Vor der Premiere: Daniel Carlberg probt Strauß’ „Fledermaus“ in Kiels Oper
Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Der Charme der "Fledermaus"-Partitur
Nachrichten Kultur Der Charme der "Fledermaus"-Partitur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:49 16.01.2020
Von Christian Strehk
Mitsingender Dirigent im Klaiber-Studio des Opernhaus-Kubus: Kapellmeister Daniel Carlberg mit den Philharmonikern.
Mitsingender Dirigent im Klaiber-Studio des Opernhaus-Kubus: Kapellmeister Daniel Carlberg mit den Philharmonikern. Quelle: Marco Ehrhardt
Anzeige
Kiel

„Ich liebe dieses Gedudel in der zweiten Klarinette“, schwärmt Daniel Carlberg und ermuntert prompt den zuständigen Philharmoniker in der Riege der Holzbläser, die auffällig volkstümliche Begleitstimme im Finale des III. Akts von Johann Strauß’ Operette Die Fledermaus ein klein wenig mehr herauszuheben.

Der besondere Charme der "Fledermaus"-Partitur

In solchen Details der Partitur steckt der besondere Charme eines Werkes, über das Liebhaber, Kenner und sogar Komponistenkollegen der Kategorie Brahms oder Mahler seit der Uraufführung im Jahr 1874 im Theater an der Wien rückhaltlos schwärmen. Kiels Stellvertretender Generalmusikdirektor freut sich außerdem, dass das von einem Freund aktuell angepasste Notenmaterial nach der „Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe“ verlässlich den Willen des Tonsetzers wiederspiegelt und nicht mehr vor Fehlern und Traditionsschlampereien strotzt. Erstmals wird bei der Premiere am letzten Sonnabend im Februar also eher die Chance bestehen, „Strauß pur“ zu hören.

Wienern mit dem vorgezogenen Zweiten Schlag im Takt

Selbstverständlich muss ein bisschen „gewienert“ werden: Überall, wo ein Walzer im Dreivierteltakt auftaucht, bittet der Dirigent darum, den zweiten Schlag in jedem Takt eine Spur zu früh zu spielen. So entsteht das charakteristische „Eins-Zwei-und-vielleicht-Drei“, das echte Wiener Musiker im Blut haben, um das man in Berlin, Kiel, New York oder Tokio aber ringen muss – und leider doch nie ganz erreicht.

Theaterorchester mit Instinkt

In der reinen Orchesterprobe im Klaiber-Studio des Opernhauses geht es ansonsten darum, die allemal vorhandenen Instinkte eines typischen Theaterorchesters zu wecken, ständig mit kleinen Tempowechseln zu jonglieren. Denn Strauß’ Partitur interagiert munter mit dem Text der Sänger. „Vor der Fermate jodelt Rosalinde mit ihnen da hoch ...“ oder „der torkelnde Frosch, der in den Fagotti exaltiert gähnt ...“, auch „der Klatscher, den Rosalinde ihrem als Anwalt verkleideten Ehemann verpasst ...“, sind also keine Halluzinationen von Daniel Carlberg am Pult, sondern treffende Spielanweisungen.

Ohrfeige und Augenaufschlag

Deshalb singt er auch häufig Fetzen der Gesangspartien ins orchestrale Gewebe hinein. Die Musiker machen sich entsprechende Notizen in den Noten: Hier ein kleines Zögern beim Augenaufschlag, dort ein Voranstürmen, wenn das Gefängnis auf den Delinquenten Eisenstein wartet. Anders als in Wien, wo das Staatsopernorchester seine Ohren oberhalb der Bühnenkante ganz nah an den Stimmen hat und motorisch sowie in der Lautstärke spontan reagieren kann, müssen sich die Kieler Philharmoniker im tiefen Orchestergraben nahezu ganz auf die Vermittlungsarbeit des Dirigenten verlassen. Und das will gut geprobt sein.

Die Daten der Premiere in Kiel

Premiere am 25. Januar, 19.30 Uhr, Oper Kiel. Restkarten: 0431 / 901 901. Internet: www.theater-kiel.de

Mehr zur Kultur in der Region lesen Sie hier.

Factbox:

Der Operetten-Hit „Die Fledermaus“

Erstaunlich genug: Die hinreißende Musik zum amüsanten „Fledermaus“-Libretto von Richard Genée soll der Wiener Walzerkönig Johann Strauß Sohn in nur 42 Tagen im Sommer 1873 komponiert haben. Erzählt wird von Gabriel Eisenstein, der wegen Beamtenbeleidigung ins Gefängnis soll. Bevor er die Haftstrafe antritt, lockt ihn Dr. Falke noch auf ein opulentes Kostümfest beim dekadenten Grafen Orlofsky. Aus Rache will er ihn dort als potenziellen Ehebrecher enttarnen. Als Eisenstein dort im Champagnertaumel auf seine eigene, als ungarische Gräfin getarnte Frau Rosalinde trifft, nimmt die Komödie Fahrt auf. „Die Fledermaus“ ist die meistgespielte Operette der Musikgeschichte.

Fledermaus-Proben im Klaiber-Studio des Opernhauses
"Literatur pur" - Lesereihe mit Promi-Faktor
Ruth Bender 16.01.2020
Schauspielstudio - "Oleanna" nahm #metoo vorweg
Sabine Tholund 15.01.2020