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Kultur Lust auf etwas Leichtes
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20:00 01.10.2014
Von Sabine Tholund
Oliver Prott, Isabel Patzwald, Julia Hasenpusch und Nadeshda Gerd. Quelle: Ehrhardt
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Kiel

Einen ganz schönen Brocken hat der Regisseur da für die kleine Bühne des Möbelhauses ins Visier genommen, doch nach gut 350 Probenstunden ist er zuversichtlich, dass das große Ensemblestück auch auf engstem Raum funktioniert.

Wie im Tollhaus geht es zu in diesem zauberhaften Illyrien. Ein Schiffsunglück spült Viola an Land und trennt sie von ihrem geliebten Zwillingsbruder. Als Mann verkleidet, tritt sie in die Dienste des Herzogs Orsino, in den sie sich unsterblich verliebt. Orsino findet zwar Gefallen an dem schönen Jüngling, liebt aber die Gräfin Olivia, die sich ihrerseits in den smarten Diener verliebt. Als dann auch noch der Zwillingsbruder auftaucht, ist das Verwirrspiel komplett, das durch das Eingreifen zweier Junker noch auf die Spitze getrieben wird.

 „Das Stück passt gut in unsere Theatergruppe“, sagt Detlef Götz. Nach der Inszenierung von Lulu und Buddenbrooks hatte er Lust auf etwas Leichtes. „Boulevard-Theater interessiert mich nicht, und für die großen Frauen- und Männerrollen in dieser Komödie hatte ich die passenden Darsteller.“ Beim Theater Augenblicke wollen nämlich möglichst alle Mitglieder auf die Bühne, und so hatte Götz keine Mühe, 13 Rollen zu besetzen. Die Figur des Narren, die wohl tiefgründigste Narrengestalt in Shakespeares Bühnenwerk, hat er sogar verdoppelt und den zweiten, eher lustigen Part mit seiner elfjährigen Tochter Lara besetzt. Und weil er sich trotz der umfangreichen Aufgaben als Regisseur das Theaterspielen nicht ganz verkneifen mag, steht er wie in all seinen Inszenierungen in einer Nebenrolle auf der Bühne. „Ich bin als Kapitän nur kurz am Anfang zu sehen und gleich wieder weg“, erzählt der 47-Jährige, dem in diesem Zusammenhang der Vergleich mit Alfred Hitchcock gefällt, der bekanntermaßen in jedem seiner Filme einen Mini-Auftritt hat.

 Wie bringt er das komplexe Geschehen samt Darstellern auf die kleine Bühne? „In den einzelnen Szenen sind maximal fünf Spieler auf der Bühne“, sagt Götz, der bei der Buddenbrooks-Inszenierung die Möglichkeit der Seitenbühnen entdeckt hat, die er als kleinere Spielorte nutzt. Inhaltlich konzentriert er sich auf die Liebesgeschichte(n) und die Figuren der Junker. „Es sind Männer, die nicht erwachsen werden. Sie benehmen sich wie kleine Jungs und bauen viel Mist – und das umzusetzen macht Spaß.“

 Um am Ende alles „möglichst leicht und locker“ aussehen zu lassen, sei allerdings viel Arbeit vonnöten gewesen, für die Götz sich bisweilen Rat bei einer befreundeten Profi-Schauspielerin gesucht habe. Beherzte Kürzungen sollen helfen, das Publikum bei der Stange zu halten. „Wichtig ist, dass die Zuschauer nach knapp drei Stunden Aufführung sagen: Ich habe mich nicht gelangweilt.“