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Kultur Katastrophenkomödie in der Hansa48
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Wet Dog Collective in der Hansa48: Theater von Klimakrise bis Sci-Fi

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20:00 29.11.2021
Von Ruth Bender
Spielen mit Mode und Sci-Fi: (v.li.) Felisha Bahadur, Konstantin Schmidtbauer, Michele Pauty, Maria Malmberg, Mae Schwinghammer.
Spielen mit Mode und Sci-Fi: (v.li.) Felisha Bahadur, Konstantin Schmidtbauer, Michele Pauty, Maria Malmberg, Mae Schwinghammer. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Die einen gehen in stylischer Folie und coolen Regenhäuten, die anderen tragen die Billig-Version im türkisfarbenen Mülltütenstil. Irgendwo zwischen futuristisch und fashionable schwebt das Regen-Outfit, das die Performance-Gruppe Wet Dog Collective für ihre jüngste Produktion „2053“ erdacht hat. Sieht nach hohem Trash-Faktor aus. „Es soll schon zeigen, dass hier nichts für die Dauer gefertigt ist“, sagt Antonia Bitter in der Alten Mu, wo die Truppe gerade probt. Zusammen mit Yihae An hat sie für Bühnenbild und Kostüme von Pappkarton bis Plastik hauptsächlich vorhandenes Material recycelt und damit experimentiert.

Das gehört zum Konzept, schließlich dreht sich das neue Stück um den Klimawandel und darum, wie das Wetter auf Erden fortlaufend neue Kapriolen schlägt. „Erst war das Thema da, dann kam die Form“, sagt Jakob Grebert, der für Text und Regie zuständig ist. Die Kllimakrise hat den Künstler schon länger umgetrieben – „ich habe da sehr düster in die Zukunft geschaut“, berichtet er. „Es hat mich wahnsinnig gemacht.“ Bis ihm die Idee kam, das Ganze eher von der komischen Seite her anzugehen. „Es geht um Menschen, die sich in der Katastrophe eingerichtet haben“, so Grebert. „Aber der Anspruch, die Welt retten zu wollen, bedeutet ja auch eine massive Überforderung. Und die vorhandenen Tendenzen ein bisschen zu überdrehen und mit Komik gegen zu halten, erschien mir ein gutes Mittel.“

Ihre Stücke entstehen in Teamarbeit: (v.li.) Regie-Assistentin Hannah Eckhardt, Jihae An (Kostüme), Yeongbin Lee (Sound), Antonia Bitter (Bühne) und Regisseur Jakob Grebert. Quelle: Frank Peter

„Eine Katastrophenkomödie“ nennt das Kollektiv, das 2014 an der Muthesius Kunsthochschule zusammengefunden hat, zwischen bildender Kunst und Theater agiert und jüngst auch im Wettbewerb für Neue Kunst am Hörnbad stand, sein drittes Stück. Fünf Spieler stehen auf der Bühne, und zwei Geschichten laufen aufeinander zu – die vom ahnungslosen „Rich Kid“, das vom Luxusurlaub schwärmt, und die zweier frustrierter Umweltaktivistinnen, die sich als Rächerinnen beim Klima-Event unter die Polit-Akteure mischen.

Theater mit dem Sound des Wetters

Auch Ivanka Trump und Elon Musk spielen mit – als Gegensatzpaar und Spiegelfläche. Auf der Fensterbank in der Alten Mu lagern schon ein paar Helme, die das Space X-Design von Musks neuen Raumanzügen aufnehmen. Eine schnelle Sprache zwischen Deutsch und Englisch, gepimpt mit den passenden Codes treibt den gut einstündigen Abend an. Und Yeongbin Lee, neben An und Grebert Grüdungsmitglied der Wet Dogs, hat dazu einen Sound erdacht aus fortlaufend sich ändernden Wettergeräuschen: „Die lösen sich im Verlauf ins Zweideutige auf.“

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„Es gehört zu unserem Ansatz, dass wir soziale und politische Themen als Comedy rüberbringen“, sagt Yihae An, die auch Initiatorin des jährlichen Kunstfestivals „Futur 3“ ist. „Die Komik ist ihr wichtig: „Den brauchen wir, damit das Heftige nicht so übermächtig wird.“

1.+2. Dezember, 20 Uhr, im Hansa 48. Auf www.hansa48.de sind Tickets erhältlich.