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Kultur Wie die Strache-Affäre den Vengaboys ein unverhofftes Comeback bescherte
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10:45 08.06.2019
Protest mit Playback: 6000 feierten am Himmelfahrtstag in Wien mit den Vengaboys, die ihren Hit „We’re going to Ibiza!“ auf der Donnerstagsdemonstration gegen Hass und Rechtspopulismus. Quelle: Thomas Kronsteiner/Getty
Hannover

Als an Christi Himmelfahrt mal wieder Tausende durch die Straßen von Wien zogen, um gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und die FPÖ zu demonstrieren, war die Stimmung irgendwie gelöster als sonst. Die erste Donnerstagsdemonstration nach dem Sturz der Regierung Kurz glich einer modernen Loveparade. Nur der Soundtrack dazu schien irgendwie von gestern.

Denn dank Strache und Co. sind die Vengaboys wieder da und mit ihnen ihr Eurodance-Hit aus dem Jahr 1999 „We’re Going to Ibiza!“. Der Song ist plötzlich überall. Auf dem Twitter-Account von Jan Böhmermann, der dafür bekannt ist, immer einer der Ersten zu sein, der Trends erkennt und setzt.

In den iTunes-Charts, wo der Partysong nach der Veröffentlichung der Ibizagate-Videos durch „Spiegel“ und „Süddeutsche“ Platz eins stürmte – und eben auf dem Wiener Ballhofplatz, wo seit dem Jahr 2000 Menschen gegen das rechtskonservative Regierungsbündnis aus ÖVP und FPÖ auf die Straße gehen.

Die erste Donnerstagsdemonstration nach dem Sturz der Regierung Kurz glich einer modernen Loveparade. Quelle: Thomas Kronsteiner/Getty

Vom Party- zum Protestsong. Das Revival der Vengaboys ist auch ein Statement gegen Rechte in Europa, gegen Homophobie, Antisemitismus und Hass. Selten wurden auf dem Wiener Ballhofplatz so viele Regenbogenfahnen geschwungen wie an Christi Himmelfahrt – „Wow, We Are gonna have a Party!“

Das alles passt ganz gut zu den Vengaboys, die bis heute eine der erfolgreichsten niederländischen Pop- und Partybands sind und wie keine andere vom derzeitigen Eurodance-Revival profitieren können. Aqua („Barbie Girl“), Mr. President („Coco Jambo“) und all die anderen, die in den Neunzigerjahren Erfolge mit 150 Beats per Mi­nute feierten, sind Vergangenheit. Gerade noch der Schweizer DJ Bobo („There Is a Party“) veröffentlicht wacker weiter Alben.

Die Vengaboys dagegen sind immer noch da. Zwei Männer und zwei Frauen in bunten Kostümen, die zur Musik des niederländischen DJ-Duos Danski (Dennis van den Driesschen) und Delmundo (Wessel van Diepen) performen – und seit ihrer Gründung 1996 mehr als 20 Millionen Tonträger verkauften.

Beats und möglichst einfache Texte

Die Geschichte der Vengaboys beginnt Mitte der Neunzigerjahre. Van den Driesschen, eigentlich Broker an der Amsterdamer Börse, und Wessel van Diepen, prominenter Radiomoderator, beschließen, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen.

Die Idee war van Diepen gekommen, als er kurz zuvor mit dem Schulbus durch Spanien gereist war, um illegale Strandpartys zu veranstalten. Die Partys endeten regelmäßig damit, dass die Guardia Civil einschreiten musste.

Van den Driesschen dagegen ist eher das technische Genie, das die Beats in Songs mit möglichst einfachen Texten à la „Boom, Boom, Boom, Boom!! I want you in my room“ umsetzt. Ohrwürmer eben. Beide wollen die Popmusikszene aufmischen. Ein Plan, der aufgeht.

Die Mitglieder sollten jederzeit austauschbar sein

Doch zunächst wird eine Sängerin gesucht. Es meldet sich eine Spanierin, die zwar stimmlich durchfällt, aber beim Vorsingen einen „Venga, Venga“-Song singt. Der Name „Vengaboys“ ist geboren. Mit Kim Sasabone, Denise van Rijswijk, Roy den Burger und Robin Pors und dem Hit „Up & Down“ feiert das zusammengecastete Quartett 1998 den ersten internationalen Erfolg.

Die Vengaboys treten von nun an als eine Art Neuerfindung der Village People auf. Kim ist die sexy Frontfrau, Roy sowie sein späterer Nachfolger Donny Latupeirissa der Cowboy. Denise mimt die Barbie, und Robins Bühnenoutfit ist das des Matrosen. Van Diepen übernimmt die Vermarktung. Er will die Band als südamerikanische Gruppe positionieren, denn der Sound Lateinamerikas von Reggae bis Soul ist gerade in.

Deshalb wird das Gerücht gestreut, Sängerin Kim käme aus Brasilien und „Ma­trose“ Robin aus Venezuela. Kim wird zeitweise sogar verboten, in der Öffentlichkeit Englisch zu sprechen. Zudem darf Robin seinen Nachnamen nicht nennen, denn der klingt alles andere als nach Südamerika.

Zwei Männer, zwei Frauen in bunten Kostümen: Die Vengaboys aus den Niederlanden sind wieder zurück im Showbusiness. Quelle: Eastnews/Imago Images

Van Diepen ist es wichtig, dass die Mitglieder der Vengaboys jederzeit austauschbar sind und man im Fall der Fälle nur einen Tänzer casten muss, der ins Cowboy-Outfit passt. Die Mitglieder der Vengaboys bleiben also weitgehend anonym. Der Vengaboys-Sound dagegen ist erkennbar – und natürlich niemals live. Die vier können tanzen und sehen gut aus. Den Rest regelt mit Erfolg das Vollplayback.

In Indien, in Kanada, von Aus­tralien bis Chile stürmen sie die Hitlisten. Von der Single „Boom, Boom, Boom, Boom!!“ werden zwei Millionen Stück verkauft. Die Nummer wird zum Nummer-eins-Hit in den britischen Charts und die Vengaboys zur Kultband der Eurodance-Ära.

Nun feiern sie ein grandioses Comeback – dank Heinz-Christian Strache und seines Ibiza-Abenteuers, das die österreichische Regierungskoalition zu Fall brachte. „Boom, Boom, Boom, Boom!!‘‘

Von Nora Lysk und Helmut Hetzel/RND

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