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Kultur "Lili Marleens" langer Schatten
Nachrichten Kultur "Lili Marleens" langer Schatten
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07:09 23.07.2019
Von Ruth Bender
Kurator Rüdiger Schütt und Klara Erdei (Uni-Bibliothek) widmen sich Hans Leip (hinten re.) und seinem Werk. Quelle: Björn Schaller
Kiel

„Er war eigentlich ein Universalkünstler“, sagt Kurator Rüdiger Schütt, der über Leip promoviert, und eine Biografie vorgelegt hat. „Die Idee vom Gesamtkunstwerk war ihm wichtig.“

Man sieht es an den Buchcovern, die Leip für seine Romane und Erzählungen am liebsten selbst entwarf, den mit schnellem, flüchtigen Strich hingeworfenen Stimmungen aus dem Hamburger Hafenmilieu, die seine Bücher illustrieren. Den Roman Der Pfuhl (1923), der sich als Hamburger Schlüsselroman lesen lies und die Stadt als Sündenpfuhl zeichnete, etwa ziert ein grell konstruktivistisches Cover.

Ein Atelier mit Alsterblick

„Aber er hat sich auch ausgelebt in den Künstlerfesten, die er in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg mitorganisierte“, sagt Schütt. Fotos, die Leip mit Künstlerkollegen aus der Hamburger Secession, mit Schauspielern und Tänzern oder seiner Freundin, der Puppenspielerin Cläre Popp, zeigen, erzählen davon ebenso wie die Plakate und Flyer, die er dafür entwarf. „Das war eine Art Hamburger Subkultur, in der sich Leip bewegte und die er befeuerte.“ Unterstützt von dem Juwelier und Mäzen Carl Wilkens, der dem Künstler in seinem Haus am Neuen Wall ein Atelier mit schönstem Alsterblick zur Verfügung stellte. Auch Gustaf Gründgens und Klaus Mann waren dort Gäste.

Berühmt wurde "Lili Marleen" erst mit Lale Andersen

Das Zeitkolorit und die lokal maritime Verwurzelung des Vielschreibers ist immer noch lesenswert. Die Tom-Sawyer-Geschichte vom jungen Jan Himp (1934), der Piratenroman Godekes Knecht (1925) oder die kleine Segelanweisung für eine Freundin. Lili Marleen übrigens hat Hans Leip schon viel früher geschrieben. „1915“, erklärt Rüdiger Schütt, „so will es die Legende.“ Der 22-Jährige kurierte damals als Frontheimkehrer in Hamburg im Lazarett eine Verwundung aus. Der Ruhm kam später; mit Lale Andersen, die den Song in der Vertonung von Norbert Schultze 1939 einspielte. Und mit dem Soldatensender Belgrad, der das Lied 1941 allabendlich zum Zapfenstreich sendete. Was den Song zum "Nazi-Lied" machte.

Auch davon gibt die Ausstellung einen Eindruck: von den langen Schatten des Liedes, das auch Marlene Dietrich sang, natürlich in amerikanischer Uniform unter anderen Vorzeichen. Rainer Werner Fassbinder hat das Widersprüchliche zum Film gemacht. „Den übrigens“, so Schütt, „schätzte Leip gar nicht.“

Der Nachkrieg in der Schweiz

Als eskapistisch bis angepasst beschreibt Schütt die Haltung des Schriftstellers zum Nationalsozialismus. Leip schrieb damals auch für die Ufa Drehbücher wie etwa zu Gasparone. Und manchen erschien Leip nach Kriegsende so fragwürdig, dass der Kollege Hanns Henny Jahn ihn bei der Pen-Gründung nicht dabei haben mochte. Leip, für den seine Stadt so sehr der Stoff seiner Geschichten war, trieb es fort – in die Schweiz. Auch darüber hat der Umtriebige 1979 in seiner Autobiografie Das Tanzrad geschrieben.

Universitätsbibliothek Kiel. Bis 28. September. www.ub.uni-kiel.de

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