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16:03 15.07.2018
Wieder vereint: Slash und Axl Rose von Guns N’ Roses live bei einem Konzert der „Not in this Lifetime“-Tour Ende Juni im Caja Magica von Madrid. Statt eines neuen Albums veröffentlichen sie noch einmal ihr Debüt – mit üppigen Zusätzen. Quelle: imago/Future Image International
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Los Angeles/Hannover

Dass sie mal eine jener Bands waren, die den Sturm über die Welt bringen, daran erinnerte man sich vorigen Sommer in Hannover. Als vom Himmel überm Messegelände zu Blitz und Donner Regen fiel, als kippten die Engel Badewannen aus. Erst um halb elf begann das Konzert, bis viertel nach eins rockten Guns N‘ Roses dann die Stadt.

Und wer dabei war, schwärmt seither davon: Gniedelnde Gitarren, schreiender Gesang, Druck und Lautstärke. Axl Rose und Slash – die Unversöhnlichen – waren an jenem Abend endlich wieder ganz die alte Band. Und als zur Coverversion von AC/DCs „Whole Lotta Rosie“ deren Leadgitarrist Angus Young auf die Bühne kam, träumte man kurz, wie die 1985 gegründeten Guns N‘ Roses den Rock der Neunziger- und Nullerjahre hätten dominieren können, hätten sie es mit Querelen und Gespreiztheit nicht gründlich versiebt.

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„Appetite“ elektrisierte Rockfans, das Business schien 1987 ratlos

Jetzt legen Guns N‘ Roses statt eines neuen Albums ihr Debüt von 1987 noch einmal auf. Ein Album, das am Anfang noch wie Blei in den Regalen der Plattenläden lag und dann im zweiten Anlauf die Welt eroberte. Die Disc- und Videojockeys fanden an diesem Urknall des Sleaze Rock, der Kombination aus Hardrock, Blues und Punk, erstmal gar nichts Besonderes.

Und die ratlosen Konzertveranstalter schickten das Quintett aus Los Angeles auf Pakettour mit unpassenden Bands aus der Heavy-Metal-Ecke. Dabei nahm sich der unbändige Gunners-Rock’n’Roll neben dem damals vorherrschenden Metal aus wie ein blutender Krieger mit schartigem Schwert gegen gewienerte Ritter in glänzenden Turnierrüstungen.

Die Fans bemerkten den Unterschied. Als „Appetite“ zu Hause aus den Lautsprechern schepperte, war man ähnlich elektrisiert wie Mitte der Siebzigerjahre, als man zum ersten Mal AC/DCs „High Voltage“ hörte. Der kaum noch harte Keyboard-Hardrock der Achtziger war fortan ebenso abgemeldet, wie der eben noch angesagte Glam Metal von Bands wie Quiet Riot, Dokken und Poison.

Fortan hießen die Songs für die wilden Stunden der Partys: „Paradise City“, „Welcome To The Jungle“ und „Sweet Child O’Mine“.

Für finanzkräftige Altfans: Die „Locked N’ Loaded“-Edition

„Appetite“ erscheint jetzt in verschiedenen Größen. Die opulenteste, die „Locked N’Loaded“-Edition ist eine echte Boeing 747 in Musik: in einer Kunstleder-ummantelten Holzkiste finden sich 73 Songs, davon 49 unveröffentlichten Aufnahmen zumeist bekannter Stücke.

In dieser Reliquie, die eines Schreins bedürfte statt eines Plattenregals, stecken vier CDs, eine Blu-Ray und ein 96-seitiges Buch mit vielen Fotos aus Axl Roses Privatarchiv. Das Kreuz der „Schutzhülle“ überm sexistischen Originalcover ist reliefartig und handbemalt. Die Songs des Originalalbums wurden neu abgemischt, 25 Aufnahmen stammen allein aus den legendären Sound City Sessions von 1986.

Gunners-Coverversionen wie die Schweinsgaloppversion von „Heartbreak Hotel“ (Elvis Presley) oder „Jumpin’ Jack Flash (Rolling Stones) zeigen, in welchen Traditionen Axl und seine Mannen sich damals sahen.

Fairerweise finden sich die größten Schätze auch auf der Doppeldisc

Das Schatzkästlein, das man zum Preis von 975 Euro nur über die Gus-N‘-Roses-Website bestellen kann, wendet sich an finanzkräftige Altfans, dasselbe Material findet sich in der handelsüblich gestalteten „Super Deluxe“- Version“ (ca. 160 Euro).

Und die schmalere „Deluxe“-Edition für jedermann versammelt fairerweise auf zwei CDs neben dem eigentlichen Album viele der wesentlichen Musikschätze der Box, darunter die beiden bislang unveröffentlichten Studioversionen, das rasende „Shadow of Your Love“ und den Akustikblues „Move To The City“.

Aus dem Londoner Marquee stammt ein früher Livemitschnitt von Bob Dylans „Knocking On Heaven’s Door“, das 1992 in einer Neuaufnahme für die Band zum Singlehit avancierte. Gefolgt von einer raubeinigen Version jenes eingangs erwähnten „Whole Lotta Rosie“, die Guns N’Roses schon 1987 als AC/DC-Fans auswies. Ja, diese Band brachte den Sturm.

Sie konnte aber auch schon vor den weit poppigeren Nachfolgewerken „Use Your Illusion I + II“ von 1991 anders: Zu den Klampfen von „Used to Love Her“ von der EP „Lies“ könnten Tanzschüler noch heute im Grundkurs zum Foxtrott lostraben.

Guns N‘ Roses: „Appetite for Destruction“ in diversen Formaten (Geffen)

Von Matthias Halbig / RND