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20:39 06.11.2019
Von Sabine Tholund
Hendrik Otremba fragt in seinem Roman nach menschlichen Beweggründen für das „Einfrieren“. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Sie wollen der Endgültigkeit des Todes entkommen und lassen das Blut ihrer leblosen Körper durch Frostschutzmittel ersetzen. Die so präparierte Hülle dümpelt dann im Stickstoffbad einer ungewissen Zukunft entgegen. Das Thema klingt nach Science-Fiction, ist im Kern jedoch durchaus real: In den USA ließen bis heute etwa 300 Menschen ihren Körper einfrieren.

„Mein erster Roman war gerade im Druck, als ich im Feuilleton über einen Mann las, der diese Menschen begleitet. Ich dachte zuerst, es handle sich um eine Kurzgeschichte, aber es war eine Reportage“, erinnert sich der 35-Jährige Hendrik Otremba, der neben seiner Tätigkeit als Autor und Dozent für Kreatives Schreiben auch als bildender Künstler und Sänger der Band Messer unterwegs ist. 

"Mit der Zeit klopften immer mehr Figuren bei mir an"

Das Thema hat ihn nicht mehr losgelassen. Zunächst seien ihm abstruse Plots eingefallen. Da war etwa die Idee von einem Typen, der einen Eingefrorenen durch die Wüste transportiert, dann aber einen Platten hat und erleben muss, wie die ganze Chose schmilzt. „Das war furchtbar schlecht“, sagt er schmunzelnd, „aber mit der Zeit klopften immer mehr Figuren bei mir an.“ Es ist am Ende ein ganz anderer Roman geworden, wuchtig und zart, bildmächtig, spannend und von enormer Sogkraft. Otremba siedelt ihn in den 80er Jahren an, denn „was damals passiert ist, vom Aufkommen von Aids über Tschernobyl und die atomare Bedrohung, hallt bis heute nach.“ 

Hoffnung auf ein zweites Leben in der Zukunft

Die Kryonik ist für den Handlungsverlauf im Grunde zweitranging. „Es geht um die Geschichten der Menschen.“ Da bekannt sei, dass es bis heute nicht möglich ist, einen Körper wieder zum Leben zu erwecken, habe er sich gefragt, „was für Menschen das sein mögen, die sich entscheiden, ihr Leben vorerst zu beenden.“ Einige hat er im Zuge seiner Recherchen kennengelernt, denn er trat einem Verein bei, dessen Mitglieder dem Tod durch die Kunst des Einfrierens ein Schnippchen schlagen wollen.„Ihre Beweggründe sind sehr unterschiedlich“, sagt er. Sie reichen von der Hoffnung auf Heilung einer tödlichen Krankheit über Existenzangst, Narzissmus oder schlichte Neugier, manche hätten aber auch „einfach nur Bock“ auf ein zweites Leben in der Zukunft. 

Mit den Erzählern wechseln die Stile

Sechs von ihnen gibt Otremba eine Stimme. „Kalte Mieter“ nennt er sie in seinem Buch, in dem die Stile mit den Erzählern wechseln. Die Titelfigur bildet die Klammer dieser vielstimmigen Geschichte. Der dürre alte Mann, Amerika-Auswanderer mit deutschen Wurzeln und bewegter Vergangenheit, begleitet die Gegenwartsflüchtlinge auf ihrem Weg ins Stickstoffbad – empathisch und mit großer Sanftheit. Kachelbad verfügt über eine seltsame Gabe: Er kann so plötzlich auftauchen und verschwinden, dass er bisweilen unsichtbar zu sein scheint. 

„Es ist ein Roman, der macht, was er will“

Hendrik Otremba hat die Figur in Ansätzen bereits als Jugendlicher erfunden, „um besser einschlafen zu können.“ Und so bleibt manches geheimnisvoll in dieser großartig erzählten Geschichte, von der der Autor sagt: „Es ist ein Roman, der macht, was er will.“

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