Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Ulrich Behl wird 80: "Die Kunst stellt sich ein"
Nachrichten Kultur Ulrich Behl wird 80: "Die Kunst stellt sich ein"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 21.09.2019
Von Ruth Bender
Rückblick auf über 50 Jahre Kunstschaffen: Ulrich Behl vor der Plakatwand in der Stadtgalerie. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

„Ich bin selbst überrascht von der Vielfalt … Na, das ist wohl meine Entwicklung.“ Von der ersten größeren Ausstellung in einer Galerie in Delmenhorst 1968 bis zur Retrospektive, die ihm das Kunstmuseum in Bayreuth im vergangenen Jahr ausrichtete. Eines der selteneren farbigen Plakate, auf denen auch der Kieler Künstler und Kulturpreisträger selbst zu sehen ist.

Daneben: Strukturen in serieller Eintracht, Raster und Muster, deren geometrische Akkuratesse der Lichteinfall aufbricht - oder die Ränder einer Rasierklinge, die sich in eine Skyline verwandeln, mit weichem Bleistift gezeichnet. „Die Rasierklinge hat mich bestimmt zehn Jahre lang beschäftigt“, schmunzelt Ulrich Behl und sinniert: „Jedes dieser Plakate erzählt mir alte Geschichten ...“

Vom Figürlichen zur abstrakten Form

Eigentlich wollte er ja Karikaturist werden. „Menschen, Tiere, Sensationen“, sagt der Künstler, „schnell, heftig, expressiv. Da hatte ich wohl ein Talent für.“ Das Beobachten hat ihn früh gefesselt, schon in Arnswald in Pommern saß er als kleiner Steppke stundenlang auf dem Fensterbrett im zweiten Stock mit Blick auf die Straße: „Ich habe rausgeguckt und gezeichnet, was ich gesehen habe.“

Das Zeichnen ist zwischen Objekten und Malerei sein Metier geblieben, in der Schule in Hannover, wo er nach dem Krieg glücklich aufwuchs: „Ich fühlte mich da von Kunst umgeben.“ Und auch, als er sich im Studium bei dem Bildhauer und Bauhaus-Künstler Kurt Schwerdtfeger an der Pädagogischen Hochschule Alfeld der abstrakten Form zuwandte. An den großen Zeichnungen, die auch mal zwei Meter groß sein können, sitzt er bis zu 100 Stunden.

Der Blick für die Risse im Asphalt

Auch der wache Beobachter ist geblieben. „Wenn ich durch die Stadt gehe, gibt es keine 500 Meter, wo ich nicht auf den Boden gucke und etwas finde – die Risse im Asphalt, eine besondere Unebenheit. Das ist mein Naturstudium.“ Beuys fällt ihm dazu auch ein: „Die Dinge melden sich bei mir, hat er mal über den kreativen Prozess gesagt – und so ist es: Die Kunst stellt sich ein.“

Das Material Metall hat Behl, der auch ein rastloser Sammler ist, fasziniert, und die Lichtererscheinungen, die auf fast allen seinen Bildern tanzen: „Mich interessiert der Übergang vom Dunklen ins Helle, ins Nichts. Und mit dem Bleistift kann man tolle Grauflächen herstellen.“

Steckbrief: Ulrich Behl

1939 geboren in Choszczno (Arnswalde), Westpommern

Studium an der Pädagogischen Hochschule Alfeld bei dem Bildhauer Kurt Schwerdtfeger und an der Werkkunstschule Hannover bei Raimund Girke

Seit 1971 lebt und arbeitet Ulrich Behl in Kiel, war Dozent der hiesigen PH und leitete mehr als 20 Jahre lang den Fachbereich Literatur, Kunst und Gestaltung der Kieler Kunsthochschule

1987 Das 27-teilige Schwimmobjekt auf dem Kleinen Kiel gehört zu Bild der Innenstand. Weitere Kunstwerke im Ööffentlichen Raum wie das Foyer in der Mercatorstraße 9 in der Wik folgten.

1997 Ehrengast der Villa Massimo in Rom

2008 Landesschaupreisträger des BBK SH

2016 Kulturpreisträger der Landeshauptstadt Kiel

Licht und Struktur sind der rote Faden durch sein Werk und gut 50 Jahre künstlerisches Schaffen. „Abläufe, Rhythmen, Vibrationen“, Modulare Ordnungen“, „Strukturen, Zufall, Konzept“ heißen die Ausstellungen. Und was zunächst widersprüchlich erscheint, findet zusammen, etwa, wenn der ehemalige Tischtennis-Bezirksmeister die bemalten Bälle gegen eine Wand schmettert, so, dass sich ein Muster ergibt. „Ich wollte zeigen, dass auch der Zufall seine Ordnung hat.“

Mit Kiel hat er zunächst gefremdelt

Das Lehren hat ihn in der Kunst nie behindert, sagt er. „Es entstand immer irgendwas“, sagt er, „ich war total produktiv, ohne Stress.“ Da gab es schon die Familie in Kiel und die Lehrtätigkeit an der PH, später als Leiter des Fachbereichs Kunst an der Volkshochschule Kiel. Gucken, machen, lehren – alles floss ineinander. Dabei hat Behl mit Kiel zunächst gefremdelt; ihm fehlte das Klima für die Kunst. Heute allerdings fiebert der Fußballfreund im Stadion eher mit Holstein Kiel als mit Hannover 96 mit.

Auch gegen die schwere Krankheit, die ihn seit einigen Jahren begleitet, setzt der Künstler Produktivität. „Ich mache einfach weiter“, sagt er, „aber ich habe mehr Wünsche und Ideen als ich realisiert habe.“ Gesammelt in Tagebüchern. Im Moment ist er dabei, seinen Nachlass zu ordnen, 250 Stücke sind da bereits inventarisiert.  „Ich bin nicht annähernd radikal genug gewesen“, kommt plötzlich ein Satz, den er nicht weiterspinnt. Aber der Rastlose hat noch einiges auf dem Zettel: Mit Löchern und Spalten und dem Licht hat er noch etwas vor.

Wer schafft es dieses Jahr, den Wiesn-Hit zu landen? 2019 steht eine ganze Reihe an Songs bereit, das Oktoberfest in München zu erobern.

21.09.2019

Für Malaysia ist Jennifer Lopez offenbar zu obszön. Das südostasiatische Land hat nun zumindest ihren Film „Hustlers“ verboten. Die dargestellten Stripszenen seien für ein öffentliches Publikum nicht geeignet.

21.09.2019

Schauspieler, Comicheld Deadpool und bald auch Musicalstar? Ryan Reynolds will offenbar seine Gesangskarriere vorantreiben – mit einem Auftritt im Musicalfilm „Christmas Carol“.

21.09.2019