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Kultur Kiels Poppea: "Ich liebe das Drama!"
Nachrichten Kultur Kiels Poppea: "Ich liebe das Drama!"
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15:59 08.06.2019
Von Christian Strehk
Neu im Kieler Opernensemble: Die norwegische Sopranistin Viğdis Bergitte Unsgård. Quelle: Belcanto Global Arts
Kiel

Schon als kleines Mädchen erklärte Viğdis Bergitte Unsgård Teilnehmern eines Reitturniers auf dem elterlichen Bauernhof feierlich, dass sie sich entschlossen habe, Sängerin zu werden. Was für eine, war wohl noch nicht ganz klar. Aber zur Irritation ihrer älteren Schwestern nutzte sie auch gerne mal die Publikumsströme in einem Shoppingcenter im nahen Trondheim für spontane „Auftritte“. Und mit „Ich liebe nun mal das Drama und muss Musik auch spielen dürfen, Emotionen zeigen“, erklärt sie lachend ihren eindeutigen Hang zur Oper.

Eindeutiger Hang zur Oper

Der hatte sich endgültig manifestiert als sie auf der norwegischen Festung Steinvikholm als Statistin (“ich war so ein kleiner Bastard, der anderen die Hüte klaut ...“) und später im Kinderchor an dem traditionellen Open-Air-Musiktheater zur Historie des Erzbischofs Olav Engelbrektson teilnehmen durfte.

Poppea, die Schlange

Wenn die 1988 geborene Sopranistin jetzt mit Begeisterung am Kieler Opernhaus „die Schlange“ Poppea in Claudio Monteverdis letzter Oper gibt, geschieht das doppelt gut geschult. Denn an der Musikakademie in Oslo schloss sie ihr Opernstudium gerade mit dieser Partie ab. Und den wortgezeugten Monteverdi-Gesangsstrom kennt sie auch schon von der Melantho aus Il ritorno d’Ulisse in patria. „Die musikalischen Betonungen liegen früher in den Worten, die mit psychologischer Bedeutung aufgeladen und eben nicht in Arien gestreckt werden. Die Poppea ist eine große Partie, aber so gut und eher tiefliegend geschrieben, dass ich keine Ermüdung der Stimme spüre.“

Poppea als komplexe Persönlichkeit

Die Poppea sei, wie alle Monteverdi-Figuren, eine komplexe Persönlichkeit. Da helfe es ihr als Sängerin sehr, dass in Oslo der Schauspielunterricht eine große Rolle im Studium spielt. „Sie ist ambitioniert, manipulativ, hat eine großes Ego. Sie liebt Nero, aber benutzt ihn auch. Sie hätte es von ihrer Herkunft her nie zur Königin gebracht, wenn sie nicht zugleich ’super smart’ wäre.“

Nero und Poppea: Grausame historische Wahrheit

Im Triumph (Schlussduett: „pur ti miro ...“), das fasziniert Unsgård, schimmert auch etwas Angst mit, das Errungene doch wieder verlieren zu können. „Schließlich wusste auch Monteverdi, wie grausam es historisch weiterging, da der wahnsinnig gewordene Kaiser Nero seine schwangere zweite Frau mit Fußtritten tötete.“

Rossini und Johann Strauß folgen

Seit Ende Dezember lebt Viğdis Unsgård als neues Ensemblemitglied ganz in Kiel. Trotz ihres spürbaren Temperaments will sie ihre Karriere langsam angehen lassen: „Ich möchte viel lernen und besser werden, keine große Bühne betreten, bevor ich dafür nicht wirklich die Voraussetzungen mitbringe.“ Für Kiel probiert sie zunächst die Corinna für die Wiederaufnahme von Rossinis Reise nach Reims und studiert die als fordernd geltende Partie der Rosalinde in der Fledermaus von Strauß ein: „Das ist ein Spaß!“

Lesen Sie auch: Kieler Oper probt Monteverdis Meisterwerk „Die Krönung der Poppea“

 

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