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Kultur Sperrig und schrill
Nachrichten Kultur Sperrig und schrill
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07:01 21.03.2018
Von Sabine Tholund
"Weißes Ostern" als schrilles Spektakel im Landestheater: Szene mit Flavio Kiener, Karin Winkler, Robin Schneider und Neele Frederike Maak. Quelle: Henrik Matzen
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Schleswig

Die einen verließen kopfschüttelnd das Haus, andere zeigten sich begeistert.  Trolles Texte sind sperrig, reichen von der sachlichen Beschreibung eines Allerweltsvorganges bis zur kompletten Auflösung gängiger Dramenmuster  - und Alexandra Holtsch spielt diese formalen Kratzbürstigkeiten lustvoll aus. 

Als Hörspiel vor geschlossenem Vorhang lässt sie eine Chronologie des morgendliche Aufstehens ablaufen, geschildert mit akribischer Detailversessenheit.  Verschiedene Stimmen beschreiben, wie eine Frau morgens um sieben ihr Kind weckt und sich danach wieder zu ihrem Partner ins Bett legt. Mit seiner Vorstellungskraft alleine gelassen, ist der Zuschauer auf sein individuelles Kopfkino angewiesen, muss das Gehörte mit Bildern aus dem eigen Erleben füllen.

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Geschichte von Geburt und Tod

Im nächsten Text wird die bis dahin leere Bühne belebt (Ausstattung und Kostüme: Sabine Mader). Uniform kostümierte Schauspieler erzählen von einer  Schwangeren, die an einem verschneiten Ostertag mit der Straßenbahn ins Krankenhaus fährt, wo sie einen Sohn zur Welt bringt. Gleichzeitig sackt in der Straßenbahn ein Mann tot in seinem Sitz zusammen. Abwechselnd oder im Chor,  in abgehacktem, den Sinn verzerrenden Sätzen sprechen die Akteure ihren Text, wechseln sich ab im expressiven Spiel der Schwangeren, geben die  Passanten, Ärzte, Augenzeugen, manchmal kommen sie auch im Tierkostüm auf die Bühne.

Und während sich in die Geschichte von Geburt und Tod der letzte Text von Anna mischt, die  sich mit einer  neuen Ansage auf ihrem Anrufbeantworter abmüht, tobt um sie herum das Leben – prall, bunt, absurd.

Nächste Vorstellungen: 21.3. Schleswig, 31.3., 12. und 27.4. Rendsburg , jeweils 19.30 Uhr. www.sh-landestheater.de