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Kultur Dicker Brocken, ganz unbeschwert
Nachrichten Kultur Dicker Brocken, ganz unbeschwert
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10:44 06.10.2014
Von Thorsten Richter
Shakespeare mit viel Lust und Laune: Szene aus „Was ihr wollt“ mit Oliver Prott und Wencke Höfgen, im Hintergrund Lasse Bodenstein, Julia Hasenpusch und Nadeshda Gerd. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

Das tolle Amateur-Theater zeigte damit, dass man mit ein wenig Chuzpe, Intelligenz, Spielwitz sowie einem unverstellten Blick auf den Stoff aus jeder noch so kleinen Spielstätte die Bretter machen kann, die die Welt bedeuten. Die Geschichte von Shakespeares wohl beliebtester Komödie ist so bekannt wie verwirrend. Ein Schiffsunglück spült Viola an den Strand des idyllischen Illyrien. Ihr geliebter Zwillingsbruder Sebastian scheint bei dem Untergang ums Leben gekommen zu sein. Viola beschließt, als Knabe verkleidet in die Dienste des Herzogs Orsino zu treten, der über Illyrien herrscht. Dumm nur, dass sie sich unsterblich in ihn verliebt. Orsino nämlich liebt die Gräfin Olivia, die sich ihrerseits allerdings in den neuen Diener verguckt hat. Puuh!

 Und als wenn das noch nicht genug wäre, taucht urplötzlich auch noch der verloren geglaubte Zwillingsbruder auf und macht das Chaos perfekt. Zudem mischt sich eine Reihe illustrer Nebenfiguren in dieses amouröse Durcheinander und dreht noch einmal ordentlich an der Humor-Schraube. Sieht man von der vergleichsweise spektakulären Eingangsszene ab, bei der kübelweise echtes Wasser den Schiffbruch simuliert, braucht das Ensemble kaum mehr als ein Klavier, einige bunte, frei bewegliche Holzquader und zwei Zierpflanzen, um Illyrien und sämtliche Handlungsorte darzustellen. Vom Wald bis zum Schloss und vom Gefängnis bis zur Kirche.

 In diesem spartanischen aber sehr wandlungsfähigen Bühnenbild von Volker Wilcke agieren die Darsteller mit viel Lust und Laune, wobei ihnen Regisseur Detlef Götz so manche Freiheit lässt. Natürlich rast die Inszenierung damit zuweilen gefährlich nah an die Grenze von Karikatur und Klamauk, kriegt allerdings immer wieder die Kurve und bleibt originell und witzig. Die vielen hinzugedichteten musikalischen Einlagen aus allen Stilrichtungen (Musikalische Leitung und am Klavier: Eggert Harms) tun das Übrige, den Unterhaltungswert des Abends erheblich zu steigern. So freute sich das Publikum im ausverkauften Haus über einen dicken Brocken Shakespeare, der ganz unbeschwert über die Bühne kegelte.