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09:04 28.02.2017
Von Sabine Tholund
Durch die Bank überzeugend: Marie (Charlotte Menzer, li.) und Julie (Tina Galinsky) mit der Dienstbotin (Sinikka Dörner, hinten). Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Wütende Blicke und heftige Gesten begleiten ihren Auftritt – so könnte der Funke der Aggression aussehen, der sich zum Flächenbrand weiten kann. Detlef Götz hat die kurze Szene seiner Inszenierung von Liliom als Prolog vorangestellt. Am Sonntag feierte das Theater Augenblicke mit Franz Molnars Stück um den unbeherrschten Tunichtgut Premiere.

 Die beiden Nachzügler lädt der Titelheld zu schrammelnder Jahrmarktsmusik ein in die Liebesschaukel, die sich mit ihren Passagieren auf der kleinen Dela-Bühne als imaginäres Karussell um einen bunt glitzernden Lichterstab dreht. Geschickt hat der Regisseur das Bühnenbild auf ein Minimum reduziert – in den nachfolgenden Szenen reicht eine Bank als universeller Spielort vollkommen aus. Breitbeinig lümmelt hier dieser Liliom, der den weiblichen Fahrgästen des Karussells mit dem Ranschmeißer-Charme eine Kirmes-Gigolos auf die Pelle rückt. Bei der unbedarften Julie verfängt die Masche – sehr zum Unwillen seiner eifersüchtigen Chefin, die ihren Publikumsmagneten daraufhin kurzerhand feuert.

 Rasant startet das Spiel, das sich mit Carsten Kühl und Tina Galinsky auf zwei glänzende Hauptdarsteller verlassen kann. Ausladende Gesten treffen auf mädchenhafte Zurückhaltung, ruppige Bräsigkeit auf schüchternen Mut. Rührend gelingt die Annäherung der beiden auf ihrem Weg zu ihrer unglücklichen Liebe, die überschattet wird durch Lilioms Schläge, die Julie immer wieder vor ihrer Freundin Marie entschuldigt (neugierig zugewandt: Charlotte Menzer). Dabei ist offensichtlich, dass dieser Nichtsnutz sich nicht bessern wird. Allzu schnell erhebt er die geballte Faust – egal ob es sich bei seinem Gegenüber um die eigentlich wohlmeinende Ex-Chefin Frau Muskat (schillernd ordinär: Silke Böttcher) oder um den dümmlichen Kriminellen Ficsur (Stephan Kadar) handelt.

 Die Nachricht von Julies Schwangerschaft trifft Liliom allerdings wie ein Blitz. Verantwortung will er für seine Familie übernehmen und dafür braucht es Startkapital. „Ich werde ein Kind haben!“ In x-facher Wiederholung hallt sein euphorisch ausgerufener Satz nach und entlässt das Publikum in eine reichlich ausgedehnte Pause.

 In der zweiten Hälfte gerät der Spielfluss ins Stocken, der anfangs so straff gespannte Spannungsbogen hängt durch. Die Bilder rund um den Raubüberfall leiden an Geschwätzigkeit, und der Versuch, der schweren Kost des Sozialdramas nach Lilioms Selbstmord beim Warten vor der Himmelspforte einen amüsanten Kontrapunkt entgegen zu setzen, verläppert zum Triangel-Klingklang in alberner Zeitlupen-Choreographie. Gut, dass das Spiel mit Lilioms Rückkehr zur Erde im letzten Moment zu seiner anfänglichen Stärke zurückfindet. Verdienter Applaus.

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