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Kultur Philipp Hochmair in Kafkas Spirale
Nachrichten Kultur Philipp Hochmair in Kafkas Spirale
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15:19 11.11.2018
Von Ruth Bender
Foto: Extremschauspieler Philipp Hochmair arbeitet sich durch Kafkas Niedergangsspirale.
Extremschauspieler Philipp Hochmair arbeitet sich durch Kafkas Niedergangsspirale. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

Ganz sacht beginnt Philipp Hochmair im ausverkauften Schauspielhaus zur Eröffnung des 11. Thespis Monodrama Festivals seinen Monolog Amerika, sitzt im schäbigen Anzug und mit Koffer da, wie vergessen im Transitraum eines Flughafens oder Fährterminals - und lässt Karl Roßmann, den Helden in Franz Kafkas Romanfragment „Amerika“ nach Erinnerung suchen. 

Mit wachsendem Tempo durchlebt der Extremschauspieler die Stationen von Karls Niedergang. Verstoßen erst von den Eltern, nachdem der 16-Jährige das viel ältere Dienstmädchen geschwängert hat. Dann von dem reichen amerikanischen Onkel, der an dem Neffen seine Prinzipien statuiert. Schließlich aus dem Hotel, wo Karl gerade als hoffnungsvoller Liftboy begonnen hat. 

Philipp Hochmair lässt Worte und Sätze aus der Spur springen, in ein Eigenleben jenseits der Bedeutung abdriften, nur um sie wie im Leerlauf festzufahren. Sein Karl existiert nur in dieser Sprache, den zur Endlosschleife verzwirbelten Sätzen, die im Rhythmus von Anfang und Niedergang, Aufrappeln und Fallen. Eine Geschichte von Heimat- und Selbstverlust ebenso wie von Unentrinnbarkeit. 

Gelungener Start für Thespis

Rauschender Applaus und gelungener Start für das kleine feine Theaterfestival. Das steht, so Gründerin und Direktorin Jolanta Sutowicz, für Grenzenlosigkeit des Theaters in Zeiten neuer Grenzen und Zäune. Und Gastgeber Daniel Karasek charakterisierte den Monolog als vertrackte, einsame Sache - „in die wir uns immer wieder verlieben“. 

Karten und weitere Infos

Thespis Festival bis 17. November 2018. Kartentel. 0431/901901

12. November, 18 Uhr: „Exodus aus Äypten“, Asnat Zibil (Israel), Kulturforum. 20 Uhr: „Tränen machen keinen Lärm“, Monse Duany (Kuba), Pumpe.

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