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Kultur In den Songs ist die Sehnsucht Zuhause
Nachrichten Kultur In den Songs ist die Sehnsucht Zuhause
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10:39 17.01.2020
Von Thorben Bull
Walking on Rivers trat in der Hansa 48 in Kiel auf. Quelle: Michael Kaniecki
Kiel

„Es ist mega-verrückt, dass auf einem Donnerstagabend so viele Menschen hierhergekommen sind“, befindet Frontmann David Laudage. In Zahlen ausgedrückt sind es etwa 60 Hörer, die mit dem Fünfer aus Dortmund den Abend zu einem wunderbaren, nachwirkenden und zu guter Letzt intimen Beisammensein machen.

Anfangs wird schnell klar: David Laudage (Bass, Gesang), Niklas Wiegand (E-Gitarre), Markus Kullmer (Piano, Posaune), Martin Kreuzer (Schlagzeug) und Sebastian Pieper (Akustik-Gitarre) verstehen und beherrschen ihr Handwerk. In der Folge bringen sie ihre Stärken in durchweg allen Stücken zur Geltung, wissen sie perfekt einzusetzen.

Die breite Instrumentierung nutzen sie für weitläufige Melodiebögen, Instrumentalparts und Herunterbrechen der Stücke, generieren so melancholische Atmosphäre, die Indie-Folk typische Mehrstimmigkeit tut ihr Übriges. Dafür heimsen sie massig Beifall ein. In ausgereiften Songs wie „Off The Trails“ und „Lonely Man“ hat die Sehnsucht ihr Zuhause.

Stilistisch ist noch Luft nach oben

Selbstredend darf die Nummer mit Mädchennamen („Celina“) nicht fehlen. Dass stilistisch immer noch etwas Luft nach oben ist und man (noch) zu namhaften Kollegen wie etwa Fleet Foxes, Mumford and Sons oder The Lumineers hinaufschaut ist normal, wenn man erst im Frühjahr vergangenen Jahres seine Debüt-EP veröffentlicht hat.

Vor allem aber wirken die Lieder von Walking on Rivers in all ihren (Instrumenten-) Facetten niemals überreizt. Das Quintett setzt seine vielen Möglichkeiten wohl dosiert ein. Beispielsweise erklingt die Posaune von Kullmer im homogenen Soundbild immer im richtigen Moment und die Stücke erwachsen zu Lagerfeuer-Hymnen. Tanzbar sind sie dennoch, so feuert Laudage das Publikum mehrfach an: „Los Kiel, bewegt euch!“ Und Kiel gehorcht.

Jubel und Applaus zur Zugabe

Beim Indie-Folk denkt man gerne an Motive wie vernebelte Wäldchen oder endlos erscheinende, dem Sonnenuntergang geweihte Landschaften – und an genau solche Orte kann man sich träumen, wenn man zur Musik von Walking on Rivers die Augen schließt. Am besten gelingt das zur Zugabe.

Unverstärkt und im Zuschauerkreis gibt es „Helplessly Hoping“ von Crosby, Stills, Nash & Young und das eigene – passender geht es nicht – „Into The Woods“ obendrauf. Begleitet vom andauernden Jubel und Applaus verabschiedet sich die Band und der Lärm der Welt bricht wieder herein.

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