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Kultur Szenen eines Frauenlebens
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13:34 15.05.2019
Von Sabine Tholund
Leerer Raum in leuchtendem Rahmen (v.li.): Dramaturgin Lena Carle, Regisseur Dariusch Yazdkhasti und Bühnenbildnerin Anna Bergemann. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Es ist kein spektakuläres Leben, verläuft mal tragisch, mal glücklich, oft banal und ist doch einzigartig – wie jedes Leben. Elf Szenen als Schlüsselmomente ihrer Biografie zeigen die Titelfigur in vier Lebensaltern: als Tochter, Geliebte, Mutter und Ehefrau - mit 12, 19, 36 und 69 Jahren. Vordergründig dieselbe Person, ist diese Mary Page Marlowe in jeder Szene eine andere Version ihrer selbst und so wird das Stück zum Mosaik, zusammengesetzt aus Bildern, die jenseits der Chronologie an ein zielloses Herumblättern in einem Fotoalbum denken lässt.

Eine Hommage an das Leben selbst

Dariusch Yazdkhasti hat dieses Mosaik inszeniert, das der Autor, Schauspieler und Pulitzerpreisträger 2016 nach dem Tod seiner Mutter schrieb – als Hommage an das Leben selbst. „Das Stück ist kein Königinnen-Drama. Es feiert das Leben in all seiner Durchschnittlichkeit, die auch in Tiefschlägen hoffnungsvolle Momente zulässt“, so der Regisseur. In seiner Alltäglichkeit komme es ihm vor wie ein Blick aus dem Fenster, bei dem die Passanten und ihre Geschichten bruchstückhaft aufscheinen wie Lichtpartikel, die aufglühen und wieder vergehen. „Das hat etwas ungemein Tröstliches.“

Das Leben nur vom Zufall oder Schicksal bestimmt?

Mary Page Marlowe macht eine Menge durch in ihrem Leben: Affären, Scheidung, der Verlust des Sohnes, Alkoholabhängigkeit. Im ersten Bild erklärt sie ihren Kindern, dass ihre Ehe kaputt ist und die Familie auseinanderbricht. Da ist sie knapp 40 und erkennt, dass ihr etwas geschieht, das sie nicht beeinflussen kann – wieder einmal. „Letts stellt die Frage, inwieweit das Leben vom Zufall oder Schicksal bestimmt ist und ob der Mensch überhaupt Einfluss nehmen kann“ , sagt Dramaturgin Lena Carle. So glaube Mary immer wieder, nur Zuschauerin ihres Lebens zu sein, mache aber eine Entwicklung durch, die sie am Ende versöhnt auf ihr Leben blicken lässt.

Das Ende in der Mitte

Das „Ende“, die Szene ihres vermeintlichen Sterbens, ist in der Mitte des Stückes angesiedelt, in dem Yazdkhasti „keineswegs eine klassische Läuterungsgeschichte“ erkennen mag. Sympathisch findet er an der Hauptfigur, dass sie mit ihren Eigenheiten und schroffen Kanten durch ihr Leben geht und dennoch nicht unreflektiert bleibt. „Letts wirft mit der Auswahl der Szenen Schlaglichter auf ein Leben. Durch die zeitlichen Brüche entstehen Leerstellen, die der Zuschauer in seiner Fantasie auffüllen kann. So wird das Stück zu einer Art Detektivgeschichte darüber, wie man dieses Leben zusammenbaut.“

Eine Art Zeitmaschine aus Licht

So viele Szenen, so viele Schauplätze gibt es in der poetischen Zeitreise, die in der Kieler Inszenierung auf weitgehend leerer Bühne gespielt wird. Anna Bergemann hat mit einem leuchtenden LED-Rahmen dafür gesorgt, dass bewegliche Räume entstehen. „Es ist eine Art Zeitmaschine aus Licht, in der die Figuren auftauchen und verschwinden können.“ Die Protagonistinnen, an denen bis auf ein markantes Schmuckstück nichts darauf hindeutet, dass sie ein und dieselbe Figur verkörpern, werden einander beim Wechsel der Szenen bisweilen begegnen und stumme Blicke tauschen – gemäß dem Motto der Schriftstellerin Joan Didion, das der Autor seinem Stück vorangestellt hat und das Yazdkhastis Regiekonzept maßgeblich geprägt hat: „Ich finde wir sind gut beraten, die flüchtige Bekanntschaft mit den Leuten, die wir früher einmal waren, zu pflegen.“

Premiere am Fr./Sa., 17./18 Mai, 20 Uhr. Karten: Tel. 0431 / 901901, www.theater-kiel.de

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