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Kultur Metall, luftig und wuchtig
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15:00 17.05.2019
Von Sabine Tholund
Flora Metallica: Inga Momsen ordnete in Bissee ihre bunten Solarleuchten nach dem Periodensystem. Quelle: Marco Ehrhardt
Bissee

In diesem Jahr hat die große Freiluftschau nach längerer Pause wieder ein Thema, erdacht von Markus Sander vom Verein Skulpturen in Bissee. „Metall“ heißt es und das erklärt auch die Anwesenheit des Bullenschädels. „Wer im Norden von Metall spricht, denkt immer auch an Wacken“, so die Vereinsvorsitzende Karin Russ. Das tonnenschwere Ungetüm ist aber nur eines von insgesamt 30 Exponaten, geschaffen von 19 Künstlerinnen und Künstlern, die das Thema in großer Bandbreite reflektieren. Wer vor allem massive, schwere, kantige Arbeiten erwartet, wird von der formalen und inhaltlichen Vielfalt der Schau genauso überrascht sein wie die Ausstellungsmacher: „Wir haben filigrane Klangobjekte und Windspiele, Tiere, Blumen und Figuren“, so Russ. „Und viele transportieren eine große Leichtigkeit.“

Poetische und grazile Metallarbeiten

Wie Recht sie hat. Da gibt es Poetisches wie die Flora Metallica von Inga Momsen, die handbemalte Solarleuchten nach dem Vorbild des Periodensystems zu einer Blume arrangiert hat. In einem Baum schaukeln Nester aus Stahlwolle im Wind, melancholisch blickt eine grazile Frauengestalt „Nach dem Bade“ auf das Rinnsal der Eider. Die Kunstwerke scheinen wie gemacht für den jeweiligen Ort, ausgesucht vom Bildhauer und künstlerischen Leiter Jan-Olav Hinz in Zusammenarbeit mit Egon Blitza.

Giraffen begrüßen in Bissee

Wer sich dem Dorf aus Richtung Schönhorst nähert, wird von zwei lebensgroßen Giraffen begrüßt, deren luftig gewebten Leiber aus Edelstahl in der Sonne schimmern. Unity nennt der russische Künstler Glebos Tkachenko das Paar, das trotz des kühlen, starren Werkstoffs ungemein lebensecht und dynamisch wirkt.

Ein Gefühl von Leichtigkeit suggeriert auch Martin Stuckarts hoch aufragende Windharfe am Ortseingang, ein Klangkunstwerk, mit dem der Bildhauer aus Bordesholm „zur Entschleunigung und zum Verweilen“ einlädt. Der Heikendorfer Peter Bergmann hat für Bissee drei zarte Skulpturen aus Edelstahl geschaffen, darunter das Ballett der Chimären, in dem sich Mensch- und Tierfiguren an langen Stelen im Winde drehen und zu einem Wesen zu verschmelzen scheinen.

Jörg Plickat ist hier von Anfang an vertreten

Vergleichsweise massiv kommt die kopflose Dame aus Bronze von der Kielerin Monika Maria Dotzer daher, ebenso wie der wuchtige Kubus aus Cortenstahl von Jörg Plickat, der die Schau seit ihren Anfängen auch mit seinen künstlerischen Kontakten unterstützt. Ebenfalls aus Cortenstahl ist die kritische Arbeit von Friedemann Baader, der unter dem Titel „Das was war und das, was kommt“ auf grüner Wiese vielsagend ein Haus versinken lässt.

Ein Guckloch in der Hecke für den freien Blick zur Kunst

Ein klares Statement zur Kieler Kulturgeschichte liefert Kurt Lange mit Stahl spricht viele Sprachen, eine gewichtige Installation aus neun Eisenobjekten, die einst Teil der Holtenauer Hochbrücke waren. Eindrucksvoll in Szene gesetzt, beherrschen sie den Vorplatz vom Hof Reese – ein Rangieren mit großen Fahrzeugen wird hier zum Kunststück ganz anderer Art. Doch die Bisseer lieben „ihre“ Skulpturenausstellung. So fand der Freiburger Clemens Hunger große Unterstützung, als er die Bauern um eiserne Gerätschaften für sein bewegte Kulturinsel bat. Und um den Durchblick auf Arne Prohns kantigen Stier zu garantieren, durften die Ausstellungsmacher in die korrekt gestutzte Hecke eines Vorgartens ein Guckloch schneiden. So etwas geht wohl nur in Bissee.

Eröffnung morgen (Sa.), 16 Uhr (Hof Reese). 17.30 Uhr kostenlose Führung. Bis 27. Oktober. www.skulptur-in-bissee.de

Markus Sanders Denkanstoß

Metall“ lautet das Motto der diesjährige Skulpturenschau, ausgerufen von Markus Sander vom Verein Skulpturen in Bissee. Mit dem ausrangierten Bullenschädel aus Wacken, seit 1997 Wahrzeichen des Heavy-Metal-Festivals und 2013 durch ein größeres Exemplar ersetzt, hat er ein ungewöhnliches Objekt in die Ausstellung geholt: „Abgewrackt und rostig wie er ist, kann der Wacken-Schädel in seiner morbiden Ausstrahlung ein Denkanstoß sein. Um ihn aufzuhängen, ist er zu groß, deshalb zeigen wir ihn halb liegend an einer Scheunenwand.“ Das gewichtige Objekt steht laut Sander (auch) stellvertretend für die Frage, wieviel öffentliche Aufmerksamkeit ein kleines Dorf verträgt: „Ist Wacken nicht auch schon zu groß geworden?“ Auch Bissee gerate in den Augen mancher Bewohner in Besucher-Stoßzeiten an seine Grenzen. „Aber Bissee ist nicht Legoland.“ Und soll es auch nicht werden.

Exponate des Skulpturensommers 2019 in Bissee
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