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Kultur Matthias Stührwoldt auf der KN-Bühne
Nachrichten Kultur Matthias Stührwoldt auf der KN-Bühne
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20:39 23.05.2020
Von Ruth Bender
Gewiefter Erzähler: Matthias Stührwoldt im Einsatz auf der KN-Bühne. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

So taucht Stührwoldt auf der KN-Bühne direkt ein in die Geschichten vom Hof, ein gewiefter Erzähler, der auch ohne Zuschauer zur Hochform aufläuft. Von Zuckerbrot und tonnenschweren Federbetten erzählt er - und staunt noch immer über „Vadders“ vorgeblichen Dilettantismus in der Küche: „An den Herd ging er bloß im Winter, für einen Grog. Weil er Angst hatte, dass bei Mudder das Mischungsverhältnis nicht stimmt.“ Oder die Goldene Hochzeit 2012, in deren Vorfeld die Eltern der Pastorin über den Ehepartner Auskunft geben sollten. Was sie holsteinisch wortkarg und mit eingeimpftem Pragmatismus taten. Aber das muss jeder selber hören.

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Zwischen Kopf- und Landarbeit

Der Bio-Milchbauer und Autor (Hör mal'n beten to) spinnt seine Geschichten direkt aus dem Stand, lässt sie frei fließen, nimmt Ab- und Umwege; und manchmal setzt er sie auch pantomimisch in Szene. Da kriegt der geneigte Zuhörer nicht nur ein Gefühl für die sparsame „Bauernromantik“ oder Vaters Unbehagen auf der Kur am täglichen Buffet („Mit’m Teller rumlöpen un aussuchen, was man mach – nee“); da entwickelt auch die heikle Situation mit dem Deckbullen im Kuhstall in Zeitlupe rasante Dramatik.

„Ich mag die Polarität von körperlicher und Kopfarbeit“, sagt Stührwoldt, „nur eins davon zu machen, kann ich mir nicht vorstellen. Und wenn ich auf dem Trecker sitze oder überhaupt so Routinearbeiten mache, dann kommt auch die Inspiration.“ Seit 1993 schreibt er, die erste Veröffentlichung hatte er 1994 zu Weihnachten in den Kieler Nachrichten. „Op Platt" ist dabei sein natürliches Idiom, stilsicher und mit Gespür für Pointen und Timing: "Oft merke ich erst beim Erzählen, was zuviel ist und was fehlt. Die Geschichte, die gerade erzählt hab, hat mal mit zweieinhalb Minuten angefangen." Jetzt liegt er bei zwölf.

So können Sie spenden

Die KN-Bühne lädt täglich außer montags um jeweils 20 Uhr zur Vorstellung auf kn-online.de. Damit bietet sie den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise besonders hart getroffenen freien Künstlern eine Plattform. Spenden gehen auf das Konto von „KN hilft e.V.“ bei der Fördesparkasse (DE 05 2105 0170 1400 2620 00). Die Summe wird wöchentlich unter den beteiligten Künstlern aufgeteilt). 

Ein Auftritt im Januar ist noch als Hörbuch entstanden (Romantik und wat dorbi rütkümmt), im März brach dann mit Corona alles weg. Erst hat ihn das Virus selbst erwischt, nach einer Gemeindevertretersitzung lag er zwölf Tage flach: "Ich hab nur gelegen und geschlafen. Sowas kannte ich gar nicht." Schlimmer war der Nachhall. Zwei Freunde starben. „Das ist hart“, sagt er, und man merkt, dass er damit noch nicht fertig ist. Aber auch die Auftritte fehlen ihm. Wegen der Leute, und auch weil das Schreiben mittlerweile mehr einbringt als der Hof.

Den anderen beim Erinnern zuhören

So entfaltet sich in den kleinen Dramen des Dorf- und Landkosmos, die Matthias Stührwoldt ausbreitet, oftmals die ganze Welt. Norddeutsch lakonisch und präzise beobachtet. „Ich höre auch gern anderen beim Erinnern zu“, bekennt er, „das ist wie abends in der Stube sitzen und sich die alten Geschichten erzählen. So ein archaischer Zeitvertreib.“

Dass er nach der KN-Bühne gleich noch einen zweiten Auftritt hat, ist ein beglückendes Stückchen Normalität. Gleich geht es weiter nach Strande zu einem 90. Geburtstag. Der ist nach den Lockerungen im kleinen Kreis wieder möglich. Und vielleicht erzählt Stührwoldt da ja die Geschichte von der Kur weiter, und wie es Vater dann doch noch gefiel: „Da waren nämlich noch vier Landwirte in der Klinik. Und wenn fünf Bauern aus Schleswig-Holstein an einem Tisch sitzen, dann hat das seine eigene Dynamik.“  

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