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Kultur Zeit für Heldinnen: Frauen erobern das Filmgeschäft
Nachrichten Kultur Zeit für Heldinnen: Frauen erobern das Filmgeschäft
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12:00 11.11.2018
Frauen fungieren auf der Leinwand oft nur als Stichwortgeberinnen, während die Männer die Handlung vorantreiben – doch seit Gal Gadot als Wonder Woman an den Kinokassen abräumte, ändert sich etwas in der Filmbranche. Quelle: Clay Enos
Hannover

Der sogenannte Bechdel-Test ist schneller zu beantworten als jede DB-Fahrgastbefragung und jeder Anamnesezettel beim Hausarzt. Aber dafür ist dieser Test deutlich aufschlussreicher.

Er besteht aus drei simplen Fragen, die sich die US-Comiczeichnerin Alison Bechdel bereits Mitte der Achtzigerjahre ausgedacht hat, um den stereotypen Umgang mit Frauen in Kinofilmen zu entlarven. Die Fragen lauten: 1. Gibt es mindestens zwei Frauen in dem Film (und haben sie Namen)? 2. Sprechen die beiden Frauen miteinander? 3. Und wenn ja: Unterhalten sie sich über etwas anderes als über Männer?

Klar, dass Testosteron-Knaller mit Vin Diesel, Sylvester Stallone oder Mark Wahlberg nicht unbedingt die Gleichberechtigung vorantreiben. Männer legen die Welt ganz gern auch ohne weibliche Unterstützung in Schutt und Asche. Frauen dienen im Hollywood-Kino bis ins 21. Jahrhundert hinein oft lediglich als dekorative Ausstellungsstücke.

Frauen sind auf der Leinwand unterrepräsentiert

Doch selbst wenn man diese Machofilme außen vor lässt, sind die Ergebnisse des Bechdel-Tests ernüchternd: Frauen sind auf der Leinwand deutlich unterrepräsentiert und fungieren immer noch als Stichwortgeberinnen, während die Männer die Handlung vorantreiben.

Das gilt keineswegs nur für Hollywood-Produkte – was die in Genderfragen beispielhaften Schweden dazu veranlasst hat, den Bechdel-Test als Qualitätsmerkmal zu verwenden. Ein Film, der den Test besteht, bekommt vom staatlichen Schwedischen Filminstitut das „A Rating“ zugesprochen, gilt also als anerkannt, als „approved“. Filmproduzenten dürfen dann mit einem großen „A“ auf Plakaten und auf der Leinwand werben.

Im Vorjahr untersuchte die Universität Rostock mehrere Tausend deutsche Fernseh- und Kinofilme. Der Befund der mit viel Aufmerksamkeit bedachten Studie, die von der Schauspielerin Maria Furtwängler angeregt worden war: Nur eine weibliche Darstellerin kommt auf zwei männliche.

Ein Einspielergebnis von mehr als 800 Millionen Dollar überzeugt auch die skeptischsten Produzenten: Gal Gadot hat in ihrer Rolle als „Wonder Woman“ bewiesen, dass Frauen Blockbuster-Heldinnen sein können. Quelle: CB

Kein Mensch wird nun behaupten, dass mehr Frauen auf der Leinwand Filme automatisch besser machen. Doch die Tatsache, dass Frauen weniger häufig in Hauptrollen zu finden sind, lässt Rückschlüsse auf unser Geschlechterverständnis zu. „Leading Men“ sind normal, „Leading Women“ genauso die Ausnahme wie weibliches Führungspersonal in Dax-Konzernen.

Und doch scheint sich im Kino gerade etwas zu bewegen. Der erste Superheldinnenfilm „Wonder Woman“ wurde im Vorjahr als Ereignis gefeiert. Ein weltweites Einspielergebnis von mehr als 800 Millionen Dollar überzeugt auch die skeptischsten Produzenten, dass sich mit Frauen-Blockbustern Geld verdienen lässt. Längst ist ein Nachfolgefilm mit Gal Gadot als wackerer Heroine in der Hollywood-Pipeline.

