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Kultur Ulrike Draesners Blick auf Extreme
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21:12 10.03.2020
Von Kai U. Jürgens
Autorin Ulrike Draesner lotet die Tiefe des Ärmelkanals ebenso aus wie die Unwägbarkeiten der menschlichen Psyche. Quelle: Dominik Butzmann
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Kiel

Im Literaturhaus Schleswig-Holstein hat die Autorin ihr faszinierendes Buch vorgestellt, das die Tiefe des Ärmelkanals ebenso auslotet wie die Unwägbarkeiten der menschlichen Psyche.

Ein riskantes Unterfangen

Eigentlich ist der Biochemiker Charles mit seinen 62 Jahren ein nüchterner und abgeklärter Wissenschaftler, dem seine Forschung über alles geht. Doch als er von seiner Frau erklärt bekommt, „dass noch ein weiterer Mann in ihrem Haushalt leben wird“, sieht er dies als Herausforderung an und beschließt, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Ein riskantes Unterfangen – nicht nur wegen der unberechenbaren Strömung, der Kälte und den kreuzenden Schiffen, sondern auch wegen der angemieteten Begleitmannschaft, auf die sich Charles in jeder Hinsicht verlassen muss: Im Zweifelsfall entscheidet nämlich deren Kapitän, ob der Schwimmer aus dem Wasser gezogen wird oder nicht. Das kann auch noch wenige Meter vor der französischen Küste passieren. Doch Charles lässt sich nicht von seinem Vorhaben abbringen.

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"Ein nach Luft schnappender Kopf“

„Eigentlich habe ich mir ein undankbares Thema ausgesucht“, erklärte die unlängst mit dem Preis der LiteraTour Nord ausgezeichnete Autorin (58): „Ein Mann, der während seiner Tour keine Gesprächspartner hat und zudem nichts anderes macht, als zu schwimmen.“ Anders als in „klassischen Seefahrerromanen“, die sie in ihrer Jugend geschätzt habe, gebe es in "Kanalschwimmer" kein Schiff, keinen Wal und auch keine äußere Entdeckung, die die Handlung voranbringen würde. Stattdessen „muss der Mann allein in das weibliche Element hinein“ und in erster Linie „vor sich selber“ bestehen – kaum mehr als „ein nach Luft schnappender Kopf“.

Extreme Lage, existenzielle Fragen

Im Ärmelkanal ist Draesner „nur bis zu den Knien“ gewesen, als sie Recherchen vor Ort angestellt hat: „Die Sportart des Kanalschwimmens musste ich mir nicht ausdenken, die gibt es wirklich. Das hat auch den Vorteil, dass man über etwas schreiben kann, was man selber nicht erleben möchte.“ Die Handlung an sich war weniger wichtig: „Es ging mir um die extreme Situation, in die ich Charles bringen wollte.“ Beim Schwimmen würden sich existenzielle Fragen stellen: „Wieviel Kontrolle habe ich noch über mein Leben? Was sind meine wirklichen Ziele?“ Letztlich sei es der Geist, der dies entscheide, und zwar bis zum Schluss. Denn: „Die letzte Meile ist die schwerste Meile.“

Ulrike Draesner: Kanalschwimmer. Mare, 174 Seiten, 20 Euro

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