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Kultur Wimpernschlagfinale im Förderwettbewerb
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17:06 29.04.2017
Der junge Kieler Geiger Benjamin Günst, zweiter Konzertmeister im Landesjugendorchester Schleswig-Holstein, gewann den Förderpreis der Stiftung Musikfreunde. Quelle: Privat
Kiel

So viel heiliger Ernst mit kaum 15 Jahren: Benjamin Günst hatte es sich eigentlich doppelt schwer gemacht, indem er versuchte, Bachs "Sarabande" aus der "d-Moll-Solosuite" zusammenzuzwingen. Technisch erstaunlich souverän und spätestens ab der zupackend gestalteten Kadenz auch aufregend emotional wurde sein Geigenspiel aber im Kopfsatz von Mendelssohns "e-Moll-Violinkonzert". Da horchte nicht nur die Jury auf, in der neben SHMF-Chef Kuhnt noch der Dirigent und Trompeter Leo Siberski und KN-Musikredakteur Christian Strehk sowie die Stiftungsvorstände Rainer Kraatz und Selke Harten-Strehk Punkte vergaben.

Mit 3600 Euro ist der Förderpreis der Stiftung Musikfreunde Kiel dotiert und wird alle zwei Jahre ausgelobt, um herausragende Klassik-Talente mit monatlich 150 Euro für zusätzliche Unterrichtsimpulse zu unterstützen. Nicht nur für den mit bislang 250 Euro ausgestatteten Publikumspreis wünscht sich Kraatz in Zukunft mehr finanziellen Rückenwind aus der bürgerlichen Konzertgängerszene. Die frische Veranstaltung in der schon lange diesbezüglich aktiven Sparkasse, die von jungen Aktiven des Freiwilligen-sozialen-Jahrs oder von gleichaltrigen Schülern (wie in diesem Fall dem 17-jährigen Tade Strehk) moderiert wurde, könnte tatsächlich dazu beitragen.

Die drei anderen von der Stiftung dafür ausgewählten Teilnehmer brachten ein ganz besonderes Handicap mit in die Veranstaltung: Sie hatten alle am Vormittag eine sechsstündige Abitur-Klausur geschrieben. Bewundernswert war, wie viel Konzentration ihnen am Abend trotzdem noch für anspruchsvolle Kunstmusik zur Verfügung stand.

Die Harfenistin Julia Lilli von Grebmer aus Bad Segeberg war der Jury-Auflage gefolgt, einen Programmbeitrag von Bach, Mozart oder Haydn parat zu haben, indem sie Haydns Adagio-Mittelsatz aus der "D-Dur-Klaviersonate Hob. XVI:24" eins zu eins und in erlesen phrasierter Sensibilität adaptierte. Danach folgte mit Camille Saint-Saens' "Morceau de Concert" ein bestens beherrschtes Effektstück, in dem die Harfe es in Sachen Klangmacht und Intonationsbeständigkeit gegen den Steinway-Flügel aber nicht leicht hatte, obwohl Rebecca Letmathe sehr differenziert begleitete.

Der Kieler Trompeter Matthias Hippe, wie alle anderen im Landesjugendorchester aktiv und demnächst auch im NDR Jugendsinfonieorchester gefragt, ging den langsamen Satz von Haydns Trompetenkonzert vielleicht etwas zu getragen an, lieferte sich danach aber mit Manfred Peter am Klavier eine spannende Schnitzeljagd nach den klanglichen und rhythmischen Finessen in Gershwins "Rhapsody in Blue". 

Und der Kieler Cellist Alexander Leuschner? Der prunkte mit Bach-Bourée-Eleganz und einem ausgesprochen sonor warmen und flexiblen Brahms-Ton in der berühmten "e-Moll-Sonate op. 38". Dass er hier und da Nerven zeigte, brachte ihn im Wimpernschlagfinale des Wettbewerbs von der Zielgeraden deshalb kaum weiter weg als andere Teilnehmer mit Ansatzschwierigkeiten oder rhythmischen Ungenauigkeiten. Was also wirklich den allerletzten Auschlag gab im Votum von Jury und Publikum? Das lässt sich wohl nur schwer benennen.

Von Christian Strehk

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