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Kultur In der Wartehalle der Weltrevolution
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18:25 13.12.2017
Von Ruth Bender
Wolf Biermann (re.) im Gespräch mit Moderator Andreas Karl Öhler.  Quelle: Björn Schaller
Kiel

Den Marathon, doch doch, den kann er auch. Beschwingt ist der 80-Jährige auf die Bühne gehüpft, hat zwei Mitstreiter dabei, den Journalisten Andreas Karl Öhler als Stichwortgeber und Moderator, den Schauspieler Stephan Benson als Vorleser. Und zusammen ergibt das einen lebhaften Abend, mischt sich das viel Gestik Hererzählte mit der Lesung aus Biermanns voluminöser Autobiografie Warte nicht auf bessre Zeiten.

Er hat ja auch ein „grauenhaft interessantes Leben“ gehabt, der Dichter und Liedermacher, den die Mutter 1943 aus dem Hamburger Bombeninferno rettete und allein großzog. Im atemlosen Stakkato hat Biermann das aufgeschrieben, Todesangst und Dramatik in knappen Sätzen dingfest gemacht. So stromert Biermann durch seine Vergangenheit und die des neuen Deutschlands. 1962 gründete er mit allerlei künstlerisch bewegten Mitstreitern das Berliner Arbeiter- und Studententheater (b.a.t.), „ein Märchengaunerspaß aus revolutionärem Übermut“.  Biermann machte Musik mit Manfred Krug und sie nannten sich die Jazz-Optimisten. Bis dem jungen Dichter, der 1962 beflügelt vom Tauwetter und der neuen Zeit das Gedicht An die alten Genossen richtete, der Strom abgedreht wurde. Erst kam 1963 das Hausverbot im eigenen Theater, dann wurden Veröffentlichungen und Auftritte untersagt.

Seine Berliner Wohnung in der Chausseestraße kam ihm manchmal vor „wie die Wartehalle zur Weltrevolution“. Natürlich gibt es Anekdoten wie die vom Epoxidlack auf den Dielen, das die Stasi-Wanzen versiegelte, oder dem Freund, der „unter Biermanns Einfluss“ als Spitzel untauglich wurde. Die Stasi-Aufzeichnungen sind die zweite reiche Quelle, aus der sich Biermanns Erzählen speist; „Wenn man 80000 Seiten über sich liest, wird man größenwahnsinnig.“ Und zwischen Lesen, Erzählen und längst zur Legende verdichteten Erinnerungen bekommt man ein feines Gefühl für das bewegte Drama dieses Lebens, in dem das Private immer auch politisch war.

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