum gibt, das Scorsese auf der großen Leinwand sehen will. Zum anderen, weil das auch den Mehrwert vorführt, den das Kino für das Medium Film hat.“

Fünf Netflix-Produktionen auf der Leinwand

Dabei ist "The Irishman" nicht mal der Anfang. Nachdem der spätere Oscar-Gewinner "Roma" schon 2018 in den Kinos lief, hat Netflix seit Anfang Oktober auch schon Steven Soderberghs "Geldwäscherei" und das Historiendrama "The King" lanciert.

In Kürze folgen "A Marriage Story" (21. November) mit Scarlett Johannsen und Adam Driver, der wie derzeit auch die Amazon Prime-Produktion "The Report" ebenfalls im Traum-Kino läuft, und "Die zwei Päpste" mit Anthony Hopkins (5. Dezember). Ein kleiner Kompromiss, der den Streaming-Diensten leicht fallen dürfte: Denn erst über die Kinoverwertung und auf Festivals werden die Filme überhaupt preiswürdig und womöglich gar Oscar-tauglich.

Darum zeigen andere Kieler Kinos "The Irishman" nicht

„Es ist schon bitter, dass Scorsese so am Kino vorbeiläuft“, so Dennis Jahnke vom Studio-Kino am Dreiecksplatz in Kiel. Er sagt: „Wir schließen auch nicht kategorisch aus, solche Filme zu zeigen. Aber die Diskussion in der Branche läuft und vorläufig haben wir uns der Mehrheitsmeinung angeschlossen.“

Auch Thomas Lüdtke vom Metro-Kino in Kiel ist wichtig, dass sich die Branche dazu baldmöglichst positioniert. Die Cinemaxx-Gruppe bekennt sich auf Anfrage in der Pressesstelle dazu, „nur Titel mit einem vollumfänglichen Kinostart zu zeigen, was eine bestens bekannte Praxis innerhalb der Branche ist“.

Kein Werbemedium für die Streaming-Dienste

400 bis 450 Millionen Dollar müsste "The Irishman" einspielen, schätzte das Forbes Magazine, um die Produktionskosten zu kompensieren – mit einem konventionellen Kinostart niemals möglich. „Das ist ein Dilemma für die Kinos“, gibt Steffens zu.

Thomas Lüdtke hat zwar Verständnis für die Regisseure, die die Freiheiten eines schier endlosen Budgets nutzen; aber er möchte das Kino nicht zum Werbemedium für die Streaming-Dienste machen: „Wir müssen eine gute Auswertung haben – und dafür sind zwei Wochen einfach zu kurz.“

"The Irishman" im Kino

Kino-Termine: "The Irishman" in Kiel. Traum Kino. 16.-20., 24./25. November 2019. www.traumgmbh.de

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