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Kultur Theater Die Komödianten: Eiscreme als Beziehungskitt
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Theater Die Komödianten Kiel: Eiscreme als Beziehungskitt

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15:38 26.11.2021
Von Sabine Tholund
Eiscreme für Tochter (Marie Dollenberg) und Mutter (Rafaela Schwarzer).
Eiscreme für Tochter (Marie Dollenberg) und Mutter (Rafaela Schwarzer). Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

. Ein Bild von der Rialto-Brücke in Venedig verbreitet einen Hauch italienischen Flairs, eine riesige Eistüte als Wandschmuck, ein paar zierliche Tische nebst passendem Gestühl tun das Übrige: Die Bühne im Theater Die Komödianten hat sich in eine Eisdiele verwandelt (Bühne: Bruno Giurini/Haiko Schöttke). Hier gehen sie hin, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gilt: Mutter und Tochter, die namenlos bleiben in Miro Gavrans Zwei-Personen-Stück „Eiscreme“, das als Komödie gehandelt wird und eigentlich viel mehr ist als das.

Acht Szenen aus 57 Jahren

Denn in den Gesprächen der beiden bei Eiscreme und später - je nach Aufregungsgrad – bei Kaffee oder Grappa geht es immer ans Eingemachte. Regisseur Christian Lugerth hat die psychologischen Tiefen des Stückes mit seinen Schauspielerinnen einfühlsam ausgelotet. In acht Szenen, die einen Zeitraum von 57 Jahren umfassen, sehen wir zu, wie die beiden Protagonistinnen die großen und kleinen Katastrophen des Lebens meistern.

In den Gesprächen der beiden Frauen geht es immer ans Eingemachte

Ein beinahe klassisches Mutter-Tochter-Verhältnis wird hier vorgeführt. Gezeigt werden zwei Menschen, die so gegensätzlich scheinen wie Feuer und Wasser und die, wenn es hart auf hart kommt, doch nicht ohne einander können. Der Autor hat die Szenenfolge so aufgebaut, dass das Leben der Tochter das ihrer Mutter auf seltsame Weise spiegelt. Während die Mutter früh von ihrem Mann verlassen wird, ist die Tochter diejenige, der es nichts ausmacht, dass ihr Geliebter seine Familie für sie im Stich lässt.

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Mit versteinerter Miene erträgt die Mama die sorglosen Ausführungen der Tochter, die so gar nichts aus der Familiengeschichte gelernt zu haben scheint. Rafaela Schwarzer agiert höchst lebensnah – nicht nur als gestresste Mutter der Dreijährigen. Selbstbewusst zeigt sie sich als erfolgreiche Juristin mitten im Leben, als über 70-Jährige schwer auf den Gehstock gestützt, ist sie diejenige, die von der Tochter „bemuttert“ wird.

Vieles, was bei den Treffen auf den Tisch kommt, ist nicht lustig

Von der quengelnden Kleinen, die nicht in den Kindergarten will, zur verbitterten Perlenkettenträgerin macht auch Marie Dollenberg überzeugende Wandlungen durch. Als fleischgewordene Antihaltung gibt sie den biestigen Teenager. Das Schicksal macht sie zur frustrierten, spießigen Gattin eines notorischen Schürzenjägers. Ihre Angst, verlassen zu werden, weist auf ein kindliches Trauma hin. Das ist nicht lustig wie vieles, was bei den Treffen der Frauen auf den Tisch kommt. Und doch gelingt immer wieder der Wechsel ins Leichte. Ein anderer Mantel, eine andere Frisur - mehr braucht es nicht für die offenen Verwandlungen zwischen den Szenen, die den Spielcharakter betonen. Verdienter Applaus für einen gelungenen Theaterabend.

Nächste Aufführungen Fr/Sa, 26./27.11., Do-Sa, 2.-4.12. Tel. 0431 / 553401, www.die-komödianten.de