Drei Witwen auf Raubzug

Plötzlich war im sonst so risikoscheuen US-Kino auch ein Krimiaufguss wie „Ocean’s 8“ mit rein weiblicher Besetzung finanzierbar. Am Ende stahl Debbie Ocean (Sandra Bullock) zwar doch nur ein paar Klunker und blieb die blasse Schwester im Schatten des übermächtigen Danny Ocean (auch wenn George Clooney gar nicht mitspielte) – aber auch das ist schließlich ein Zeichen von Gleichberechtigung: Frauenfilme können genauso schlecht wie Männerfilme sein.

Nun aber spiegelt sich der Aufbruch der Frauen in gleich zwei überdurchschnittlichen Werken: Demnächst startet mit „Widows“ (6. Dezember) einer der interessantesten Frauenfilme des Jahres. Die titelgebenden drei Witwen (rund um Viola Davis) unternehmen ebenso wie die Ocean’s-Truppe einen Raubzug. Es bleibt ihnen keine andere Wahl: Ihre Gangstergatten sind im Dauerfeuer der Polizei getötet worden und haben ihren Frauen einen Berg Schulden hinterlassen.

„Niemand glaubt, dass wir die Eier haben, um das hier durchzuziehen“: In „Widows – Tödliche Witwen“ gehen drei Frauen notgedrungen auf Raubzug. Quelle: Fox

Mit feiner Ironie wird das Geschlechterverhältnis zum Ausgangspunkt des Coups gemacht: Die Witwen wissen genau, dass sie von den Männern unterschätzt werden, und ziehen daraus ihre Stärke. Oder um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: „Niemand glaubt, dass wir die Eier haben, um das hier durchzuziehen.“ Die Frauen ergreifen die Chance, die sie eigentlich nicht bekommen haben.

Noch drastischer geht es am Hof der britischen Königin Anne im satirischen Historiendrama „The Favourite“ (Kinostart: 24. Januar) zu: Hier ziehen allein die Frauen die politischen Strippen (angeführt von Rachel Weisz und Emma Stone). Die Herren der Schöpfung bleiben lächerliche Gockel am Rande.

Unter weißgepuderten Perücken veranstalten sie im Schloss lustige Entenrennen oder auch Zielwerfen mit Orangen auf nackte Geschlechtsgenossen. Sie übernehmen gewissermaßen das Frauenprogramm. Beim Krieg gegen Frankreich haben sie nur wenig mitzureden.

Unter 10 Prozent Regisseurinnen

Also wird alles allmählich gut im Filmgeschäft? Nicht ganz: Die Regisseure bei beiden Filmen sind Männer, der Brite Steve McQueen bei „Widows“ und der Grieche Yorgos Lanthimos bei „The Favourite“. Denn was die Posten hinter der Kamera angeht, sind Frauen bislang noch stärker benachteiligt als bei denen davor.

Die US-Medienprofessorin Stacy Smith hat nachgerechnet, dass der Anteil der Regisseurinnen in ihrem Land bei deutlich unter 10 Prozent liegt. Je größer die Produktion, desto weniger Frauen dürfen im Regiestuhl Platz nehmen.

Am Hof von Königin Anne bleiben die Herren der Schöpfung lächerliche Gockel am Rande: „The Favourite - Intrigen und Irrsinn“. Quelle: Fox

Beim Filmfestival in Venedig Anfang September war im illustren Wettbewerb genau eine Frau zu finden, die Australierin Jennifer Kent. Kritiker spotteten hinterher, die Festivalleitung habe gezielt einen missglückten Western nominiert, um zu beweisen, dass keine guten Filme von Frauen zur Auswahl gestanden hätten. Immerhin: So wie andere Festivals ist inzwischen auch Venedig der Initiative „50/50 x 2020“ beigetreten, deren Ziel es ist, die Gender-Gerechtigkeit voranzutreiben. Die Berlinale dürfte im Februar folgen.

Vielleicht lässt sich der Zeitpunkt für die Gleichberechtigung von Frauen im Kino an genau derselben Sache festmachen, die beispielhaft für ihre andauernde Ungleichbehandlung steht. Wie wäre es mit folgendem Kriterium: Wenn James Bond eine Frau ist und von einer Regisseurin auf ihre Mission geschickt wird, dann dürfte dieses Ziel entscheidend näher gerückt sein.

Von Stefan Stosch

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