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Kultur Lust auf die neue Spielzeit
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20:03 26.05.2019
Von Konrad Bockemühl
Gretchenfragen: Werner Klockow und Isabel Baumert. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Bei der großen Schauspiel- und Ballettrevue gibt es vielfältige den Appetithäppchen für die kommende Saison. Goethes "Faust" ist die erste Premiere der Spielzeit 2019/20 – und darauf stimmen an diesem Abend Isabel Baumert und Werner Klockow auf ganz besondere Art ein. Nämlich mit Szenen aus Lutz Hübners Gretchen 89 ff., 1997 und damit 168 Jahre nach dem Original uraufgeführt als urkomische Perspektive aufs Theater im Allgemeinen und den Faust im Besonderen. Da werden in der Szene Der Streicher aberwitzige Kürzungsvorschläge der Gretchenszene ausprobiert, während später die reich belesene Dramaturgin dafür sorgt, dass der arme Schauspieler-Tor seinen einzigen Trost in der Probenpauschale findet – herrlich niveauvoller Klamauk, bei dem Isabel Baumerts Einsatz nicht ahnen lässt, dass sie erst im letzten Moment in diese Rolle eingesprungen ist.

Erste Eindrücke aus Wittenbrinks "Hammer"

Die Premiere, nein: Uraufführung, von Franz Wittenbrinks baumarktorientiertem Liederabend „Hammer“ steht bereits am 14. Juni an. Drei Songs von Aretha Franklin bis Echt, in ganz unterschiedlichen Sprachen und Stimmungen, gesungen von Jennifer Böhm, Anne Rohde, Yvonne Ruprecht und Rudi Hindenburg, machen schon mal neugierig auf die neue Produktion, deren musikalisches Grundgerüst vom bewährten Muster des Kieler Dauerbrenners „Sekretärinnen“ nicht groß abweicht – und auch über die kommende Saison hinaus nachwirken dürfte.

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Viel Musik zu Shakespeare, Tschechow, Steinbeck...

In Kombination mit der Spielfreude auf der Bühne macht das Lust auf Theater. Gilt auch für die schon bewährten Songs aus dem Shakespeare Musical "Was Ihr wollt", das nach dem erfolgreichen Open-Air-Sommertheater 2018 in der kommenden Spielzeit als Indoor-Variante auf dem Spielplan steht. Das geht natürlich erneut nicht ohne Marko Gebbert, Imanuel Humm und Rudi Hindenburg ab. Musik gab es ebenfalls zur Einstimmung auf Tschechows "Die Möwe" mit "Moskau, Moskau" von Dschingis Khan, im Kontext zu John Steinbecks "Früchte des Zorns" mit Bruce Springsteens "The Gost of Tom Joad" ( Marko Gebbert) oder mit S"omewhere over the rainbow" aus "Der Zauberer von Oz", dem Weihnachtsmärchen 2019 (sehr schön: Jennifer Böhm).

Exotik und Expressivität

Oliver E. Schönfeld, der den Abend gemeinsam mit Jasper Diedrichsen moderierte, las zudem einen Auszug aus Bov Bjergs Auerhaus und weckte Interesse für ein Theaterprojekt mit Kieler Jugendlichen, die noch gecastet werden müssen, bevor nach der Pause das Ballettensemble mit einem Auszug aus "hrouf" von Georg Reischl mit Exotik und Expressivität für Begeisterung sorgte. Auch die beiden "Creations"-Choreografien stehen 2019/20 wieder auf dem Spielplan.

"Erhebende und befreiende Kunstwerke"

Zweck laut Satzung, §2, der bundesweit drittältesten Volksbühne Kiel aus anno 1894 erfüllt: Man wolle seinen Mitgliedern „erhebende und befreiende Kunstwerke aller Gattungen vorführen und dieselben durch Vorträge oder Aufsätze erläutern“. Nur schade, befand Oberbürgermeister Ulf Kämpfer im Grußwort, dass er hier im Publikum zwar viele freundliche (und bekannte) Gesichter ausmachte, aber nicht wirklich einen Querschnitt der Gesellschaft. Finanzielle Gründe allein, sagte er mit Hinweis etwa auf Kulturtafel und andere Vergünstigungen, könnten das nicht erklären. Nach wie vor gelte es, Schwellen abzubauen, damit sich noch mehr Menschen zur Kultur aufraffen.

Weitere Jubiläumstermine der Volksbühne:

Kiel literarisch“ – Horst Stenzel liest Gedichte und Texte über Kiel, heute, Mo., 19 Uhr, Theater Die Komödianten.

Holger Mantey (Klavier): Von Mozart bis Gershwin, von Bach bis Bonanza, Di., 28. Mai, 19 Uhr, musiculum.

Georg Kreisler Abend „Lieder zum Fürchten – poetisch eingerahmt“ mit Volkmar Helbig und Sven Zimmermann, Mi., 29. Mai, 19 Uhr, Kulturforum.

Karten: Tel. 0431/9827890, www.volksbuehne-kiel.de

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