Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Schätze aus dem Magazin
Nachrichten Kultur Schätze aus dem Magazin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 15.10.2019
Von Ruth Bender
Schätze und Plakate: Klara Erdei in der Ausstellung "Image not available". Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Zum Schluss hat sie noch einmal ihre Lieblingstücke aus dem Magazin geholt: Die voluminöse Marienklage, die der Propst des Augustiner-Chorherren-Stifts, Johannes Reborch (1433-1513), in den Jahren 1475/76 verfasste. Oder die Predigtensammlung des Bordesholmer Chorherrn Johannes Nese, der seine Schriften stets mit einer Teufelsgabel und zwei Dudelsäcken kennzeichnete. „Das ist sein Markenzeichen“, sagt Klara Erdei, in der Kieler Universitätsbibliothek Fachreferentin für Ausstellungen, „und sie verweisen beide auf den Teufel. Das so zu zeigen, war im 15. Jahrhundert schon sehr besonders.“ Auch eine Abhandlung (1489) des Hexentheoretikers Ulrich Molitor hat es Klara Erdei angetan: „Er hat scholastisch ,nachgewiesen’, dass das Hexentum rein weiblich sei ...“ So eröffnen sich die Geschichten hinter den Büchern.

Geschichte lebendig machen

85 Ausstellungen hat Klara Erdei seit dem Umzug von der Olshausenstraße in die Leibnizstraße 2001 organisiert. Sie war oft Gastgeberin, etwa für die Kollegen aus dem Botanischen Garten oder das Kieler Kulturamt. Und sie hat die Institution, die regionale Kulturgeschichte oder Schriftsteller aus dem Land in den Blick gerückt. Eine Geschichte der Segelschifffahrt (2013) wurde über die Bücher ebenso lebendig wie die Reise des Mathematikers in dänischen Diensten, Carsten Niebuhr, nach Arabien oder die Ausstrahlung, die die Marine in den Alltag hatte, nicht nur in Kiel.

Davon erzählte im Januar die hochpopuläre, von Birthe Gaethke kuratierte Ausstellung Matrosenliebchen. Die maritim geprägten Hamburger Schriftsteller Gorch Fock und Hans Leip kamen ebenso in den Fokus wie der malende und schreibende Feridun Zaimoglu. Und mit Künstlerbüchern aus der Witzworter Druckwerkstatt Quetsche oder der Edition Eichthal des Eckernförder Verlegers Uwe Jeß, von Künstlern wie der Hamburgerin Caroline von Saltzwedel oder der Flensburgerin Elsbeth Arlt hat sie den Bogen zur Kunst geschlagen.

Prachtstücke aus der Klosterbibliothek Bordesholm

Mit einer Auswahl von Handschriften und Drucken aus der Bordesholmer Klosterbibliothek, Grundstock der 1665 gegründeten Universitätsbibliothek, ging es 2001 los. So gesehen schließt sich der Kreis, wenn die Prachtstücke aus Bordesholm jetzt wieder in den Vitrinen liegen. „Wir haben hier fünf Millionen Bücher. Das ist nur eine Zahl; aber wenn wir uns ein Thema stellen und dazu die Bücher aussuchen, dann ist das wie ein Lot, dass wir in die Abstraktheit unseres Katalogs werfen“, so Klara Erdei. „Und es hat uns immer wieder überrascht, was hier für Schätze lagern.“

Briefe von Heine und Heidegger

Ein Spaziergang durch die Kunst des Buchdrucks und der Schrift hat sich so unter dem Titel Image not available ergeben. Das Motto ist ein kleiner Seitenhieb auf die digitale Welt, die auch ihre Lücken hat. Der älteste Druck ist ein lateinisches Wörterbuch aus der Gutenberg-Werkstatt. Es gibt Briefe von Heinrich Heine, Franz Liszt und Martin Heidegger, der dem Kieler Goethe-Forscher Erich Trunz schrieb. Eine schön gestaltete Erstausgabe von Theodor Storms Schimmelreiter (1888) ist ebenso zu bestaunen, wie die knallbunten Illustrationen, mit denen eines der sogenannten „Schembart“-Bücher den Karneval feiert. Und ein unscheinbar in Leder gebundenes Büchlein aus dem 14. Jahrhundert enthält die Lebensbeschreibung des ersten Herzogs von Schleswig, Knud Laward, die Dänemarks Königin Margrethe zum 70. Geburtstag in einer Faksimile-Ausgabe überreicht wurde.

Auch ein paar der Künstlerbücher hat sie ausgewählt, darunter zu dem russischen Dada-Autor Daniil Charms von Vladimir Sitnikov. Der Kieler Künstler hat auch, ehrenamtlich, den Großteil der Ausstellungsplakate gestaltet, von denen etliche zu sehen sind. Dass die Anschauung wichtig bleibt, zeigt die Resonanz: Für „Image not available“ gibt es bereits etliche Schulanmeldungen.

Universitätsbibliothek, Leibnizstraße 9. Eröffnung Mittwoch, 16. Oktober, 19 Uhr. Bis 31. Dezember. Mo-Fr 9-22 Uhr, Sbd, 9-20 Uhr, So 10-18 Uhr. www.ub.uni-kiel.de

Mit dem Song „Blurred Lines“ standen Pharrell Williams und Robin Thicke 2013 an der Spitze der Charts. Heute distanziert sich Williams von seinem eigenen Song. Der Grund: Der sexistische Songtext.

15.10.2019
Kultur Frankfurter Buchmesse - Kampf um den Titel

Man sollte ein Buch nicht nach dem Äußeren bewerten? Vielleicht ja doch. Mit einem besonderen Einband versuchen Verlage, das Interesse der Leser zu wecken. Schlichte Cover und große Schriftzüge sind gerade besonders beliebt. Das kann man jetzt auch auf der Frankfurter Buchmesse erkennen.

15.10.2019

Diversität ist ein großes Thema. Doch wie steht es mit Kinder- und Jugendbüchern? Können Figuren wie Kästners Emil und Lindgrens Pippi Langstrumpf angesichts moderner Rollenfragen noch bestehen? Fragen an eine Expertin.

15.10.2019