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Kultur Eifersuchtsdrama, in Gold gefasst
Nachrichten Kultur Eifersuchtsdrama, in Gold gefasst
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13:32 25.08.2019
Stimmungsvolle Szenen auf der Bühne vor dem Kieler Opernhaus: Ramfis (Thorsten Grümbel) | Statisterie Quelle: Olaf Struck
Kiel

Egal, ob sich da zwei ethnisch spinnefeinde Königstöchter wie die Raubkatzen bis aufs Blut um ihren Wunschteddy balgen oder Vater Ölstaat mit viel Goldgeprotze und postreligiösem Ritualgetue seine imperialistischen Ambitionen verbrämt: hier herrscht Krieg, drinnen wie draußen. Und man schließt prompt nicht aus, dass Hubschrauber-Überflug und Sirenen-Geheul mitinszeniert sein könnten.

Bühne wirkt zunehmend stimmungsvoll

Das pyramidale Glasportal, an dem während des orchestralen Vorspiels noch die Fensterputzer baumeln, wirkt im neureichen Sandstaat bei Tageslicht betrachtet noch kaltherzig hingeklotzt, eingegossen in Beton und viel militaristisches Muskelspiel. Aber Lars Peters Bühnenbild entwickelt sich, wenn die Sonne versinkt, immer stimmungsvoller.

Kostümfest mit tollen Roben und Farben

Das moderne Märchen am Nilufer wird dann vor allem von Claudia Spielmanns Kostümen in Tausend-und-zwei-Nächte-Atmosphäre getaucht: Zwischen den uniformierten Kriegern zaubert sie mit historisierendem Pomp, maskierten Priestern in wehendem Weiß, stilisierten ägyptischen Fabelwesen, mit edlen Roben, viel Gold und starken orientalischen Farbakzenten.

Mit Krallen: Melis' Amneris

Eine optimale Kulisse, um die Eifersucht tödlich aufglühen zu sehen. Denn selbst wenn noch so viel Augenfutter im Bild drapiert steht, das Ballett akrobatisch wirbelt, der Triumphmarsch mit Sponsoren-Karosse und Cheerleader-Girls glitzert, gilt Karaseks leicht ironisierende Regie doch ganz dem Showdown von Verdis Frauenfiguren. Cristina Melis gibt eine herrlich herbe Amneris, die in Stimme und Gehabe die Verstellung übt und die Mezzosopran-Krallen ausfährt. Nicht mal den einsamen Liebestod, eingemauert im Betonmausoleum, gönnt sie ihrer Rivalin allein, sondern legt prompt Hand an ihr eigenes Leben.  

Überragend besetzte Titelpartie: Dzhioevas Aida

Man(n) muss sich entscheiden. Und das fällt leicht. Denn Verdi stattet die Titelpartie mit verführerischer Gesangskunst aus. Allerdings muss man das dann auch so frei und vielfarbig, so mutig singen und verkörpern können wie Veronika Dzhioeva, die ihren in gleißender Höhe (Nil-Arie!) wie bestürzter Tiefe gleichermaßen betörenden Sopran auf allerhöchstem Niveau führt.

Radames mit Belcanto-Qualität

Auch der aalglatte Vorzeigefeldherr Radames, szenisch etwas statisches Zielobjekt der weiblichen Leidenschaften, bringt solche hervorragenden Belcanto-Fähigkeiten mit. Den maximal heiklen Arien-Einstieg „Celeste Aida …“ oder die finalen Minuten hört man kaum einmal so partiturgetreu im bis zu vierfachen Pianissimo „dolcissimo“ wie hier.

Feinsinn der Kieler Philharmoniker unter GMD Reiners

Solchen Feinsinn bringen auch die Kieler Philharmoniker mit – nicht zuletzt in schönen Soli (Oboe!). Gut elektroakustisch abgebildet, wenn auch manchmal fast zu dezent hinzugepegelt, bieten sie unter der Leitung von Benjamin Reiners ein unablässiges Fließen von Melodie und Energie. Aus dem separierten Zelt heraus, aber ganz ohne Wackelkontakte mit Solisten und dem von Lam Tran Dinh souverän einstudierten Chor gelingt dem neuen GMD so ein Verdi-Einstand par excellence.

Gutes Niveau der Nebenpartien

Bei den mittleren Partien fällt (neben der Tempelsängerin Elisabeth Raßbach-Külz, dem König Matteo Maria Ferretti und dem Boten Fred Hoffman) vor allem Thorsten Grümbels seriöser Bass als Oberpriester Ramfis sehr positiv ins Gewicht. Und Aidas königlich-äthiopischer Vater Amonasro ist mit Stefano Meo allemal eindrucksvoll besetzt, auch wenn sein bedrohlich düster strömender Bariton ein bisschen mit staubiger Höhe zu kämpfen hat – das kann schon mal so sein als Gefangener in wüster Nation.

Die Aufführungen auf dem Rathausplatz Kiel

Aufführungstermine täglich (außer 26. August) bis einschließlich 1. September jeweils 20 Uhr, Rathausplatz Kiel. Tickets: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

Mehr zur Kieler Sommeroper finden Sie auf unserer Themenseite.

Von Christian Strehk

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