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Kultur Winziger Held, schlanke Version
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19:10 13.05.2014
Von Sabine Tholund
Ronald Cymara (vorne links) agiert als Erzähler, neben ihm Marco Bartsch, der den kleinen König Dezember spielt. Ercan Kök (hinten links) übernimmt die Rolle des Drachens, Harry Tobinski-Ahrens die des Griesgrams. Quelle: hfr
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Kiel

In langen Gesprächen mit dem „Insbürogeher“ gibt der winzige Monarch Einblicke in seine (Gedanken-)Welt, die sich nur scheinbar aus kindlicher Naivität speist. Eine charmante Geschichte über die existentiellen Fragen des Lebens, die sogar in Japan zum Bestseller wurde. Nadeshda Gerdt hat sich sofort in das Buch verliebt. „Ich wollte es unbedingt inszenieren“, sagt die Theaterpädagogin, die schon mehrfach im Laientheaterbereich als Regisseurin gearbeitet hat. Mit dem Kieler Theater Augenblicke präsentiert sie den Text jetzt in einer eigenen Theaterfassung. Autor Axel Hacke, langjähriger Journalist und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, überließ ihr die Rechte für die insgesamt acht Aufführungen großzügig kostenlos.

 Von ihrer Lieblingsvorstellung, die Geschichte eins zu eins umzusetzen, musste Gerdts sich allerdings bald verabschieden. „Ich wollte den Zauber des Buches auf die Bühne bringen und dabei Raum für Fantasie lassen. Doch einiges ist im Kopf viel schöner, als wenn man es in Bilder umsetzt. Anderes kann man ohne Technik nicht realisieren, und für mich ist Theater nicht in erster Linie Technik.“

 Also hat sie einzelne Episoden schweren Herzens gestrichen und die Chronologie leicht verändert. „Das hat unglaublich weh getan, denn das Buch ist perfekt.“ Auch den von Illustrator Michael Sowa geschaffenen Typus des dicklichen Titelhelden, der so klein ist wie ein Zeigefinger, wird es in ihrer Inszenierung aus nachvollziehbaren Gründen nicht geben. „Aberwitzige Ideen, bei denen wir den Größenunterschied durch hohe Absätze andeuten wollten, haben wir irgendwann losgelassen. Die Größe wird einmal angesprochen, danach aber nicht weiter ausgespielt.“

 Mit ihrer verschlankten Version, in der das Erzählte teilweise von zwei Nebenfiguren im Hintergrund in Aktion umgesetzt wird, ist die Regisseurin mittlerweile sehr zufrieden. „Ich habe den Schwerpunkt auf den Charakter der Titelfigur gelegt, die ihre Träume in Schachteln verwahrt. Diese kleinen magischen Momente sind es, worauf es mir ankommt.“

 Wenn die Zuschauer einen Teil der Lebensphilosophie des kleinen Königs mitnähmen, wäre Nadeshda Gerdt zufrieden. „Wie oft verbauen wir uns den Witz des Lebens durch unseren Pragmatismus. Je mehr Kontrolle wir ausüben, desto weniger Lebendigkeit bekommen wir dafür. Es wäre schön, wenn sich am Ende die Frage stellt, wie man sein Leben auf eine leichtere Art führen könnte.“

 Möbelhaus Dela (Eggerstedtstr. 7-9), Premiere Sonnabend, 17. Mai, 20.30 Uhr (ausverkauft), nächste Vorstellung: Sonntag, 18.30 Uhr. Karten unter Tel. 0431-93050